Freitag, 3. Juli 2009

Das ABAA-Portal, Sequel : Ein verunglücktes Entlein

Redakteur Biester stellt die neue Webseite nun - ohne jeden wertenden Kommentar - in börsenblatt.net vor. Falls er mich damit ärgern will, ist ihm das gelungen.

Bei Eingabe eines Titels, Sie kenne ja meine Standardsuche "Hitler, Kampf" enthüllt sich ein Szenarium des Grauens.

Die Datensätze kommen in viel zu großen Typen mit viel zu breiten Zeilenabständen, unendliches Scrollen bzw. Seitenwechsel ist im Normalfall angesagt, innere Datensatz-Gliederungen erhalten wir nicht, die ganze Beschreibungssoße wird in einem schwer lesbaren Sermon ausgeschüttet. Der Preis erscheint optisch unanständig herausgehoben.

Wehe, man drückt den Button "mehr Information" ein! Dann kommt die vorhin erwartete Gliederung - aber idiotisch. Es überfällt einen zunächst eine kindlich-naive, völlig unerträgliche Kindergartenliste von "Bindungsart" bis "Erscheinungsjahr", wie wir sie aus den Urzeiten unserer Bibliographieprogramme in unschöner Erinnerung haben.

Mein nächstes Probemuster, "Goethe Gedichte" bringt drei sprachlich so fürchterlich verhunzte Datensätze zu tage, daß ich weitere Tests abbreche - soweit trägt mein antiquarischer Masochismus nicht.

Fazit: Diese Webseite ist ganz fürchterlich schlecht. Als Bücherportal ist sie nahezu unbrauchbar, eine Suchmaschine des äußersten Schreckens.

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Nachschrift, 1745 h: Eben twittert Redakteur Biester, daß er die Webseite durchaus gut findet. Was soll man dazu sagen?

Ich mag es nicht, pauschal abgebügelt zu werden. Schließlich nehme ich mir auch Zeit und Aufmerksamkeit, um auf Einzelheiten einzugehen.

Eines weiß ich: Wenn Redakteur Biester die beiden Tests mit dem Datensatz-Aufruf macht und das Portal dann immer noch für gut hält - dann gehe ich morgen zum Optiker und besorge mir eine neue Brille.


Das Antiquariat als Herrenclub




Die Webseitenkritik gestern ist noch mild ausgefallen. Ich war wieder einmal zu zaghaft und zu feige - sollst du es dir wirklich verderben mit den jungen Damen, die offensichtlich jenes ungeschickte Verbandsportal zusammengeschustert haben? Eine Kritik, die ihren Namen verdiente, wäre eingehender gewesen und hätte das ganze Ausmaß der Stümperei enthüllen müssen, mit der sich die amerikanischen Kollegen da bekleckert haben.

Wobei wir gut daran tun, uns in Erinnerung zu rufen, daß Webseitenkritik mehreres zugleich leisten muß, auch wenn sie das nicht jedesmal ausführlich herbetet:

1)
Der erste, spontane und der zweite, nachwirkende Eindruck - die Gesamtwirkung als Milieu wird nachgefragt. Sehen Sie es wie den Besuch in einer fremden Wohnung - wie riecht es, auf welchem Bodenbelag gehen wir, was sehen wir beim Blick aus dem Fenster, wie "kommen wir uns vor", während wir in der Wohnung sind, wie ist der Tonfall, die Haltung der Bewohner...

2)
Die sprachliche Form und das Vermeiden sachlicher Fehler. Das wird immer wieder unterschätzt. Ich erinnere mich an eines der fürchterlichsten Beispiele, eine (heute hoffentlich nicht mehr bestehende) Version der Quack-Seite, in der ich etwa 60 grammatikalische und sprachästhetische Fehler entdecken mußte, zwanzig davon hatte ich in börsenblatt.net aufgelistet (ach, hätte mich Biester doch besser schon damals hinausgeworfen, nicht wahr?)

3)
Wir fragen nach der Brauchbarkeit, der Anwendungstauglichkeit - was beides zum Teil auch die Usability ausmacht, nur meint jener unübersetzbare Fachausdruck weit mehr als nur das. Da können und müssen wir ganz elementar vorgehen, sozusagen primitiv. Der Kritiker hat sich naiv zu stellen und die Webseite "einfach" zu benutzen. Oder doch wenigstens sollte er das versuchen..., falls und soweit es ihm die oft so unpraktischen Webseitenbauer ermöglichen.

4.)
Erst jetzt kommt die Ästhetik, also Farbenwahl, Typen, Durchschuß, Zeilenabstände. Die fließen zwar stets in die anderen Gesichtspunkte ein, können aber mit Gewinn auch separat betrachtet werden.


Darf ich nach dieser Auflistung, die Sie so in keinem Lehrbuch finden, da sie auf meinen eigenen "naiven" Erfahrungen beruht, nochmals andeuten, daß eine Kritik der US-Webseite, schön aufgedröselt nach 1 bis 4, absolut verheerend ausgefallen wäre? Und daß es mir nur begrenzt Freude bereitet, den verehrten Kollegen dort Kummer zu bereiten?

Eine Nutzanwendung können wir ziehen aus dem Desaster. Ich bin mir sicher, daß hier eine Frau am Werk war. Die Fehler der Webseite sind ausgesprochen feminin. man muß das spüren!

Es ist ganz interessant:

Die besten Webseiten werden von homophilen jungen Menschen gebaut. Die nächstbesten von Greisen.

Greise haben sehr viel Sinn für männerbündische Gestaltungsweisen. Nun habe ich zwar vorgestern ausgeführt, daß unser Gewerbe nur dann ein neues Absatz-Image aufbauen kann, wenn es sich "entgreist" und jugendlich wird. Aber was vor allem da sein und da bleiben muß, ist männliches Stilempfinden. Im Antiquariat darf absolut kein femininer Ton unterlaufen, schon gar nicht bei der angedachten Wendung ins Jugendliche.

Unsere Kunden, auch die jüngeren, die wir jetzt einwerben möchten, fahren auf einer streng männlichen Schiene, insoweit sie sammeln.

Während der Neubuchhandel bis in die Verästelungen hinein in einer widerlich-süßlichen Weise verweibt ist - wir stolpern über Röschen und Blumenkärtchen, sinken in flauschige Sitzgruppen in rosa oder lindgrün, werden betüttelt von törichten, aber hübschen Buchhändlerinnen und alles ist unsäglich verkitscht, verniedlicht und verschönt, gerade auch von der Verlagswerbung her - - währenddessen herrschen im Antiquariat entgegengesetzte Tendenzen.

Wir müssen hart, männlich (nicht: sachlich), streng geordnet (nicht: langweilig), mit allen Attributen des Männlichen versehen (kein Schild "bitte im Sitzen urinieren", kein Verzicht auf gemütliche Rauchernischen, soweit rechtlich herstellbar, keine übertriebene Sauberkeit, keine lindgrünen oder babyblauen Farben, nicht eine Blume bitte...) ein klassisches Eldorado für den jüngeren Sammler herstellen.

Das Antiquariat der nahen Zukunft muß das Image eines britischen konservativen Herrenklubs annehmen. Dies war und ist die Sammleratmosphäre aller Völker und Zeiten. Männer, die ernsthaft miteinander umgehen und sammeln.

Auch und gerade deshalb ist die besprochene US-Webseite so fürchterlich - sie verrät alle männerbündischen Image-Grundbedürfnisse, hier wurde gebatikt und geblümelt, beides leider auch noch sehr unästhetisch und krottenschlecht.


Die Urheberrechte des Filmbildes liegen beim WDR, dem wir für die Verwendungsmöglichkeit danken. Foto wird auf einfache Anfrage hin entfernt.

Donnerstag, 2. Juli 2009

the NEW ABAA website - awful

Vorsicht: Dieser Beitrag wurde inzwischen - Mitte 2011 - schon weitgehend von der Entwicklung überholt
http://www.abaa.org/

Die rechte Freude kommt nicht auf. Farblich ist die Eingangsseite zugekleckst mit einem etwas depressiven Stumpfblau, ähnlich manisch als graphisches Universalgestaltungsmittel verwendet wie das Magenta bei unserer Telekom. Nur muß mans halt können, die US-Kollegen könnens nicht.

Die Angeberei und Arroganz, die die Portalseite durchzieht, ist schlechtester GIAQ-Stil. Wer sich nicht entblödet, hochtrabend schon im Portal nur Kollegen mit bester Zahlungsmoral und fünf Jahren Berufserfahrung zuzulassen, der macht einen (an sich durchaus vertretbaren) Schritt zum aufdringlich-peinlichen Werbeargument. Einer Organisation, die so mit ihren Mitgliedern umgeht *und* das plakativ verkündet, der mag ich mich nicht anvertrauen, auch nicht als Kunde. Da stimmt irgendwas nicht mit der Grundhaltung.

Nicht nur Stumpfblau mögen sie, sondern ein geradezu überwältigend blödes Bilderbuchgucken, eine Leporello-Bilderschau in quietschbunten Farben, die freilich des tieferen Sinns entbehrt. Seit wann sind denn Altbücherfreunde im Kindergartenalter? (So hab ich gestern die Forderung nach "Jugendlichkeit" nicht gemeint)

Völlig sinn-, takt- und stillos ist die Art, mit der die Büchersuchmaske mitten in diese Batikarbeit für ältere Jungfrauen hineingerotzt erscheint - indiskutabel. Hier werden elementarste Gesetze der usability verletzt. Himmelherrgott!

Zu Ereignissen, Katalogen und Presseberichten soll offenbar "angereizt" werden ("teased"), indem am Fuß des Portals rasch noch einige wenige, viel zu breit und zu groß gesetzte, ganz ungeschickt verlinkte Appetithäppchen serviert werden, das nun aber so lieblos, daß kein Mensch Lust hat, nachzusehen, wo sich die Hauptmahlzeiten befinden.

Fazit:
In der Aufmachung völlig verkorkst (erinnert mich an jene unsägliche Ur-SFB-Seite, als die Wiener den Farbenkoller hatten), im Stil noch viel peinlicher als das GIAQ-Gelabere - I am not amused.

Mittwoch, 1. Juli 2009

ILAB-Hofberichterstattung nach System Donhofer?




Kollege Donhofer überrascht Börsenblatt.net mit folgender Gegendarstellung, die ich zitieren darf:

Ich habe mich lange dagegen gewehrt, die miserabel recherchierten, halbwahren und gegen die gesamte Branche gerichteteten, völlig kontraproduktiven Artikel des Herrn Dr. Björn Biester zu kommentieren, aber jetzt muß es wohl sein. Die Behauptung, daß über eine Zusammenarbeit von ILAB/LILA und Prolibri - "Es gibt konkrete Kooperationsangebote der ILAB-LILA an die GIAQ/prolibri und technische Anfragen des von der ILAB beauftragten Kollegen, die wir allgemein begrüßt haben, aber im Detail noch prüfen müssen" - gesprochen würde ist falsch und ich weise diese Behauptung auf das Schärfste zurück! Es ist mehr als unverfroren, eine derartige Behauptung aufzustellen, ohne die Verantwortlichen für die Entwicklung einer neuen Website der ILAB, nämlich ein Mitglied des Komitees, zu fragen. Weiters habe ich Ihnen, Herr Dr. Biester, auf Anfrage vom 25.Juni mitgeteilt, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu der Entwicklung der Website nichts zu sagen gäbe, weil, wie der Name schon sagt, wir mitten in der Entwicklung stünden. Auch die Darstellung von Jelle Samshujzen ist falsch, aber auch diese haben Sie nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft - in dieser Beziehung unterscheiden Sie sich daher nicht wesentlich von ihren schreibenden, besser: dilettierenden, Artgenossen und das ist zumindest ärgerlich.
Eine ausführliche Gegendarstellung folgt in Kürze. Norbert Donhofer

Lieber Herr Donhofer,

vom Journalistischen her behandeln Sie Herrn Biester unangemessen. Er muß nicht jede Meldung/ Mitteilung, die ihm schriftlich zugegangen ist, durch Rückfrage bei dem, wie Sie formulieren, "Verantwortlichen" bei der ILAB verifizieren. Wo kämen wir da hin? Unterscheiden Sie gefälligst zwischen großen, recherchierten Arbeiten - um die es sich dort nicht handeln kann und auch nicht soll - und den knappen, für meinen Geschmack freilich allzu gewollt "sachlichen" Meldungen, mit der uns das Börsenblatt versorgt.

Müßte ich Mitteilungen von halbwegs seriösen Leuten, die immerhin einen Ruf zu verlieren haben, stets im Sinne einer Hofberichterstattung bei der ILAB gegenzeichnen lassen, dann würde das zwar dem Ego des betreffenden Herrn bei der ILAB (Sie verschweigen uns seinen Namen) schmeicheln, wäre aber mit einer neuen Unsicherheit belastet, denn: Wie prüfe ich nun die Mitteilungen dieses Herrn dann wiederum nach?

Ihre Rüge ist ziemlich hochtrabend, bei alledem fassen Sie im Gegensatz zum armen Herrn Biester, der Ihren ganzen Zorn übers Haupt bekommt, die wahren Schuldigen an der Fehlinformation, wenn es denn eine solche war, mit Sammetpfötchen an. Der eine sitzt bei der GIAQ, der andere beim niederländischen Unternehmen. Beiden möchte ich übrigens nicht unterstellen, daß sie das Blaue vom Himmel herunterschwindeln.

Im Gegenteil - ist nicht die ILAB für ihr beständiges mittleres Chaos bekannt? Würde denn eine Mitteilung des "ILAB-Verantwortlichen" einen soviel höheren Wahrheitsgehalt a priori beanspruchen dürfen als die Mitteilöungen der GIAQ bzw. des niederländischen Webunternehmens?

Da bin ich mir nicht so sicher. Sicher bin ich mir dagegen, daß aus Wien schon allerlei Unfug und Konfuserie herübergekommen ist, mein Gedäcnhtnis ist ganz gut. Und: Das Gemache, Gewürge und Gemosere, das die ILAB um ihre Datenbank veranstaltet hat, ist eine einzige Katastrophe.

Fazit: Herr Biester hat seine journalistischen Pflichten erfüllt. Und ich hoffe, daß er sich der Hofberichterstattung à la Donhofer nicht unterwerfen wird.


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Nachbemerkung, um Mitternacht:

Ein allen Lesern dieses Blogs wohlvertrauter Kollege vom Niederrhein, der sich die Nennung seines Namens in dieser Webzeitung anwaltlich verbeten hat, erfreut und überrascht uns heute Abend mit einer Mitteilung in börsenblatt.net, die Sie dort nachlesen mögen (der Kommentar (2). ). Entkleidet man seine Zeilen des üblichen Dekors, bleibt seine etwas erschreckte und hastige Bereitschaft übrig, direkt und unter Ausschluß einer - höchst interessierten - Öffentlichkeit mit Kollegen Donhofer auszumauscheln, was denn nun innerhalb der ILAB wirklich vorgefallen sein soll, was als herrschende Lehrmeinung zu gelten hat und wie man die Scherben eines mittleren Chaos in Verband und ILAB unter welchen Teppich zu kehren gedenkt.

Ich wundere mich, daß Verband, GIAQ und ILAB ihre Namen nicht schon geändert haben, soviel Desinformation, Unklarheit und Unentschlossenheit kamen in letzter Zeit von dort herüber.

Aber darum geht es mir nicht. Ich sehe mich vielmehr in der Pflicht, Donhofers rüden, üblen und nach meiner Einschätzung ehrabschneiderischen Angriff auf Redakteur Biester abzuwehren. Donhofer hat offensichtlich keinen Schimmer davon, wie schwierig journalistische Arbeit ist, er setzt sich an den gemachten Pressetisch und mäkelt dann wie ein schlecht erzogenes Kind, wenn der Redakteur nicht nach seinen Vorstellungen recherchiert hat, seinen, Donhofers, Zusicherungen (die sich heute abend als grotesk unsicher entpuppt haben) nicht sklavisch gefolgt war..

Das ganze entbehrt nicht einer tragikomischen Note: Donhofer beschwert sich am Nachmittag lauthals darüber, daß Biester nicht die letztentscheidende Stellungnahme der ILAB eingeholt habe - am Abend des gleichen Tages offenbart unser niederrheinischer Gewährsmann, daß in der gleichen ILAB die linke Hand nicht wußte und weiß, was die rechte tut.

Damit hat unser Kollege vom Niederrhein Redakteur Biester glänzend rehabilitiert, Donhofer seinerseits steht im Regen. Vermutlich wird er, wie mindestens zwei andere Österreicher vor ihm, in börsenblatt.net schweigend zur Tagesordnung übergehen. Sitzen wirs halt aus...

Was bleibt? Die Aufforderung an die ILAB, in ihrem eigenen Hinterhof aufzuräumen. Der deutsche Verband wird ihr unter der jetzigen Leitung allerdings dabei wenig behilflich sein können.


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Tags darauf, 14 Uhr

Weder Donhofer noch der hier nicht zu nennende niederrheinische Antiquar äußern sich bis zur Stunde - es will ja schließlich sauber gemauschelt sein und inzwischen kann es nicht schaden, unseren Redakteur Biester in den Vorwürfen gegen ihn schmoren zu lassen. Die Beteiligten wissen ganz gut, wie das läuft: Beim Verleumden aliquid semper haeret, ein bewährter Grundsatz...

Ich hoffe, daß es klar geworden ist, daß ich in diesem Fall Redakteur Biester in aller Form verteidigen möchte. Wenn Leute, die im Glashaus sitzen, derart plump mit Steinen werfen, so ist das oberpeinlich - für sie selber. Am Ende hat Berichterstatter Biester noch für den mittleren Chaosladen, als den sich die ILAB zur Zeit darstellt, das Opfer abzugeben. Auf den Boten drischt man ein - noch primitiver geht es nicht.

Derweil überbieten sich die kommentierenden Kollegen im Börsenblatt in absurden Scheingefechten, die weitab vom eigentlichen Thema liegen. Enttäuscht bin ich auch vom Kollegen RF Meyer, der sich derart kurz, diskret und schamhaft über den unglaublichen Vorfall äußert, daß man auch nicht ein Quentchen Empörung spürt. So läßt er im Grunde Redakteur Biester im Regen stehen und übergeht, trotz seiner gepflegten Andeutungen, den ganzen Lotterladen zwischen ILAB und GIAQ mit Stillschweigen.

Mit kultur- und rücksichtvollen Andeutungen ist da nicht weiterzukommen! Donhofers Posting bot eine so eklige Mischung aus Möchtegern-Juristerei und Anpöbelei, daß man ihm im gleichen Stil antworten muß.

Das geschieht aber nicht. Das ist bedauerlich. Es wäre Sache der Antiquare, hier nun klare Stellung zu beziehen und die niederrheinisch-niederösterreichische Posse als das zu brandmarken, was sie ist: Ein Armutszeugnis für die ILAB und die GIAQ.

Aber der alte Mulzer kann ja lang bellen. Die Karawane zieht weiter.


Nachschrift: Einer der beteiligten Helden versieht mich zur Stunde (3. Juli, 23.30 Uhr) unter Mißbrauch der Ebay-Mitteilungsfunktion mit kaum verhüllten Drohungen. Ich habe ihn um Aufklärung seines Anliegens gebeten. Sollte es sich um das handeln, was ich vorerst vermuten muß, bleibt mir nichts anderes übrig, als dann hier die Flucht in die Öffentlichkeit anzutreten.

Merke: Journalisten erpreßt man nicht. Auch nicht zu Unterlassungen.

Aber vielleicht war ja alles gar nicht so gemeint. Ich hoffe es bis zum Beweis des Gegenteils.



Die hübsche Graphik ist Eigentum der Webseite www.glaubeaktuell.net. Ich danke für die Verwendungsmöglichkeit. Wird auf einfache Anforderung hin entfernt.

Ein jugendliches Image für das Antiquariat schaffen!




Irgendwo wird der Feldzug eröffnet. In aller Regel steht das auslösende Ereignis in keinem Verhältnis zum späteren Ausmaß des Krieges, wohl aber ist es meistens symptomatisch für die Grundtöne des Konflikts, ob es sich nun um die Emser Depesche, die Schüsse in Sarajewo oder den getürkten Überfall auf den Gleiwitzer Sender handelt.

Antiquare dürfen schon auch einmal historisch-feierlich argumentieren, sind sie doch die Hüter der zuständigen Literatur. Und so betrachte ich den Imprimatur-Skandal, auf dessen Ausfechtung ich übrigens mit alemannischer Zähigkeit bestehen werde, als Beginn einer Operation, die im gesellschaftlichen Maßstab nahezu bedeutungslos erscheint, für unser Gewerbe aber entscheidend werden könnte:

Wir beginnen nun mit dem Umbau unseres Images.

Jenseits aller fachlichen Einzelgründe, deren wir uns von Fall zu Fall ja liebevoll angenommen haben, fehlte bisher die große Linie. Wir beobachten seit Jahren einen Rückgang unseres Absatzes, einen großflächigen Preisverfall und das Wegbrechen ganzer Sachbereiche, etwa der deutschen Literaturgeschichte, der Theologie, der Kunstgeschichte. Die nun ja schon "alte" Dame Ebay hält uns gnadenlos den Spiegel vor, numeriert unsere kariösen Zähne, verschweigt uns aber die Adresse guter Zahnärzte.

Die große Linie - sie muß bestimmte Kriterien erfüllen. Schon ein flüchtiger Blick auf unser Gewerbe zeigt dem Betrachter, daß die geradezu peinliche Separierung, die Auftrennung und Einkästelung des Antiquariats in sich teilweise überschneidende Organisationen unbedingt hinderlich, schädlich sein muß. Die schüchternen Versuche, Meta-Gruppen zu bilden, ein Verfahren, das uns Altbuchhändlern von den Meta-Suchmaschinen her ja vertraut sein sollte, sind gottsjämmerlich gescheitert, nicht zuletzt dadurch, daß sich der Börsenverein bisher fast allen Chancen und Möglichkeiten verschloß, seinerseits die Mittlerrolle zu übernehmen und Meta-Einrichtungen für das Antiquariat zu schaffen. Wo er es in Ansätzen geleistet hat, etwa im Schulungswesen, blieb er eher zaghaft.

Die große Linie muß allen Zweigen und Betriebsarten des Antiquariats gerecht werden, sie muß jedem immer nur denkbaren Antiquariat nützen können! Damit ist ein großes Wort ausgesprochen, scheint diese Forderung doch bisher unerfüllbar.

Nun sind wir, dies danken wir dem Imprimatur-Jahrbuch, ein Stück vorangekommen. Denn der damit verbundene Skandal ist in seiner Schädlichkeit für unser Gewerbe derart offenkundig, wir bekamen die damit verbundenen Dreistigkeiten dergestalt mit dem Holzhammer übergezogen, daß wir alle aufgewacht sind. So schlimm also steht es mit den wertvollsten Arbeitsmitteln, mit den besten Werbeträgern des Antiquariats, - mein Gott! Wie konnte es so weit kommen?

Und in diesem Augenblick wurde uns klar: Unser Image ist offensichtlich durch diese und ähnliche Praktiken, noch mehr aber durch Unterlassungen, seit längerer Zeit schwer beschädigt.

Ich habe die hinter dem Imprimatur-Skandal stehende Tendenz als "greisenhaft" gebrandmarkt. Das ist nicht zwingend - es gibt auch bornierte, eigensüchtige und arrogante "junge" Zeitgenossen. Wir tun gut daran, uns nicht auf negative Ziele einzuschießen, sondern sogleich und von Anfang an einen positiven, schönen Horizont ins Auge zu fassen.

Deshalb formuliere ich:

Das Image des Antiquariats - vom kleinen Lädelchen bis zum Edelkollegen mit Messeware - muß sofort und in einer großen Kraftanstrengung umgewandelt werden vom Greisenhaften zum Jugendlichen.

Die erste, ganz einfache Begründung dafür liegt in dem unmittelbar bevorstehenden Strukturwandel, den wir verachtete Ebay-Billighuber viel früher spüren und ausmachen konnten als die anderen Kollegen: Es vollzieht sich die Umgestaltung des Antiquariats zum reinen Sammlermarkt.

Das alte Buch wird demnächst nicht mehr "gebraucht". Wer alte Bücher "braucht", der erhält sie elektronisch. Diesen Wandel können wir uns nicht schnell genug denken. Was an urheberrechtlich geschützter (und nicht trotzdem übers Netz greifbarer...) Literatur bleibt, das wird gebraucht derart billig, daß sich herkömmliche Antiquariatstechniken zu seiner Bearbeitung nicht mehr lohnen. Im Grunde sind wir heute schon so weit.

Fazit: Wir werden zu Agenten eines Sammlermarktes. Das ist nicht schlecht, denn Sammler sind sehr treue und dankbare Kunden. Die Sache ist nur die - wir müssen den Sammlermarkt "Altes Buch" erst einmal richtig ankurbeln.

Dazu brauchen wir vor allem ein Image, das jüngere Menschen anspricht. Dieses junge, neue Image des Antiquariats, bezogen auf Büchersammeln (nicht Bücher nutzen oder brauchen) muß vom Start an völlig anders aufgebaut werden.

Dazu gehört auch, daß wir dafür sorgen, die Erschließungsmittel, die Sekundärliteratur unter unsere Kontrolle zu bringen. Arbeitsmittel wie das Imprimatur-Jahrbuch müssen zum Preis wissenschaftlicher Taschenbücher verbreitet werden. Das darf anders überhaupt nicht sein. Auf Autoren wie Verbände ist hier einzuwirken.

Aber täuschen wir uns nicht - es genügt nicht, so zu tun, als würden wir uns ein neues Image aufpappen, es uns auftünchen. Die Wandlung zur Jugendlichkeit muß von innen her kommen.

Ein Beispiel für die zu lösenden Kernaufgaben ist ein jugendliches, neues, allgemeines Logo für das Antiquariat. Seit C.G. Jung kennen wir die tiefere Bedeutung solcher Symbole, solcher Zeichen.



Oben stellvertretend ein jugendliches Logo aus ganz anderem Zusammenhang, das leider heute fast nur noch - - Greisen vertraut ist.

Der IMPRIMATUR-Skandal - Sequel 1





Die meisten Leute unterschätzen den Eigensinn zänkischer alter Herren. Tatsächlich ist Vorsicht im Umgang mit Greisen geboten. Auch mit bücherhandelnden.

Glauben diese auch noch eine Mission für ihre Berufsgruppe erfüllen zu sollen und haben sie sich allerhand kindisch-knabenhafte Abenteuerlust bewahrt, dann werden alte Männer fallweise zu Hyänen und Monstern. Ich bin so ein Greisengerippe und liebe es gar nicht, unterschätzt zu werden.

Die Gesellschaft der Bücherfreunde, in vollem Umfang verantwortlich für den ärgerlichen Preisskandal, von dem gestern hier die Rede war, meinte gestern abend, mit einer direkten unverbindlichen Email mich nebelhaft-fürsorglich einlullen zu sollen nach dem Motto: "Bub, du verstehst gar nicht, worum es sich da handelt. Warte nur, bis du groß bist, dann erschließen sich dir die Hintergründe. Bis dahin schweig still und langweile uns nicht".

So, verehrter Herr Professor Wittmann, geht es nicht. Ich will im Sinne der Vertraulichkeit des Worts Ihre Email nicht zitieren und antworte daher indirekt: Die Fakten liegen für jedermann auf dem Tisch. Bitte verkaufen Sie mich nicht für dumm.

Noch immer mache ich übrigens die Herausgeberin direkt verantwortlich für den geschehenen Unfug - sie ist Medienwissenschaftlerin, sollte sich nicht hinter dem Vorsitzenden verstecken, sondern von ihrem Fach her antworten. Tua res agitur, verehrte Frau Professor. Wenn Sie nicht gesonnen sind, den blödsinnig-unverantwortlichen Preisskandal um das Imprimatur-Jahrbuch zu verantworten und rechtzufertigen, wer denn dann? Es handelt sich da um einen Teil Ihres Fachgebiets, halten zu Gnaden. Sie werden doch nicht mit Ihrem guten Namen für ein Sammelwerk als Herausgeberin zeichnen, ohne als Medienwissenschaftlerin auf die äußeren Fakten mit zu achten. Sie kennen die Folgen solcher gnadenlosen Abzocke doch genau. Lassen Sie das zu?


Die hervorragende Karikatur verdanken wir der Webseite www.leonope.com. Der Originaltitel des Bilds, das nicht gemeinfrei, sondern Eigentum des österreichischen Rechteinhabers ist, lautet "Die Wiener Panzerknacker". Ich freue mich, Ihnen damit ein Beispiel für die hohe österreichische Kunst der politischen Karikatur zeigen zu können. - Bild wird nach formloser Aufforderung entfernt. - Ich vertraue darauf, daß der geneigte Leser /die -in die sinngemäße Übertragung auf den Imprimatur-Skandal herzustellen in der Lage ist. Besonders schwer scheint mir die Denkaufgabe nicht zu sein...

Dienstag, 30. Juni 2009

Was uns Redakteur Biester verschweigt



Soll ich aus meinem Herzen eine Mördergrube machen? Darf ich nicht sagen, daß mir das törichte "Berichten" unseres Redakteurs Biester von Tag zu Tag mehr auf den Keks geht? Hat Biester nicht den Mut, Stellung zu nehmen? Wer verbietet es ihm, welche Rücksichtnahmen binden ihn?

Jüngstes, höchst ärgerliches Beispiel ist seine Berichterstattung über das Durcheinander rund um die ILAB-Datenbank. Der Rockingstone-Sprecher hat ja durchaus Recht mit seinen Argumenten und die ILAB, offenbar nicht viel mehr als die Summe ihrer Landesverbände, hat sich töricht, verantwortungslos und konfus gezeigt.

Daß uns Biester seine Stellungnahme zu grundsätzlichen ILAB-Belangen nicht verrät, kann ich angesichts seiner notorischen Anbetungshaltung dem deutschen Verband gegenüber ja einfühlen. Schwamm drüber, da kennen wir ihn inzwischen - eher verfüttert er seine Butterbrote an die hungernden Frankfurter Mainratten in der Tiefgarage, als daß er den Verband kritisiert. Da sei Casimir vor.

Aber was wirklich nicht hätte geschehen dürfen: Er benennt den unglaublichen, unseligen Fehler von Samshuijzen nicht - Samshuijzen vergißt die absolute Abschottung und Sonderstellung des deutschsprachigen Altbuchmarkts. Diese Regel gilt auch, mit minimalen Ausnahmen, für teure Bücher.

Wir werden von einem hier nicht zu nennenden niederrheinischen Kollegen, der schon marelibri mit auf dem Gewissen hat, in nächster Zeit wieder unsinnige Fenstersprüche über den Segen internationaler Datenbanken und fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen turkmenischen und deutschen Bibliophilen hören - vergiß es. Die GIAQ macht ohnehin grundsätzlich alles falsch, was verkehrt zu machen geht - ein Fluch liegt über diesem Restgebilde, weiß der Kuckuck, weshalb. Ich habe dafür längst keine Erklärung mehr.

Rockingstone aber mit ihrem Herrn Samshuijzen sollte es besser wissen. Herr Biester, warum verwenden Sie nicht ein einziges Wort darauf, um Rockingstone von diesem deutschen Teil der Neubelebung der ILAB-Datenbank zurückzuhalten? Er muß gesagt bekommen, daß es, von wenigen Sektoren abgesehen, Spiegelfechterei, Augenwischerei und absolut sinnlos wäre, deutsche Titel auf breiter Ebene international anzubieten.

Zur Nachprüfung meiner These reicht es völlig aus, gebildete Menschen im fremdsprachigen Ausland zu fragen: Lest ihr deutsche Fraktur halbwegs fließend?

Schon die auf diesen Satz sich einstellende Verblüffung ist heilsam. Sie lehrt: Hände weg vom fremdsprachigen Ausland (Spezialsektoren wie Philosophie nach Japan und Atlanten in die USA ausgenommen) - wir müssen unsere Datenbanksorgen innerhalb des deutschen Sprachgebiets lösen.

Ich wills jetzt einfach mal wissen: Wieviel bessere Bücher in deutscher Sprache und in Fraktur glauben Sie, lieber Herr Biester, werden ins fremsprachige Ausland verkauft? Was denken Sie? Ich sag Ihnen meine Schätzung: Ein halbes Prozent der insgesamt verkauften älteren Frakturtitel.

Und nun bitte Butter an die Fische - stimmt meine Schätzung in etwa? Wenn ja, dann müssen Sie das sagen, es ist Ihre Pflicht. Sie verletzen durch Ihr stures "Berichten" die Interessen der Antiquare immer dort, wo Sie "werten" müßten.

Wer schweigt als Redakteur, wo offenkundig Unfug geplant und Falsches gedacht wird, der tut Unrecht.


Den Mühlstein, der manchen Hals zieren könnte, verdanken wir der lesenswerten Webseite www.payer.de, deren Eigentum das Bild ist. Wird auf einfache Anforderung hin entfernt.