Montag, 8. Juni 2009

An die Berliner AG-Vorlage anzutackern, wenns beliebt





Vormerkung: Zur Brutalo-Graphik dieses Blogs bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind - irgendwann hat sich das entwickelt, "doch mit der Zeit so peu à peu, gewöhnt man sich daran" (Große Freiheit Nr.7, Originalfassung 1943, einer meiner Lieblingsfilme). Farbe und Lettern also wie in der Früh- und Revolverzeit des Zeitungswesens, Dakota 1864, "Beobachter und Kampfhund des Nordens". Es ist nicht "schön" und solls auch gar nicht sein. Zur Nachahmung nicht empfohlen.



Wir wir heute wissen, ist der Betrieb eines gut funktionierenden großen Verkaufsportals technisch gesehen eine nur mittelschwere Routineaufgabe für jeden in Netztechnik ausgebildeten Berufsanfänger; Absolventen der technischen Fachuniversitäten zum Beispiel bringen das ohne weiteres. Gerade uns älteren, immer noch in Ehrfurcht erstarrten Datenbanknutzern aus der Frühzeit des ZVAB ist es schwer klarzumachen, daß das Hexenwerk von einst inzwischen schiere Durchschnittsarbeit geworden ist und sich die Fachleute nach so einfach abzuhandelnden, uniformen Objekten, wie es unsere Titelbeschreibungen darstellen, geradezu die Finger lecken.

Warum sage ich das? Weil es für uns wichtig ist festzustellen, daß es finanziell und organisatorisch ein Leichtes ist, die eigene Datenbank des kommenden Börsenvereins der Antiquare (AG) auf die Beine zu stellen.

Ich kann übrigens sprachliches und taktisches Ungeschick ganz gut trennen von technischer Begabung. Deshalb rege ich an, schlicht und einfach die bestehende, technisch untadelige Datenbank der Quack zu übernehmen. Dies betrifft allerdings nur den technischen Teil; das gesamte, bisher dort recht unglückliche Portal ist dann Sache der AG, die das Portal der Datenbank als ihre "Börse" demokratisch aus dem Kreis der Nutzer heraus ganz neu entwerfen sollte.

Die neue Datenbank bekommt ein ganz ungeheuer wertvolles Patengeschenk in die Wiege gelegt - sie ist von Anfang an die eigene Datenbank des Berufsstands. Mit Geld ist ein Werbe- und Wettbewerbsvorteil dieser Art gar nicht zu bezahlen. Sie wird fast vom Start an beachtliche Umsätze an sich ziehen, wenn wir einige Vorleistungen erbringen.

Dazu gehört die breite Einwerbung von Mitgliedern der Billigvariante, Jahresbeitrag 50 Euro. Für diesen Betrag werden sie teilnahme- und abstimmungsberechtigt im neuen, netzgestützten Informations- und Abstimmungsdienst der AG (Googlegruppe, notfalls auch Yahoo-Gruppe). Die Gruppe sollte redigiert werden, entweder übernimmt das Redakteur Biester oder meine Wenigkeit. Wir erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung und rechnen je Stunde Arbeitszeit ab.

Sehr wichtig wird dort ein Beratungsdienst sein, stets zugänglich als eine Art FAQ für alle Blog-Mitglieder, der sich vor allem den Fragen der unteren und mittleren Kollegen zuwendet. Wir werden nämlich erleben, daß jenes Potential der kleineren Internet- und Ladenantiquare, das bisher abseits gestanden ist, in Massen auf eine solche Google-Gruppe zukommt. Sie werden nicht lange Texte schreiben, aber viele praktische Fragen stellen, die verantwortungsvoll beantwortet werden müssen.

In erster Linie werden das Tips zum Geschäftsbetrieb sein, die erwartet werden. Hier muß man über seinen Schatten springen und darf "Betriebsgeheimnisse" nicht verschweigen.

Die etwa 50 Spitzenantiquare können mit alledem nicht viel anfangen. Da sie aber ohnehin untereinander schon gut vernetzt sind, sollen sie ruhig ihre Messen planen und ihre ILAB-Probleme wälzen. Die anderen 950 Kollegen interessiert das wenig. Wir könnten aber, ich werde das zur Abstimmung stellen, versuchen, das bisher, trotz ILAB, nie richtig in die Gänge gekommene Anliegen einer besonderen Datenbank für Spitzenware (ab etwa 100 Euro) in Gestalt eines halbseparaten kleinen Verkaufs-Portals zu fördern.

Diese Datenbank nur mit "Edelware" dient dann zugleich als Imagewerbung fütr die allgemeine große Bücherdatenbank. Man wird sich das vorstellen als jene Netzversion, die der GIAQ-Katalog hätte sein können, wenn er denn ins Netz gestellt und nicht als Grufti-Bleiwüste gedruckt würden wäre.

Man muß mit der Trägheit viele Kollegen rechnen, auch mit ihrer Ungeübtheit. Für sehr viele beschränkt sich die elektronische Praxis auf das Eintippen von Büchern und etwas Email-Briefwechsel. Deshalb ist jene (Google- oder Yahoo-) Version zu wählen, bei der jede Mitteilung als aktive Email ins Briefkastenfach des Teilnehmers gelangt (also eine Abart der guten alten Mailing-Liste, zugleich aber mit Gesamtarchivierung aller Texte). Nur so kann der kleinere Kollege zur aktiven Mitarbeit gebracht werden, siehe unsere Hess-Runde, siehe noch weit besser die Planungsrunde zu Tomfolio in den USA.

Arbeitspapier zur Vorlage bei der Jahresversammlung der AG Antiquariat im Börsenverein







Die Arbeitsgemeinschaft (im folgenden AG genannt) möge ihre Satzung wie folgt ändern bzw. folgende Änderungen beantragen:

1.
Die AG versteht sich als allgemeine Berufsvertretung der Buch- und Graphikantiquare sowie des Autographenhandels im deutschen Sprachraum (also mit Österreich und der Deutschschweiz)


Der Begriff "deutscher Sprachraum" wird gewählt, weil der Ankaufs- und Absatzmarkt deutschsprachiger Bücher fast ganz abgeschottet ist von fremdsprachigen Rest der Welt. Sorgen und Hoffnungen der deutschsprachigen Antiquare in D, CH und A sind weitgehend identisch. Überdies muß die Lähmung und Behinderung der österreichischen und schweizerischen Kollegen durch die leidige Auslandsportofrage endlich beendet werden.


2.
Die AG vertritt von ihrer Auffassung her grundsätzlich alle Antiquare. Jeder Antiquar, der im oben beschriebenen Sachgebiet arbeitet, hat ein Beitrittsrecht.

Es gibt zwei Mitgliedsformen mit unterschiedlichen Rechten und Möglichkeiten. Zunächst die bisherige Mitgliedschaft, bei der alle Dienstleistungen des Börsenvereins, auch in den Landesverbänden, genutzt werden können. Dann wird zusätzlich eine vereinfachte Mitgliedschaft eingeführt, in der lediglich ein sehr ermäßigter Sockelbetrag erhoben wird. Er soll so bemessen sein, daß auch die Menge der kleinen Internet-Antiquare teilhaben kann, ein Jahresbeitrag um 50 Euro erscheint vernünftig.

Beide Mitgliedsformen berechtigen in jedem Fall zur Ausübung des vollen Stimmrechts bei allen internen Entscheidungen der AG.


3.
Hauptaufgabe der AG ist der Aufbau bzw. die Übernahme einer Verkaufsdatenbank, die sich im Eigentum der Antiquare im Börsenverein befindet. Diese soll dazu dienen, drohenden Monopolisierungs- und Abhängigkeitstendenzen im Internetabsatz, bezogen auf den besonderen deutschsprachigen Altbuchmarkt, entgegenzuwirken.

Die Datenbank ist Vereinseigentum, wird also nicht genossenschaftlich betrieben, da sich das deutsche Genossenschaftsrecht als nicht förderlich für den Betrieb eines solchen Arbeitsinstrumentes erwiesen hat. Sie soll keinen Gewinn machen. Gegenüber den bestehenden Datenbanken sind irgendwelche Neuerungen vorerst nicht geplant, eine konventionelle Bücherdatenbank wird angestrebt.

4.
Soweit dies Vereins-, wettbewerbs- und markenrechtlich möglich ist, wird sich die AG umbenennen wie folgt:

Börsenverein der Antiquare (AG im Börsenverein des deutschen Buchhandels)

Die neue Bezeichnung ist auch für die Bewerbung der Bücherdatenbank hilfreich. Als deren Bezeichnung schlage ich vor DIE BÖRSE DER ANTIQUARE oder in Kurzform DIE BÖRSE.


5.
Das Verhältnis zu den bereits bestehenden anderen Organisationen im Antiquariat wird von der AG her ausdrücklich nicht definiert. Die AG arbeitet völlig selbständig. Es ist Sache dieser anderen Organisationen, sich der AG gegenüber zu verhalten.


6.
Die AG richtet eine Internet-Demokratie ein. Sie funktioniert wie folgt:

Ein elektronisches Medium (z.B. eine google-group) wird eingerichtet, das nur den Mitgliedern zugänglich ist. Jedes Mitglied darf beliebig viele Anträge einbringen. Über jeden Antrag wird zwei Wochen lang diskutiert, dann elektronisch darüber abgestimmt, einfache Mehrheit entscheidet über Annahme oder Ablehnung.


7.
In einer breit angelegten Aktion wird zur Einwerbung neuer Mitglieder, insbesondere solche der vereinfachten Beitrittsform, geschritten. Nach zwei Monaten werden aus dem Kreis der alten wie auch der neugewonnenen Mitglieder beider Beitrittsformen Vorschläge zur Wahl der neuen Führung der AG gemacht. Nach einer zweiwöchigen Erklärungs- und Diskussionsphase wählen sodann alle Mitglieder den neuen Vorstand.


8.
Solche Aktivitäten, die über die Hauptaufgabe des Betriebs der Datenbank/ des Verkaufsportals hinausgehen, müssen immer mit dem Prozedere Antrag - Diskussionszeit - Abstimmung auf den Weg gebracht werden. Sollten Arbeitsgruppen gebildet werden, müssen auch diese alle Vorschläge in der elektronischen Gruppe unterbreiten und zur Abstimmung bringen.

9.
Die AG möge auf ihrer Jahresversammlung in Berlin am 18. Juni dies beschließen.


Freiburg, 8. Juni 2009
Peter Mulzer, Buchantiquar

Samstag, 6. Juni 2009

Strategie: Vom Grufti-Katalog zur Edelware-Datenbank




Würde man mich auffordern, den bedauerlichsten, folgenschwersten Mangel in den gegenwärtigen Diskussionen der Kollegen zu benennen, dann müßte ich nicht lang nachdenken: Den Antiquaren fehlt auf allen Ebenen ein gesunder, praktischer Sinn für

*strategisches Denken.

Es scheint ungeheuer schwer, vom Eingesponnensein in philosophisch-kulturkritische Welten (Kollege RF Meyer), vom Egoismus des biederen Kaufmanns (Fraktion Köln/ Düsseldorf), vom abgehobenen Edelmenschentum (die Redakteure des Grufti-Katalogs), von der mechanischen Geschäftigkeit ohne höhere Weihen (bookmarathon), vom Resignieren und Brav für den Tag-Arbeiten (die meisten anderen Kollegen) bis hin zur unbegreiflichen klösterlichen Selbstzucht (begabter Literat verbringt seine Tage mit Titelaufnahme, lachenden Gesichts: Koll. Wimbauer), - von all diesen Sonderformen also zu einer ganz einfachen Grundhaltung zu gelangen, die da fragen würde:

Wo stehen wir - was sind unsere Sorgen für die Zukunft, was sind unsere Chancen - wie gewichte ich sie - was muß ich demnach tun, in welcher Reihenfolge, um wohin zu gelangen?

Zu deutsch heißt das dann "Strategisches Denken".


Versuchen wirs Schrittchen für Schrittchen, knapp und bröckelesweise. Denn - mir eines der unerklärlichsten Phänomene - ausgerechnet die Antiquare, die mit Lesestoff ihr Lebtag handeln, haben eine gewaltige Scheu, längere Texte zu lesen.

Die Ausgangslage dürfte, ziemlich unbestritten, so zu beschreiben sein:

1.
Wir Buchantiquare sitzen auf einem in diesem Umfang bisher - und auch jetzt noch - kaum geahnten Bücherberg. Der Buchbestand dürfte bei etwa 10 Millionen Titeln liegen, die (um das immer etwas verfälschende Moderne Antiquariat in allen seinen Gestalten auszuschließen) älter als 10 Jahre sind.

Von diesen 10 Millionen Büchern sind gesuchte Sammelgebiete und wertvolle Stücke (diese soweit zu passablem Preis angeboten) gut zu verkaufen. Der Abverkauf der restlichen mindestens 9,9 Millionen Titel beschränkt sich auf regelmäßig tröpfelnde Zufallsbestellungen, wie sie bei dieser Titelmenge immer hereinkommen.

Ich rede dieses System nicht schlecht. Wir dürfen froh sein, daß es den tröpfelnden Wasserhahn dieser Zufallsverkäufe gibt - die meisten von uns leben genau davon (noch).

Aber wir müssen erkennen, daß ein Gewerbe von rund 1000 Köpfen, das 99 % seines Lagerbestands als dauerhaft unverkäuflich betrachten muß, irgendetwas falsch macht.

Was hilft da? Natürlich die Absatzförderung. Der Organismus "Antiquariat" braucht ein gutes Abführmittel. Wir tragen alle einen Blähbauch mit uns herum. Das zeitigt, übrigens auch seelisch, die bekannten Folgen: Depression, schleichende Vergiftung von Leber und Niere, Miesepetrigkeit, Aggressivität, Denkunlust. Man befrage die ältere Damenwelt, die gibt da gern Auskunft.

2.
Das gilt in weit geringerem Maß für die seltenen, bibliophilen Titel. Sie sind, wenn auch mit teils recht bedauerlichen Werteinbußen im unteren Mittelfeld (Sven Hedin, Baedeker, Stahlstichgraphik...), zuhanden der Sammler-Kunden weiterhin flott absetzbar.

Weil das so ist, blicken viele Edelantiquare, ja: blickt der ganze Verband weitgehend verständnislos zu den gewöhnlichen Antiquaren hinüber und versteht ihre Sorgen nicht.Was wollen die eigentlich mit ihrem Gejammere von fehlender Absatzförderung? Das System der Edelkollegen mit Messen, Edel-Listen (die dann Redakteur Biester mit verzücktem St.Aloysius-Lächeln himmelwärtsblickend beschreibt) und Versteigerungen klappt ja hinlänglich.

Freilich. Aber man stößt auch im Edelbereich an seine Grenzen. Der Absatz der Ware aus dem Grufti-Katalog der GIAQ soll, trotz Köstlers nichtssagendem Vorwort, dramatisch schlecht sein - gute Präsentation ist also wichtig, es gibt keinen Weg zurück, graue Textwüsten für bibliophile Allesfresser verlocken keinen zum Bestellen.

Es gilt also auch für die Edelantiquiare, sich Gedanken zu machen über moderne Präsentationsformen. Der Verband hat eine solch unglückliche Hand mit seiner Datenbank, daß es Gott erbarm, und offenbar kommt er da auf internationaler Ebene auch nicht voran. Die Versteigerer belauern und bedrohen den Edelantiquar in ähnlich mißgünstiger Weise wie Ebay den ZVAB-Versandantiquar.

3.
Bis hierhin haben wir noch keine Strategie betrieben, sondern die Voraussetzungen dazu halbwegs sortiert. Nun lade ich Sie zu einem ersten Denkschritt ein:

Der Grufti-Katalog ist so ungeheuer lehrreich für das Edelantiquariat, weil er präzise aufzeigt, wohin der Weg nicht führen kann und nicht darf. Ich habe, siehe einige Beiträge weiter unten, in etwa 10 Punkten aufgezeigt, wie hier wirklich alles, von der ersten Planung an, falsch, schief, verkümmert und verquer organisiert worden ist. Fazit: Es gibt keinen Schritt zurück ins Vor-Internet-Zeitalter, schon gar nicht für das Edelantiquariat (welches wir auch bibliophiles" Antiquariat nennen können, aber erstens ist dieser Begriff an sich verwaschen und zweitens soll man Fremdwörter meiden).

Was stört uns Internet-Menschen denn an der mausgrauen Textwüste, die die Unglücksraben aus der Lüneburger Heide et aliq. in den Sand gesetzt haben? Bei den seltenen, teuren Titeln mehr als anderswo sind es die fehlenden (Farb-)Bilder (jaja, Koll. Heuberger, das "Haptische", soweit der Blick, das Auge, haptisch zupacken kann - es kann!). Wir wollen solche komplexen interessanten Buchgebilde sehen dürfen, von allen Seiten, und auch innen. Das aufgeklappte Buch hat etwas von der geöffneten Scham, es ist allemal ein lustvoll-eindringendes Erlebnis, wenn auch nur fürs Auge, wenn ich den rosa Tempel der Lüste, den Altar des Mysteriums, die Weihegabe der Jungfrau öffnen, aufklappen darf.

Ist das obszön? Wer das leise Schnauben, die Glitzeraugen, die gespielte Gleichgültigkeit der echten Bibliophilen beim Öffnen der Ziele ihrer geheimen Lust beobachtet, der weiß bald um jenen besonderen Charakter der Bibliophilie.

Aber kommen wir nicht vom Thema ab (auch wenn das ein spannendes Gebiet ist, über das "Aus dem Antiquaruiat" nie, nie, nie berichten wird...) und beschränken wir uns auf eine überraschende Parallele: Was für das Gebiet der Lust die Pornographie, besonders die fotographische, ist, das erotisch-sexuelle Lichtbild, das ist für den Bibliophilen die eindringliche(!), klare, gut ausgeleuchtete Ablichtung des Äußeren und Inneren seines teuren Buchs.

Diese Fotomanie des Käufers, des Interessenten bibliophiler Titel verhehlen die Versteigerer mit großer Sorgfalt, denn hier wittern sie jene Technik, die sie eines Tages brotlos machen könnte. Aber täppische Versuche wie die völlig mißglückte Hamburger Edelware-Datenbank, wir erinnern uns nun fast schon wieder mit stiller Rührung, und manche Edelware-Inszenierung bei Ebay, dem Gottseibeiuns aller Edelwarehändler und Auktionatoren, lassen schon ahnen, wohin die Reise gehen könnte.

Nämlich zu einer zentralen, fotographisch üppig ausgestatteten, gut redigierten Datenbank für Edelware - - die sowohl Ebay als auch die großen Versteigerer ausbooten bzw, ersetzen würde.

Man nehme die an sich ganz ausgezeichneten Beschreibungen unseres Grufti-Sandbergs (jämmerlich sind die Organisationsfehler des Grufti-Katalogs gerade wegen der tadellosen Textqualität, hinter der die dergestalt verratene, verspielte Mühe der Kollegen steckt), ergänze sie mit jeweils mindestens drei bis vier sehr guten Farbscans, bis auf Bildschirmgröße darstellbar am heimischen Computer - - was für einen faszinierenden Bildschirmkatalog würden wir nicht besitzen!

4.
Nun bitte ich Sie, einen Gedankensprung mitzumachen.

Erstens geht es bei einem Edelware-Netzkatalog darum, Titel zu verkaufen. Zweitens geht es aber auch darum, ein Image (mit der guten Ware, durch die guten Beschreibungen und Fotos) herzustellen (das Koll. Kretzer dann aber nicht mit unsäglichen Geschäftsbedingungswüsten und -schachtelungen zernichten darf).

Dieser Edelware-Netzkatalog sollte nicht untergehen in einem allgemeinen Bücherkatalog - o schreckliche Idee der Quack, diesen Katalog einfach nur später "einzuspeisen" in ihren Feldwaldwiesen-Netzkatalog -, sondern er muß als Keimzelle eines künftigen beständig gepflegten Edelware-Netzkatalogs verstanden, beworben und ausgebaut werden.

Dieser Edelkatalog ist dann aber ganz eng verlinkt und verbunden mit dem allgemeinen Bücherkatalog. Wir haben sodann als untrennbare siamesische Zwillinge den Edelkatalog (Norm: 3-4 sehr gute Scans, Mindestpreis 100 Eur je Titel) und den allgemeinen Bücherkatalog. Da bieten sich sogar Verweissysteme an oder eine Doppelaufnahme, mit verminderter Fotozahl, sodaß der Nutzer des allgemeinen Katalogs zum Edelwarekatalog wechsel *muß*.


Natürlich haben wir damit mehrere strategische Ziele im Auge. Zunächst:

Der Edelwarekatalog ist Imageträger und Werbeinstrument für den allgemeinen Bücherkatalog.


Damit haben wir eine erste strategische Position erreicht. Es ist dies natürlich nur ein kleiner Schritt hin zur gemeinsamen großen Aufgabe: Absatzförderung unserer schwer verkäuflichen Titel, Eroberung neuer Käuferschichten.



Das Buchdeckelbild gehört dem herausgebenden Verlag. Wird auf einfache Anforderung hin sofort entfernt. Es zeigt einen unbekannten Frankfurter Redakteur beim Schlußvortrag in der Buchhändlerschule, zeigt es nicht?

Freitag, 5. Juni 2009

boersenblatt.net (Antiquariat) - verpaßte Chancen am Main

Der folgende Text wurde, um niemandem auf die Füße zu treten, mehrfach abgeändert. Muß ich betonen, daß es sich um einen Meinungsbeitrag handelt?


Unser geschätzter Redakteur Biester vom Börsenblatt (Netzausgabe Antiquariat) verirrt sich zusehends in einem unseligen Durcheinander aus Konzeptionslosigkeit, Zensur und langweiliger Beliebigkeit. Dazu spielt ihm die an sich recht pfiffige Idee, Twitter in die tägliche Redaktionsarbeit einzugliedern, böse Streiche.

Ich muß weit zurückdenken in die Anfänge des Internets, als ich mein Studienfach zu verbinden gedachte mit einer Netzzeitschrift. Hätte ichs nur getan - das Thema ist seither auf der ersten Seite aller Schmuddelblätter und es wäre sinnvoll gewesen, eine neutrale publizistische Plattform dafür auf die Beine zu stellen. Aber es fehlte mir das Konzept, ich hatte keine durchdachte Grundplanung.

Von daher fühle ich mit Redakteur Biester und meine Zeilen hier sind nicht gehässig gemeint. Besonders unglücklich hat er sich in die Idee verrannt, solche Themen, die jedem Kollegen auf den Nägeln brennen, feuilletonistisch abhandeln zu lassen.

In Klammern: Beratungsresistent ist er auch. Wenn Mulzer sagt - siehe etwa 5 Blogs weiter unten - , daß der Rubrikentitel "Von der Bücherwand" völlig unmöglich, peinlich und doppelsinnig ist, dann sollte er sich das ruhig ins Notizbuch schreiben. Ich kann ja sonst nicht viel, aber schiefe Namensgebungen entlarve ich mit links.


Nun habe ich gegen feuilletonistische Arbeiten nichts. Im Gegenteil, sie sind das Turnierfeld der höheren Schreiberei, und was etwa Kollege RF Meyer-Berlin im Ton etwas zu kanzelhaft-philosophisch herüberbringt, das wird bei ihm ausgeglichen durch die erstaunliche Treffsicherheit und den Tiefgang seiner Überlegungen.

Ich warne Redakteur Biester nicht vor der Form des Feuilletons an sich, sage nur, daß sie in der beruflichen Situation der Jetztzeit den Antiquaren absolut nicht nahezubringen ist. Es klingt wie Spott und Hohn, wenn Biester die Nöte und Anliegen unseres Gewerbes "feuilletonistisch" abhandeln will. Denn das bedeutet immer auch "unverbindlich", "spielerisch", "mit leichter Hand", "friedlich", "tatenlos", zuletzt im hier unentbehrlichen Femdwort kontemplativ zusammenzufassen.

Das könnte ihm so passen! Ich nenne diesen redaktionellen Ansatz, so er denn einer sein soll, feige, verhuscht, unverbindlich und beliebig.

Auf diese Weise verrät man die Antiquare in ihren Grundanliegen.

Der Börsenverein macht es, nach meiner persönlichen Einschätzung, im Grunde nicht anders.

Grundfrage bleibt: Was bitte soll die Verkitschung, Ver-Feuilletonierung und Herabwürdigung des Börsenblatt-Netzteils zu einem Nachrichtenmedium, das einerseits (meist nebensächliche) Neuigkeiten berichtet, dazu aber keine Stellung bezieht - und andrerseits idyllisch-affirmative Feuilletons dort verbreitet, wo publizistisch äußerst kritische Hinterfragung und Planung notwendig wäre.

Das ist, wenn meine persönliche Ansicht zutrifft, Verrat an einer Berufsgruppe, und die einstigen Parteilichkeiten, denken wir an unendlich peinliche Werbetexte der GIAQ oder den Wetscherek- Skandal, waren mir hundertmal lieber als das blasse, feige, farblose - - und feuilletonistische Taktieren jetzt.

Das Netzblatt des Börsenvereins (Antiquariat) könnte ein ideales Forum und meinungsbildendes, täglich mit Hingabe gelesenes und diskutiertes Medium sein; der Börsenverein könnte sich zur perfekten, hilfreichen Dachorganisation auch für die Antiquare mausern - wäre da nicht der fürchterliche Frankfurter Stillstand, die malaise am Main.

Feigheit, Furchtsamkeit und Konzeptionslosigkeit sind keine guten Berater.


Aktueller Nachtrag:
Wie führe ich ein "kulturvolles", unverbindliches Interview, in dem ich auch nicht mit einem Nebensatz auf den Rattenschwanz von echten, wirklich interessierenden Fragen eingehe? Als wollte Redakteur Biester unter meine Vorwürfe gegen ihn eine feierliche Unterschrift setzen, veröffentlicht er, während ich den obigen Text schreibe, dies:

Gemeinschaftskatalog der Antiquare – ein Gespräch mit den Redakteuren
http://www.boersenblatt.net/323725/

Es ist vorwiegend peinlich. Lesen Sie bitte diesen Meilenstein des kritischen Journalismus, nochmals :
Gemeinschaftskatalog der Antiquare – ein Gespräch mit den Redakteuren, mit wachen Sinnen, halten Sie sich die Handvoll aktuellster Fragen vor Augen, die alle zur Zeit bewegen, die Planer, Belieferer und die Redakteure des Grufti-Katalogs - - und dann ziehen Sie sich Biesters Text rein...

Merke: Die Gefragten antworten meist nur auf solche Fragen, die man ihnen stellt. Auf solche, die man ihnen nicht stellt, nur gelegentlich. Auf solche, die man ihnen nicht stellt und die ihnen unangenehm sind - gar nie.





Die Graphik, vermutlich von A. Paul Weber, ist nicht frei, sie gehört den Rechteinhabern. Ich entnahm sie der lesenswerten Seite http://www.bleisetzer.de. - Wird auf einfache Anforderung hin sofort entfernt.

Dienstag, 2. Juni 2009

Unser Generalplan, die zweite




1.
Ich halte es für wichtig, daß die rd. 100 Sachgebietsportale einen gewissen Zusatznutzen bieten für die neuen Kundenkreise, die wir für unsere antiquarischen Büchern neu erobern wollen. Im Idealfall nutzen sie die Fachportale als eine Art Wiki-Ersatz und kommen so automatisch zum Angebot der Antiquare.

Dazu gehört, um beim Sachgebiet 45,a : "Eisenbahn" einzuhaken, eine Reihe schnell zu ermittelnder, aber doch recht nützlicher Angaben:

(immer auf den abgeschotteten deutschen Sprachraum bezogen:)

- Fachbibliotheken (Anschrift, Bändezahl)
- Anzahl der Fachgebietstitel in allgemeinen größeren Bibliotheken (kann man teils erst seit wenigen Monaten ermitteln - hochinteressant)
- Spezialsammlungen zum Thema in Bibliotheken und Archiven (rasch darstellbar, allerdings nicht aus Internet-Quellen)
- Fachzeitschriften, Fachverlage
- Verbände, Vereine, Museumseisenbahnen
- eine Auswahl an älterem, urheberrechtsfreiem Bildmaterial
- Fachgebietsausschnitte aus alten, urheberrechtsfreien bibliographischen Handbüchern
- Sequenzen aus 5-Jahresverzeichnissen des deutschen Schrifttums, soweit urheberrechtsfrei

Solche kleinen Einführungen sind bei vielen Kunden, sogar bei Fachleuten des Gebiets, willkommen, und sei es nur, um schnell einen ersten Überblick zu gewinnen.

Das angewandte Schema sollte für alle unsere Sammelgebietsportale ungefähr das gleiche sein, damit sich die Kunden schnell zurechtfinden. Ich denke, daß etwa 20 eigene Seiten je Sammelgebietsportal ausreichen.


2.
Wenn die Mitglieder des Webseitenbündnisses diese Portale nicht wünschen, dann stelle ich die Portale unabhängig her und verlinke statt der Antiquariate eben die großen Portale, ZVAB, Amazon und Ebay.

3.
Klären müssen wir gemeinschaftlich, inwieweit mein dringender Wunsch, jeden mit Google erfaßten und im Volltext zugänglichen Scan des jeweiligen Fachgebiets nachzuweisen, realisierbar ist. Dadurch erhalten wir dann die kuriose Situation, daß lieferbare antiquarische Titel und frei erhältliche Google-Scans gewissermaßen nebeneinander stehen. Gerade das wird den Verkauf unserer Titel fördern.

4.
Ich lege größten Wert darauf, daß alle ca. 100 Fachgebietsportale nominell unabhängig voneinander, also selbständig, organisiert aussehen. Der Kunde will ein Portal "seines" Fachgebiets.

5.
Zu klären ist die schwierige Rolle der echten Fachantiquariate in meinem Plan. Bei "Eisenbahn" zum Beispiel dominiert Dumjahn alles. Ich rege an, Fachkollegen nicht anders zu behandeln als die kleineren Häuser, die nur wenige Fachtitel anbieten können. Extrawürste dürfen nicht gebraten werden. Ein System dieser Art muß transparent und demokratisch sein.

Unsere Kunden, die allemal zur intelligenteren Schicht der Bevölkerung gehören, ganz besonders die jetzt zu gewinnenden bisher ausschließlichen Neubuchkäufer, beobachten solche nur scheinbar nebensächlichen Dinge mit Argusaugen. Lügen und Mauscheleien durchschauen sie sofort.


Das nette Hamsterrädchen gehört der Zeitung "Die Welt". Es wird auf einfache Anforderung hin sofort entfernt.

Ein Generalplan zur Zukunft des Webseitenbündnisses





Für die folgenden Überlegungen beanspruche ich (damit die Juristen was zum Lachen haben) eine ganz neue Form des Rechtsschutzes: Den der Fairness unter Kollegen.

Ich hatte, fast auf den Tag genau gleichzeitig und parallel zu den amerikanischen Kollegen von Tomfolio den Genossenschaftsgedanken in Deutschland auf die Bücherdatenbanken angewandt und in der Hess-Runde vorgeschlagen. Ähnlich bitte ich nun auch die folgende neue Grundidee aufzufassen: Als öffentlich dargelegtes Generalprogramm.

Weil ich etwas verwirrt und müde auf die über 100 Postings in meinen eigenen zwei Antiquariatsblogs zurückblicke, die zu nichts nutze waren und offensichtlich keine Seele interessiert haben, fasse ich mich nun kurz. Ich begründe nicht jeden der nun folgenden Schritte. Für die Katz ist es ja sowieso, ist es nicht?

1.
Von den Kunden ausgehen: Das Sammelgebietsprinzip

Von den Sammlern des "seltenen und teuren Buchs" einmal abgesehen, sammelt fast jeder Antiquariatskunde im oberen Wertbereich oft, im mittleren und unteren Bereich fast ausnahmslos alte Bücher nach Sachgebieten, die sich bei näherem Hinsehen dann eher als Sammelgebiete entpuppen. Mitunter sind es auch mehrere; aber immer sucht der Kunde nach "seinen" Gebieten und läßt den ganzen Rest links liegen.

Diese Tendenz zeigt sich noch deutlicher bei den von uns so sehnlich herbeigewünschten neuen Käuferschichten, die ja fast nur vom Neubuch herüberkommen können und oft genug nur durch ihr besonderes Neubuch-Sammelgebiet zum Altbuchkauf verführt werden können.

2.
Der Kunde will anonym finden, aber persönlich kaufen

Das Faszinierende an der (von mir erst spät begriffenen) Bündnis-Idee ist die dadurch erreichte Aufhebung jener eiskalten Funktionalität und Neutralität, die die großen Bücherportale wie etwa das ZVAB auszeichnet - praktisch, aber vom Kunden her betrachtet viel zu ungemütlich. Der Altbuchsammler will zwar schnell sein Buch finden, aber dann will er von der Fundstelle in "sein" Antiquariat geführt werden. Das mag die große Datenbank nicht leisten, da sie allzu engen Kontakt des Kunden mit dem Antiquariat nicht wünschen kann - die Provisionen gehen im direkten Verkehr flöten.

Abgesehen davon wirkt die Sachgebietssuche in den Riesenportalen gerade auf ungeübtere neue Käuferschichten sehr abschreckend. Der Laie will eigentlich keine Datensatz-Bleiwüsten, sondern gemütliche Einkaufsräume bei persönlich zu kontaktierenden Antiquaren sehen.

Sind nun die Bündnisantiquare selbst die Besitzer der Datenbank, dann können sie die Provisionsfrage unter sich irgendwie anders lösen, sie haben die Möglichkeit, vom gefundenen Buch subito "in" das Antiquariat des einzelnen Kollegen umzuleiten.

3.
Antiquare haben unterschiedliche Gestaltungshöhen

Es gibt sehr verschiedene Begabungen, Interessen und Geldmittel unter den Antiquaren, die dazu verwendet werden können, um eigene Webseiten zu gestalten. Ich habe heute mehrere Stunden brainstorming an der idyllischen Dreisam gebraucht, bis mir die Lösung für dieses Grundproblem eingefallen ist: Wir brauchen eine gestaltete Datenbank, die zwei grundsätzliche Ebenen aufweist, einmal einen Teil mit hübsch illustrierten, aufbereiteten, gut kommentierten Webseitenteilen ambitionierter Kollegen - und dann das ganz simple alphabetische Datenbankfeld für die "einfacheren" Kollegen.

Alles natürlich nach den obligatorischen Sammelgebieten aufgedröselt.

Beispiel: Sachgruppe 44c = Landwirtschaft, Gartenbau

Drei oder mehr Kollegen können Ausschnitte aus ihren eigenen Webseiten bringen, graphisch aufbereitet, einige Fotos. Die bringen wir "oben", oder "links". Untendran oder rechts folgt dann die alphabetische Aufreihung jener Kollegentitel zur Sachgruppe 44c, die nur als Datensätze überspielt worden sind.


Das bedeutet, leider, daß jede Sachgruppe redaktionell betreut werden muß. Denn der erste, gestaltete Teil sollte graphisch hübsch aufbereitet werden, auch mit Wiki-Artikeln, gemeinfreien Fotos aus dem Sachgebiet, Holzstichen(!) des Sachgebiets usw.


4.
Das Geheimnis 1: Die Verlinkung zur Antiquariatsseite

Sowohl die gestaltete, man kann auch sagen die Eingangs-Fläche zum Sachgebietskatalog als auch jeder einzelne Katalogeintrag sind durch eine Vielzahl direkter Links vernetzt mit der jeweiligen Kollegenseite (die den Bildteil gestaltet bzw. den Titel eingegeben hat). Das Problem der Rück-Verlinkung bzw. des Rahmens zur Rückkehr muß sorgfältig gelöst werden.


5.
Das Geheimnis 2: Die Suggestion eines großen Antiquariats

Das ZVAB treibt es in seiner Google-Werbung seit Monaten unverschämt, es bezeichnet sich als "das größte Antiquariat", was wettbewerbsrechtlich natürlich höchst angreifbar ist und für die ehrwürdige Tante ZVAB verderblich werden könnte, so sie das nicht endlich ändert.

Aber ein Kern Wahrheit steckt drin, so wie Redaktor Biester nicht ganz Unrecht hat, wenn er das ZVAB heute via Twitter als bereits bestehendes "Haus der Bücher" der Antiquare "mit dezentraler Lagerung" bezeichnet...

Die Antiquare können und müssen der Öffentlichkeit gegenüber (auch) als großes Antiquariat auftreten. Natürlich gilt es, meinen alten Vorschlag aufzugreifen und das Gebilde "Deutsches Antiquariat" zu benennen (in der Hess-Runde endete die Diskussion darüber mit dem Vorwurf, ich würde durch Verwendung des Wortes "Deutsch" die Untaten der SS verteidigen und "Mein Kampf" anbieten, wer erinnert sich noch - Himmelkreuztürkennot...)

"Deutsches Antiquariat" ist sehr hilfreich, um Untergruppen zu postulieren.
Wir bilden, um es zu verdeutlichen, ja für unsere rd. 100 gemeinsam genau festgelegten Sammelgruppen alter Bücher entsprechende rd. 100 Portale. Und die nennen wir:

Deutsches Antiquariat für Buchwesen und Bibliographie
Deutsches Antiquariat für Studentica und Universitätswesen

Deutsches Antiquariat für Philosophie

Deutsches Antiquariat für Altertumskunde

Deutsches Antiquariat für die Geschichte und Kultur des Mittelalters und der Reformationszeit

....
Deutsches Antiquariat für Textil, Bekleidung, Mode

Deutsches Antiquariat für alte Handwerke

....
Deutsches Antiquariat für Sport und Spiel

....

Alle teilnehmenden Anitquariate sind jeweils Träger von allen rd. 100 Portalen.


6.
Also stehen die rd. 100 Sammelgebietsportale jedem Kollegen offen. Er zahlt irgendwie einen gerechten Gebührenanteil. Gebühren sind erstens die reinen Datenbankkosten. Und zweitens die Kosten für Redaktion des "schönen", gestalteten Teils und der angeschlossenen Fachdatenbank.

Das ist das Ding nämlich in den Augen der Öffentlichkeit. Ich kenne meine Pappenheimer, Werbewesen ist mein Hobby seit olims Zeiten. Das Wort "Fachdatenbank für Landwirtschaft und Gartenbau" wirkt auf alle, die mit diesem Sachgebiet zu tun haben, geradezu magisch. Und je mehr Zusatzinformatiion man hineinpackt, wie etwa Institutslisten, Holzstiche... desto überzeugender wirkt das.


Die hübsche Graphik gehört der Stadt Yuma - gar nicht so weit weg von den Vorplanungen zu Tomfolio.
It's a Long Way to Tipperary

Sonntag, 31. Mai 2009

Das Webseitenbündnis als kreative Denkmaschine




Die Idee unseres Oberkonsistorialrats RF Meyer, eine Vernetzung von Kollegenwebseiten herzustellen, könnte uns auf allen damit zusammenhängenden Gebieten zu neuen Ideen führen. Es sollte darum gehen, daß wir uns aus starren, allzu eingefahrenen Gleisen befreien und wieder frischweg nach neuen Ufern Ausschau halten.

Dabei gilt es, die neuen Möglichkeiten des Netzes mit zu berücksichtigen. Ich merke an mir selbst, wie schwierig es ist, etwa die universellen Einsatzfelder des Bilds (und des Films) aus den gelernten Vorstellungen "Bilder brauchen viel Platz und sind teuer" oder "Videofilme sind schwerfällig aufzurufen und mit vielen Mängeln behaftet" zu befreien im eigenen Kopf.

Das waren ein Jahrzehnt lang nützliche Planungshilfen, die sich fast immer auch als sinnvoll erwiesen hatten. "Fotos sind Luxus, sags lieber mit Worten". Heute gelten sie nicht mehr.

Ich hatte noch in der Hess-Gruppe in mehreren langen Beitragsfolgen eine "betretbare Datenbank" gefordert, aus virtuellen Räumen, in Fom von Netzzbildern, die je nach Verfeinerung der Suchbegriffe immer enger werden, bis wir schließlich einer symbolisch gestalteten Bücherwand mit erkennbaren, lesbaren "Buchrücken" gegenüberstehen. Den Farben der Rücken wollte ich noch besondere Bedeutung geben, grün = Handbücher, usw. Durch Anklicken des virtuellen Symbolbuchs sollte sich dann erst die Titelei öffnen und das Buch bestellt werden können. Man hätte von Raum zu Raum wandern können, virtuell.
Kurioserweise könnte man heute, viele Jahre später, manche meiner Überlegungen verwirklichen. Damals durfte ich davon nur träumen.

Im Zusammenhang mit der Webseiten-Vereinigung (wieder einmal stellt sich gebieterisch die Namensfrage - möge sie von den Antiquaren doch einmal gut gelöst werden) hätte ich folgende Idee:

Jedes Buch wird dreimal fotografiert, einmal die aufgeschlagene Außenseite (Einband mit Rücken und Spiegel), dann das Titelblatt und schließlich irgendeine interessante Doppelseite innen. Die drei Fotos werden automatisch in einen Standardrahmen aufgenommen. An Stelle der Fotos treten im Idealfall die weitaus schärferen Scans. Notiert wird das genaue Sachgebiet bzw. die Gebiete - also brauchen wir ein festzulegendes allgemein anerkanntes Standardschema der Sachgebiete im deutschsprachigen Antiquariuat. Dazu noch Preis und knappste Anmerkungen.

Der lichtgrüne Rahmen um den jeweiligen Drei-Foto-Block, jeder einzelne Block steht für einen lieferbaren Titel, läßt sich durch Anklicken vergrößern.

Das Vergrößerungs- und Verkleinerungsschema funktioniert wie bei Googles Landkarten bzw. Erdansichten. Eine Gesamtkarte enthält sozusagen alle xy Millionen Bücher, winzig klein sind einzelne Titel beim Heranzoomen etwa zum Sachgebiet "Technik" schon erkennbar. Nicht nur als Pixelchen, sondern schon als farblich unterschiedene Mini-Bücherrücken sind auszumachen die Titel des Gebiets "Verkehr". Die Rückenaufschriften der Untergruppe "Eisenbahn" sind für scharfe Augen schon lesbar. Die letzte Landkarte, von der ab es nicht mehr weiter geht, mag "Eisenbahnkursbücher" heißen und etwa einem kleinen Bücherschrank entsprechen.

Innerhalb dieses letzten Raums wird nun nicht mehr sortiert oder gegliedert. Die Titel stehen wie in Wilsbergs Antiquariat einfach nur noch nebeneinander. Die drei Fotos für jedes Buch sind als kleine Kästchen jetzt gut erkennbar, wer will, klickt sie sich groß und wandert so durch das ganze Feld "Einsenbahnkursbücher".

Nun scheint es mir reizvoll, sich auszudenken, wie man die einzelnen Antiquariate ihrerseits als betretbare virtuelle Räume darstellen könnte. Der Kunde kann hin- und herwechseln zwischen dem Fachgebietsraum aller vernetzten Antiquariate und dem Gesamtangebot des einzelnen Antiquars. Das wurde in letzter Zeit übrigens wieder von etlichen Kollegen gefordert: Ein Antiquariat übers Netz als betretbaren Raum darzustellen.

In diesem Zusammenhang, auch als Nachtrag zu meinem Verriß des Quack-Katalogs, die ganz dringende Mahnung - bitte vergeßt nicht, daß gut 90 % aller unserer Kunden nur an Büchern "ihres" Fachgebiets interessiert sind. Das müssen wir überall im Kopf haben! Wer sich, wie der Quack-Katalog, nur auf teure Zimelien, auf versteigerungsfähige Titel und ihre Kunden konzentrietrt, der vergißt leicht die fast absolute Fachgebiets-Bezogenheit aller anderen Bücherkäufer.

Ich breche hier ganz bewußt ab, denn Überlegungen dieser Art sollten wir nur "offen" angehen. Brainstorming ist angesagt. Zu allererst ist das Sache der jetzt schon beteiligten Kollegen.

Wobei ich selbstverständlich dazu rate, sich alle Kollegen als Teilnehmer vorzustellen - von Anfang an. Man muß Visionen haben!


Das Bild zeigt oben Erzvater RF Meyer bei Verkündigung der Webseitenbündnisidee. Ganz unten knurren zwei Antiquare aus dem Westen unserer Republik.

Betr. Europawahl: Beim Nennen des Worts "Webseitenbündnisidee" bricht jeder Franzosen in Verzweiflungsschreie aus. Er rächt sich dann durch Anwendung des doppelten Subjonctif.