Samstag, 9. Juni 2012

Medienanweisung Amazon in Sachen Abebooks/ZVAB (Satire)


Arbeitsanweisung Amazon / Abebooks / ZVAB Nr. 3
vom 7.Juni 2012


- Dies ist eine Satire -

Liebe informelle Mitarbeiter des Amazon-Konzerns,

aus gegebenem Anlaß möchten wir unseren Vertrauensleuten in den Buchhandelsmedien ein großes Lob aussprechen. Es ist Ihnen auch in den vergangenen Monaten gelungen, die Schweigeverpflichtung in Sachen Antiquariat einzuhalten und durchzusetzen.

Wir kontrollieren, Ebay abgerechnet, 80 - 90 % des Internetabsatzes über Datenbanken im deutschen Bereich. Ein ganzes Gewerbe, das Antiquariat, hängt nun auf Gedeih und Verderb von unserem Konzern ab. Für Ihre Mithilfe dabei herzlichen Dank!

Die Sprachregelungen des Konzerns, die einzuhalten Sie sich verpflichtet haben, sind Ihnen ja bekannt, sie sollen hier noch einmal kurz zusammengefaßt werden.

§ 1
Es muß unter allen Umständen verschwiegen werden, in welchem Ausmaß die Dominierung des Internetabsatzes im deutschsprachigen Altbuchmarkt durch unseren Amazon-Konzern vorangeschritten ist. Würden die Fakten einer größeren Öffentlichkeit bekannt, müßten wir mit Protesten der in Monopolfragen recht sensiblen Kulturwelt rechnen.

§ 2
Deshalb wird systematisch und bei allen sich bietenden Gelegenheiten eisern verschwiegen, daß sich ZVAB und Abebooks im Alleinbesitz unseres Konzerns befinden. Es ist fernerhin unerwünscht, in bedauerlichen Einzelfällen freilich nicht zu vermeiden, wenn erwähnt wird, daß das ZVAB nichts anderes ist als ein Betriebsteil von Abebooks. Gegen die (sachlich richtige) Formel

Amazon = Abebooks = ZVAB

muß mit allen zulässigen Mitteln vorgegangen werden. Sie wissen, daß Sie da freie Hand haben, unser Sonderetat zur Bekämpfung des Bekanntwerdens dieser Formel steht Ihnen jederzeit zur Verfügung.

§ 3
Ein besonderes Lob sprechen wir an dieser Stelle Dr. Björn Biester aus, der unter Chefredakteur Dr. Casimir verantwortlich zeichnet für den Netzteil des Börsenblatts des deutschen Buchhandels, Sparte Antiquariat. Es ist ihm gelungen, nicht nur die oben erwähnte Formel Amazon = Abebooks = ZVAB  zu vermeiden, sondern auch seine jüngste Umfrage in Sachen Bücherdatenbanken derart verschachtelt und vernebelt zu veröffentlichen, daß in zwei Beiträgen buchstablich  n i c h t s  klar wurde für den Leser. In diesem Zusammenhang unsere Anerkennung für den Verweis auf vollkommen blödsinnige Forenstellen

Gut so! Alles, was zur Verwirrung und Einnebelung der Situation geeignet ist, soll herangezogen werden. Bestens eignet sich hier auch das Zitieren solcher Antiquare, die aus ihrer Spitzenposition heraus den Absatz über die Datenbanken als quantité négligable betrachten und aus ihrer (im Internetabsatz wenig vorhandenen) Erfahrung heraus kleine Randportale als ihr "Hauptabsatzmedium" bezeichnen. Während also Außenseiter zitiert und nebensächliche Umstände hochgespielt werden, vollzieht sich im deutschen Altbuchmarkt der Abschluß unseres Konzernfeldzugs, zieht sich die Schlinge um die Antiquare zusammen.

§ 4
Der eine oder andere unter Ihnen mag Skrupel empfinden, weil er ja die verhehlte Gefahr für einen ganzen kleinen Berufsstand sieht und dabei "nicht mitmachen möchte". Den informellen Mitarbeitern unseres Konzerns rufen wir in Erinnerung, daß es - als Untergruppe der Amazon-Strategie gegen Ebay im Kampf um die Eroberung der Weltverkaufsmärkte aller Warengruppen im Internet - um die Beherrschung des deutschen Neubuchmarktes geht. Es mag bedauerlich sein, daß die Antiquare dabei das Bauernopfer darstellen, aber anders war es nicht möglich - nur in Deutschland als abgeschottetem Sprach- und Lesebereich kann Amazon = Abebooks = ZVAB ungehindert arbeiten, ohne daß Hilfe oder Störung aus anderen Teilen der Welt denkbar wäre. Dieser Umstand - die besonderen Marktregeln des "abgeschotteten Sprachbereichs", gehören, wie Sie ja wissen, ebenfalls zu den stets zu verhehlenden Umständen - darf in den Medien nie besprochen werden.

§ 5
Ein wichtiger Teil der Amazon-Strategie, der in Ihre Hände gelegt ist, wurde bisher mustergültig und hochwirksam erfüllt: Das Hochspielen der vom Umsatz her ganz absurd kleinen, unbedeutenden und marginalisierten anderen Verkaufsplattformen, die nicht unserem Konzern angehören. Hier wurde medientechnisch Großartiges geleistet, denn ganz selbstverständlich traten allerorten in den Medien, auch in den Fachorganen des Buchhandels, die ungefährlichen, kleinen Altbuchportale mit allem Anschein einer Bedeutung auf. Hierfür unseren verbindlichen Dank, so soll es auch weiterhin sein.

Nicht erwünscht ist eine klare Darstellung der wahren Funktion und Bedeutung der Metasuchmaschinen. Die kulturelle Öffentlichkeit soll diese für eigenständige Verkaufsportale halten und über ihre reine Zuträgerrolle für unsere drei marktbeherrschenden Konzernportale nicht, ich wiederhole nicht aufgeklärt werden. Suchmaschinen wie Eurobuch und Bookfinder erfüllen höchst nützliche Dienste als Vernebelungsmaschinen. Kommen neben den Miniaturportalen noch die Metasuchmaschinen ins Spiel, ist die sachliche Verwirrung im Kopf des Lesers komplett. Das ist erwünscht und muß, wie bisher, erfolgreich weiter durchgehalten werden.

§ 6
Wir haben in einer der früheren Konzernanweisungen auf die für uns hochgefährliche Rolle der Webseitenverbünde der einzelnen Antiquare hingewiesen. Hier haben wir inzwischen über unsere Vertrauensleute unter den Antiquaren mit gutem Erfolg die Methode "Lahmlegen durch Mitmachen" angewendet. Der Gedanke wurde bewußt überschwänglich gefeiert und mit Vorschußlorbeeren bedacht, dann aber systematisch und mit brutaler Konsequenz durch die Mitinitiatoren ausgetrocknet, indem sie nicht mehr reagierten. So wollen wir es auch in ähnlichen Fällen halten. Es ist uns gelungen, die potentiell gefährliche Arbeitsgemeinschaft "Antiquariat" im Börsenverein auf ähnliche Weise lahmzulegen und, neueste gute Kunde, zu beseitigen.

§ 7
Mit höchster Vertraulichkeitsstufe nehmen Sie bitte folgenden Strategiehinweis nur zu Ihrer persönlichen Kenntnis. Wir haben uns dazu entschlossen, das ZVAB nicht durch einen Übernahmeakt auch nominell in Abebooks zu überführen. Es scheint dem Amazon-Konzern weitaus sinnvoller, das ZVAB langsam auszutrocknen und die dort schwindenden Kunden-, Bücher- und Absatzzahlen bei Abebooks neu zu integrieren. Stellen Sie sich das wie bei 2 kommunizierenden Gefäßen vor, das eine (ZVAB) wird langsam geleert, die  Inhalte fließen aber zu Abebooks hinüber, das immer voller wird.

Diese Methode nennen wir konzernintern "die große Verblödung". Wir wissen, wie sensibel die Mehrzahl der Altbuchkunden auf kulturelle Werte, sprachliche Stilisierungen usw. reagiert und darauf großen Wert legt. Deshalb senken wir seit Monaten die Begleittexte des ZVAB-Portals in ihrem Niveau bis auf den Kulturteil des Düsseldorfer Anzeigenblatts hinab, sorgen für einen Abituraufsatzstil - und registrieren mit Vergnügen, wie positiv im Gegensatz dazu die Käufer auf die exzellent redigierten Begleittexte des Abebooks-Portals reagieren. Das ZVAB wird in nächster Zeit noch zunehmend verblödet und in keiner Weise geändert, während Abebooks - auch im Urteil scharfer Kritiker - immer besser wird und jetzt schon ein ausgezeichnetes Portal darstellt.

Auf diese Weise "verschwindet" das ZVAB, ohne daß die Öffentlichkeit viel davon spürt. Wir halten diese Methode für genial. - Zu den noch nicht kalkulierbaren Risiken der nächsten Zukunft gehört der Versuch, auf europäischer Ebene (Straßburg) gegen die Antiquariatssparte unseres Konzerns vorzugehen. Auch wenn das juristisch erfolglos bleiben dürfte, könnte publizistisch großer Schaden angerichtet werden durch solche Versuche und die damit verbundene öffentliche Argumentation. Ich darf daher die oben erwähnten Medien bitten, hier absolutes Schweigegebot einzuhalten. Auch hier stehen Ihnen weitere Mittel aus unserem Spezialfonds unproblematisch zur Verfügung.

§ 8
Auch wenn es vordergründig nur eine juristische Frage zu sein scheint, stellt die jüngste Zurücknahme der Bank-Zwangsfunktion bei Ebay eine herbe, spürbare Beeinträchtigung unserer Strategien dar. Wir halten den Ebay-Plan für schlichtweg perfekt und sehen in ihm ein Vorbild, dem auch wir nacheifern wollen. Denn erst wenn der Antiquar finanztechnisch in ein besonderes Amazon=Abebooks=ZVAB- System eingebunden ist, haben wir ihn auch mittelfristig in der Hand. Nun sind, wie Sie wissen, unsere Abrechnungsmethoden bei Abebooks bzw. Amazon streckenweise schon dem jetzt vorläufig verbotenen Ebay-Finanzsystem ähnlich gestaltet. Die Öffentlichkeit erfährt davon wenig, die Händler sprechen (bisher, erfreulicherweise) kaum davon. Ich bitte daher, jede Erörterung des Abrechnungssystems von Abebooks mit seinen Händlern zu unterbinden. Das ist nicht erwünscht.

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Liebe informelle Mitarbeiter, vergessen wir nicht das große Ziel - es muß gelingen, den kleinen, abgeschotteten Berufsstand der Antiquare im gleichfalls von der Welt isolierten deutschen Sprach- und Lesebereich

*in eine Schar scheinselbständiger, auf Gedeih und Verderb von uns abhängiger Dienstleister

umzuwandeln.

Dies haben wir zu rund 80-90 % im Internet-Portalabsatz, Ebay abgerechnet, schon geschafft. Wir können und werden die Gewinnmargen steigern, die Teilnahmeregeln brutalisieren, eine Vielzahl von Kontroll-, Belobigungs- und Prämiensystemen einführen, um diese Konzernsparte zu einer gut melkenden Kuh zu machen.

Die große Linie sieht ja, wie Sie wissen, eine marktbeherrschende Stellung von Amazon auch im deutschen Neubuchabsatz vor. Wir betrachten die Eroberung des Antiquariatsmarkts als wichtigen Baustein auf dem Weg zu diesem Ziel. Die Buchmedien, dank Ihrer Hilfe stockblind auf beiden Augen für diese Möglichkeit, werden uns dabei am wenigsten stören.

Wir sind auf gutem Weg! Amazon dankt seinen informellen Vertrauensleuten in der Buch- und Medienbranche.

Ernest Morris
CEO des Amazon-Konzerns für Abebooks und ZVAB


Das Foto zeigt die Ballettgruppe der informellen Medienmitarbeiter bei einem Auftritt vor dem Amazon-Vorstand. Das Foto gehört dapd/ Spiegel, wir danken für die Ausleihe. Bild wird auf formlose Anforderung hin entfernt. 

- Dies ist eine Satire  -