Dienstag, 23. Juni 2009

Warum ich so gern Antiquar bin



















Wir Buchantiquare sind Leichenfledderer mit Leseverbot und Schacherzwang.

1)
Wir siedeln nah am Reich der Toten, den Aasgeiern und den dicken weißen Würmern verwandt.

2)
Wir dürfen die Texte, die durch unsere Hand gehen, nur in Ausnahmefälle lesen, fast nie mit ihnen arbeiten.

3)
Wir müssen am Baalstanz ums goldene Kalb teilnehmen; nicht der Würdige erhält unser Buch, sondern der, der am besten zahlt.

Wir sind schlimmer dran als Bibliothekare, weil wir Schacherer sein müssen. Wir sind stärker belastet als Neubuchhändler, weil wir abgelegte Strümpfe und Unterhemden aufstapeln - Modergeruch, Trödler Abraham. Es geht uns schlechter als den Antiquitätenhändlern, weil die Bücher reden, weil sie uns auffordern zum Lesen, zum, Verstehen, zum Denken, sie sind nicht still wie Möbel und Bilder.

Indem das so ist, regt mich unsäglich auf die ästhetische Philosophie des Kollegen RF Meyer, kann ich die naive soziale Blindheit von Redakteur Biester im Börsenblatt, nicht ausstehen, werde ich fuchsteufelswild bei sogenannten guten Kaufleuten in Köln, Düsseldorf. Undsoweiter.

Was gibts Positives? Auch dreierlei:

1)
Das Jagdfieber besonders auf Einkaufsreisen. Da wird ein uralter Männerinstinkt befriedigt. Trouvaillen machen!

2)
Pfiffige, findige Beschreibungen, Bewertungen schwieriger Bücher. Sie recht eigentlich erst erschließen.

3)
Sammler, die man glücklich machen kann, die uns ihr Glück mitteilen.


Ansonsten: Kanalräumer und Toilettenwächter sind glücklicher als wir Antiquare - Leichenfledderer mit Leseverbot und Schacherzwang.

Montag, 22. Juni 2009

Das Buch als Hure, seine Zuhälter - und wir Antiquare




Das gedruckte Buch ist tot - es lebe das digitalisierte Buch!



Es ist schon erstaunlich, welch engagierte Verteidiger *) jene todkranke Schöne findet, die Gutenberg vor fünf Jahrhunderten und einigen Jahrzehnten ins Leben geführt hat und die nun sterben muß, nachem sie uns gute - und böse Dienste geleistet hat.

Die Schöne hatte zwei Erbübel mit auf die Welt gebracht, beide zeigten sich schon wenige Wochen nach der Geburt, sie begleiten Fräulein Buch seither bis heute und sie sind es, die uns ihr nahes Ende freudig erwarten lassen.



1.
Die Schöne war und ist nämlich käuflich. Wer wüßte uns das besser zu berichten als die Herren Gutenberg, Schöffer und Fust. Schon als Wickelkind war sie auf widerlichste Weise eingebunden in groteske, schmähliche Geldhändel. Die Frühgeschichte des Buchdrucks ist eine Lastergeschichte der Beutelschneiderei, der Ausnützerei, der Zins-, Schuldturm- und Prasserwirtschaft.

Dieses Eingebundensein in die Jagd nach dem Golde hat das Buch, den Umgang mit ihm, das Sammeln und Handeln damit vergiftet - bis heute. In dieser neuesten und Spät-Zeit des Buchs wird uns das Gipfel des Widerlichen vorgeführt, Ertragssteigerung der Verlage durch Erpressungsmanöver, Wissensvermittlung, meist aus staatlich bezahlter Forschung, als Schutzgeld-Manövermasse - Führungskräfte aus dem Umkreis der Universitätsbibliothek Basel brandmarken die Absatzschacherei niederländisch-britisch-amerikanischer Naturwissenschaftskraken im Verlagswesen als Erpressung - diese Bezeichnung ist angebracht. Im Biologie-, Physik- und Medizinbereich wird das moderne Verlagswesen ekelerregend. Aus dem Geistesprodukt Buch wird dergestalt, während seine Agonie schon heraufdämmert, rasch noch ein Gewinnobjekt gemacht, dessen Ertrag die Hundertmillionengrenze überschreitet.

Das gedruckte Buch hat alle Stadien der Gold- und Geldperversion mitgemacht, und hätten wir nicht einige soziale Großtaten wie Pfennig-Bibliothek, Reclam, Bertelsmann-Buchklub (o ja, durchaus), Taschenbücher usw. zu verzeichnen, der Ekel würde uns überkommen beim Aussprechen des verächtlichen Namens "Buch".

2.
Die andere Norne, die an der Wiege des Buches stand, hat mit ihm nichts Besseres im Sinn gehabt. Das gedruckte Wort ließ sich ja köstlich manipulieren, zensieren, fälschen und lenken. Die Macht über die Drucker und Offizinen war einfacher und wirkungsvoller zu erlangen und einzusetzen als die über die Schriftsteller. Und so kommt es, daß das gedruckte Buch fast durchgängig folgsamer Büttel, feile Dienstmagd, kurzum die Nutte, die Dirne der Herrschenden war. Rasch sichtbar wird dies in vergifteten Bücherzeiten, ob NS-Regime, Väterchen Stalin oder Axel Springer, ob Salazar oder Metternich, aber durch die unselige Vermischung mit dem Geldfaktor zieht sich die geistige Vergiftung und Unfreiheit auch durch scheinbar unschuldige Zeitläufte.

Wiederum würden wir uns mit Ekel vom Buch abwenden, wären da nicht die Aufmüpfigen, die Mutigen unter den Buchherstellern gewesen, könnten wir uns nicht freuen über Exilliteratur, Freiheitsliebe und klandestine Drucker jeder Art.

3.
Das Internet, sehr poetisch geboren in der tiefsten, krudesten Todesgefahr, im Augenblick des unmittelbar drohenden Selbstmords der Menschheit, aus den Bedürfnissen der Verwalter der Missiles und Neutronenbomben, aus dem Ungeist der Weltvernichtungsmachinen nach Art der "Kursk" oder der "Corpus Christi" (Sie lesen richtig) - es hat uns, keiner hätts gedacht, die beiden bösen Nornen verscheucht. Aus dem nahen Untergang der spezies Mensch hat sich ein Instrument der geistigen Freiheit entwickelt, ein wundervolles, freilich sorgsam zu hütendes Pflänzchen - das digitalisierte Buch im Netz.

Da mag Kollege RF Meyer noch so barmen und pixeln über Qualitätsstufen bei der technischen Reproduktion - er übersieht offenbar den größten Nutzen, den das digitalisierte Buch mit sich bringt. Vielleicht weil er solche nur vermeintlich bescheidenen Aspekte für eine quantité négligeable hält? Oder weil wir, freilich eine Schande das, keinen rechten deutschen Ausdruck dafür haben?

Ich spreche vom Zauberwort "copy and paste". Indem wir mit blitzschneller Markierung, Übertragung, Neuzusammenstellung Herr über die geistige oder ungeistige Urmasse des Textes werden, wandeln wir uns vom Abschreiber, vom Kompilierer, vom ewig Nachschlagenden - zum souveränen Neugestalter, Sammler und Vergleicher der Texte. Frühere mühsame Kärrnerarbeit langer Stunden schrumpft zusammen zu wenigen Minuten copy and paste - und dann kann sogleich das Denken beginnen.

Daß gewisse Regeln beim Zitieren, bestimmte Vorschriften geistiger Natur über die Integrität der Texte beachtet werden müssen, das ist zu machen, muß aber auch durchgesetzt werden. Nichts ist leichter zu vereinbaren und einzuhalten als ein Regelwerk, das die weltweit vernetzte Wissenschaft einmal vereinbart hat.

4.
Die Verleger sind selbst schuld. Nicht daß es nicht rührende Kleinverleger, bemühte Wissenschaftsverleger und andere Idealisten zuhauf geben würde im Bereich der Buchproduktion - aber der Regelfall sieht anders aus. Das internationale Verlagsgeschäft der Großkonzerne ist über weite Strecken zu einer wahren Eiterbeule des Geldschachers, der Ausnutzerei und der Beutelschneiderei geworden - - von der der Autor in aller Regel lächerlich wenig sieht.

Ihm wäre mit einem Abgeltungssystem im Internet weitaus besser gedient. Die ganze widerliche Mischpoke von Großverlegern soll der Teufel holen.

Da kann auch der Börsenverein mit seinen kulturellen und moralischen Zirkusveranstaltungen der Öffentlichkeit nicht weiter Sand in die Augen blasen, wir sehen zu klar, daß in Frankfurt im Rückzugskampf der Verleger gegen das Publizieren im Internet nun

*Geist dem Geld unterworfen

werden soll - das widerlichste Geschäft, das sich denken läßt.

Jeder denkende und fühlende Mensch fordert daher: Schluß mit den Büchern als Geldobjekt. Geistesfreiheit, Lesefreiheit ohne aufgehaltenen Schacherbeutel, im Internet ! Nun kann jeder, auch der Ärmste in Afrika oder Indien, zu den gleichen Bedingungen Teilhabe am Wissen, an der Geistesüberlieferung der Menschheit erlangen.

5.
Fassen wir zusammen:

Die jetzt kommende Entwicklung ist gut. Sie ist nicht ungefährlich, wie alles Neue will sie beobachtet und behutsam geregelt werden. Man muß das neue Bäumchen der Geistesfreiheit (der Befreiung des Geistes vom Gelde und von der Zensur ) treulich hüten, ein wenig beschneiden und regelmäßig gießen.

Zum Teufel geht der Neubuchhandel. Das bedauere ich aufrichtig. Aber er mußte ahnen, er konnte wissen, daß seine unheilige Allianz mit den Verschacherern, mit den Beutelschneidern, mit den "Hütern" des Geistes in Gestalt der Großverleger nicht gutgehen konnte. Mitgefangen, mitgehangen.

Zum Teufel geht das Verlagswesen. Die Mitarbeiter dort werden fast alle gebraucht werden in jenen Verwaltungs- und Regulierungsinstanzen, die Wissenschaftler, Dichter, Künstler, Museen und andere Selbstorganisationen des Netzes einzurichten haben. Da ist mir gar nicht bange.

Und was ist mir uns Antiquaren?

Wir bedienen einmal den Sammlermarkt. "Büchersammeln" muß so allgemein werden wie es früher einmal das Briefmarkensammeln war. Es ist an uns, gemeinsam oganisiert diesen neuen Sammler- und Käufermarkt anzukurbeln. Und zwar nicht (nur) auf der arrogant-elitätren Ebene der Edelantiquare, sondern auf weitaus breiterer Ebene, bis hin zu einfachen Kinderbüchern und billigen Autobiographien.

Es gibt jene interessante Kosten- und Nutzenkurve, die zwischen dem Laser-Selbstdruck mitsamt allen Zeitfaktoren einerseits und dem fertigen, wenn auch gebrauchten Altbuch festgelegt werden kann. Das sind ganz simple Rechnungen. Ich habe da, den Kollegen dient es freilich meist nur zum Ablachen, Pionierarbeit geleistet im Planerischen - etwa durch mein "Haus der alten Bücher" könnten wir auf lange Zeit hinaus auch aus unseren Billigbüchern noch eine bescheidene, aber sichere Nebeneinkommensquelle machen.

Immer aber ist es das "Sammlerbuch", bis hinunter zum 5 Euro-Bereich, das uns auf lange Sicht rettet und das wir mit allen Mitteln ankubeln müssen.

------------------
*) Kollege RF Meyer hat soeben auch eine erweiterte Fassung in seinem eigenen Blog veröffentlicht, 21.6.09

Das Schnappi verdanken wir der Webseite http://www.pet-resimleri.com, und/oder der ehrwürdigen US-Monatszeitschrift für Geographie (Abonnement hatte ich lange Jahre, kann ich empfehlen), deren Eigentum das Foto bleibt. Wird auf einfache Anforderung hin entfernt.

Freitag, 19. Juni 2009

Arbeitspapier zur Schaffung eines vernetzten doppelten Verkaufsportals





Liebe Kollegen, aus aktutem Zeitmangel habe ich diesen Text automatisch diktiert. Ins Mikrofon spricht man anders, als man schreibt. Bitte versuchen Sie, über sprachliches Ungeschick hinwegzusehen und halten Sie sich an den Inhalt, nicht an die Form. .

Wie immer das Modell unserer zukünftigen Zusammenarbeit auch aussehen mag, es kann nur von einem wirklich durchschlagenden Werbeargument getragen sein, nämlich von der aktiven Unterstützung nahezu aller Antiquare im deutschen Sprachgebiet. Das ist eine werbetechnische, werbepsychologische Frage.

Hier wurde schon öfter und durchaus zutreffend festgestellt, daß der Bau und Betrieb einer Bücherdatenbank in unseren Zeiten keine Hexenwerk mehr darstellt. Das kann im Grunde jeder machen der es möchte, ins Netz gestellt ist es dann auch schnell. Jede neue Bücherdatenbank muß aber gegen zwei große Einrichtungen angehen, ZVAB und abebooks/ Amazon. Dies betrifft nicht nur die allgemeine Kenntnis von der neuen Datenbanken im Netz, sondern weit mehr noch das Zutrauen, das Vertrauen in das neue Bücherportal.

Hier spielt neben einigen Sachargumenten das Image des Verkaufsportals eine zentrale Rolle. Sowohl als Sachargument wie auch im Bereich des gefühlsmäßigen Vertrauens ist die behauptete und nachweisbare Vielheit der beteiligten Antiquare von unschätzbaren Wert. Dabei interessiert den Kunden übrigens wenig, ob die Datenbank, das Verkaufsportal den Antiquaren wirklich gehört. Der Kunde will vielmehr wissen, wer hinter dem Verkaufsportal steht, wer es garantiert, wer seinen guten Ruf dafür in die Waagschale legt.

Wir dürfen nicht annehmen, daß der Kunde mit den internen Gewerbefehden, mit unseren absurden Verbands- und Vereinsstrukturen vertraut ist. Der Bücherkäufer will weder von Verbänden, noch von Arbeitsgemeinschaften hören - nur fest eingerichtete Größen wie etwa der Börsenverein könnten hier imagemäßig von Vorteil sein. Für den Kunden zählt einfach nur, daß und ob eine Mehrzahl, möglichst sogar eine überwältigende Mehrheit der Antiquare hinter dem Verkaufsportal steht.

Die Antiquare sind sich ihres exzellenten Rufs in der weiteren Öffentlichkeit oft nicht bewußt. Sie tun jedoch gut daran, ihre ungewöhnlich gutes Bild in der Öffentlichkeit einzusetzen, wenn es um die Einrichtung eines neuen gemeinsamen Portals geht.

Was das ZVAB und jede andere Datenbank dieser Art mit sehr hohen Summen an Werbung und anderen Maßnahmen ausgeben muß, kann sich das gemeinsame Gebilde der Antiquare sparen - es setzt seinen unbezahlbaren guten Ruf ein.

Um in den Genuß dieses psychologischen Vorteils zu kommen, muß der Name des Verkaufsportals zwingend den Sachverhalt kundtun. Das ist ganz selbstverständlich.

Die Antiquare müssen, auch aus psychologische Sicht, ihre Artillerie doppelt einsetzen. In ein und demselben Gebilde, vielfach untereinander vernetzt, treten die Buchantiquare sowohl als individuelle Betriebseinrichtungen von jeweils ganz besonderem Charakter auf, wie sie in ihrer Gesamtheit ein eindrucksvolles Portal all ihrer Bücher anbieten. In dieser parallelen Anordnung liegt das faszinierende neue RF Meyersche Konzept begründet.

Wie das Instrument, mit dem die einzelnen Kollegenseiten aufgefunden werden können, im einzelnen aussieht, scheint mir weniger wichtig. Hier können sachliche, aber auch geographische Kriterien angewendet werden. bedeutsam ist nur, daß der Kunde bis zur Einheit des einzelnen Antiquars herunter ohne Mühe sich durchfinden kann, andererseits blitzschnell zur Gesamtdatenbank aller Bücher wechseln kann - und wieder zurück zur einzelnen Web-Seite des teilnehmenden Antiquars.

Dies ist, ich wiederhole es, keineswegs nur eine technische Möglichkeit. Dies ist die Visualisierung des größten Kapitals, das das neue gemeinsame Verkaufsportal besitzt, nämlich seine Bildung aus sehr vielen, möglichst allen Antiquariaten im deutschen Sprachgebiet. Es läßt sich gar nicht überschätzen, wie sympathisch und vertrauenserweckend dies wirkt.

Die Mobilisierung aller rund 1000 Kollegen ist ungeheuer wichtig. Daß sie bisher noch nicht vorgenommen worden ist, gehört zu den großen Versäumnissen, ich zögerte nicht zu sagen zum Kapitel unserer Dummheit, ja der tragischen Bosheit in unserem Gewerbe. Da in den mittleren und unteren Bereichen des Antiquariats, insbesondere im Versandbereich, sehr wenig Kapital, oft sogar eine gewisse Armut zu finden ist, muß die Eintrittsschwelle so niedrig wie möglich gehalten sein. Hier gilt es, sich radikal abzuwenden von den Bräuchen und Vorstellungen in Börsenverein, in der Genossenschaft usw.

Niedrigschwellig, also preiswert für den einzelnen Teilnehmer schon deshalb, weil ja jeder Antiquar, unabhängig von seinem beigesteuerten Kapital, an sich schon einen Werbewert mitbringt, an dem alle teilhaben können. So gesehen sollte man selbst die Möglichkeit einer vorläufigen Gratismitgliedschaft ins Auge fassen. Lieber ein Kollege, der kostenlos teilnimmt, als einer, der fehlt.

Über die praktische Ausgestaltung der zwei Teile des Portals als Verkaufsorganisation der Deutschen Antiquare muß diskutiert werden. Meine persönliche Auffassung, daß Billiglösungen ins Auge zu fassen wären, muß nicht richtig sein. Eine gewisse Würde, ein selbst- und standesbewußtes Auftreten kann durchaus vorteilhaft sein. Ich neige dazu, solche Faktoren zu unterschätzen.

Wie die Vernetzung der Kollegenseiten technisch vor sich gehen kann, das läßt sich klären und es sollte auch im Auge behalten werden, daß uns immer noch einen lokales und überhaupt ein geografisches Nachschlageportal zum leichten schnellen Auffinden der Ladenantiquariate im deutschen Sprachgebiet fehlt. Das neue vernetzte Webseitenbündnis kann in seinen Webseitenteil solche Wünsche elegant erfüllen.

Man wird nun fragen, ob diese nicht besonders berauschenden Neuerungen ein eigenes Projekt rechtfertigen. Ich würde die Frage verneinen, wenn da nicht der eingangs erwähnte ungeheuer große und sehr wertvolle Werbeeffekt des gemeinsamen Verkaufsportals einer überwältigenden Mehrheit aller Antiquare als Tatsache in Raum stehen würde.

Ich wiederhole: das Bündnis der Web-Seiten muß zum Bündnis möglichst aller Buchantiquare im deutschen Sprachgebiet erweitert werden. Das neue Portal im Internet muß diesen riesengroßen Wettbewerbsvorteil rücksichtslos einsetzen, dann haben die Deutschen Antiquare praktisch kostenlos das doppelte Arbeitsinstrument, daß ihnen Unabhängigkeit, niedrigste Selbstkosten - und ihre Würde garantiert.

Der Weg dazu führt allein und ganz aus schließlich über die niedrigschwellige Erfassung möglichst aller 1000 Buchantiquare im deutschen Sprachgebiet. Nicht irgendwann, sondern jetzt.


Das Bild ist Eigentum der Webseite http://www.kolumbus und wird auf einfache Anforderung hin entfernt

Zwischenruf: Gehn wir Kollegen ausnehmen im Park

Hurra:

Der Verband der Antiquare, unter Federführung des Koll. Munsch, bietet uns zum Vorzugskauf an den Neudruck eines (übrigens wirklich anregenden) Schriftchens, das 1916 erschienen ist:

Schattenrisse deutscher Antiquare : persönliche Erinnerungen aus den Jahren 1870 - 1915 / von Max Ziegert
Autor: Ziegert, Max
Erschienen: Leipzig : Ramm & Seemann, 1916
Umfang: 32 S.

Dies ist der bibliographische Eintrag des Originals. Wir wollen gern annehmen, daß der Verband in einem hübschen Vor- oder Nachwort dem Werklein noch einige Seiten und/ oder Fotos hinzugefügt hat.

Wenn uns jemand, dazu noch mit dem Lockvogel "limitierter Exemplare", diese Sammlung von, sagen wir, 40 Seiten zu - - 20 Euro andrehen will, dann ist das unbescheiden.

Es ist, nach meiner persönlichen Einschätzung, dreist, und da man es mit Kollegen zu tun hat, die die Herstellungspreise kennen, überdies - dumm.

Reprokosten mit PDF sozusagen 0 Euro,
Seitenausdruck mit Laser rd. 1,50 Euro
ordentlicher Offsetdruck mit Bindung maximal 5 Euro (bei Auflage 500 x), dazu Porto und Versandtasche 2 Euro

Der Rest ist - - Schweigen.

Die Antiquare und der Börsenverein in Berlin - eine verpaßte Chance




Wer die laufende Diskussion unter den Antiquaren in den letzten Monaten Revue passieren läßt und sich daraufhin den Bericht unseres verehrten Redakteurs Biester in börsenblatt.net ansieht, der wähnt sich in einem Roman von Kafka. Über alle wichtigen Fragen, über die Chancen und Projekte wurde in Berlin offenbar nicht geredet, stattdessen die etwas peinliche Bilanz der "Zusammenarbeit zwischen (AG und/ oder) Börsenverein und GIAQ" besprochen.

Was soll denn der Rekurs auf dieses totgeborene Kind? Die GIAQ ist ein unglücklich konstruiertes Segment aus der Gesamtheit der Antiquare. Sie kann sich qua Verfassung kaum erweitern und führt uns, mea culpa, eines der untauglichsten Anwendungsgebiete des Genossenschaftsgedankens vor Augen. Ihre aktiven Mitglieder kommen seit jeher überwiegend aus dem Kreis der Edelantiquare, die von ihren Kerninteressen her im Verband am besten aufgehoben sind. Würde nicht die eigene Datenbank das Hobby eines immer gleichen Dutzend Genossen der ersten Stunde sein, dann wäre die Genossenschaft längst tot.

Dieses durch ein kleines Kerngrüppchen mühsam am Leben erhaltene Gebilde soll nun, man betrachte sich nur einmal sinnend die beiden vorgeschlagenen neuen Vorstände, in einer

Personalunion vernetzt werden mit der AG und dadurch mit dem Börsenverein.

Was wäre damit gewonnen? Die Antiquare wünschen sich nicht unbedingt einen weiteren GIAQ-Ableger in Gestalt der neuen AG.

Wer auf neue Ideen gekommen ist, wem sich die Chance böte, das groteske Dreigestirn Verband-GIAQ-AG aufzubrechen oder doch wenigstens zu erweitern, der verdummt und verspielt offenbar zur Zeit seine Möglichkeiten. Das gilt für Hoefs, dessen ohnehin undeutliche Haltung zur GIAQ sich paart mit ganz erstaunlicher Antriebshemmung und Tatenlosigkeit, was seine Internet-Antiquare angeht. Es gilt ferner für den für meinen Geschmack taktisch wenig klugen neugebackenen Kollegen Weinbrenner - hab ich ihm nicht prophezeit, daß das Xing-Modell für uns freiheitsgewohnte Antiquare Gift sei -, und noch weit mehr, jetzt aber schon skandalös und oberpeinlich, gilt dies für unseren verehrten Konsistorialrat RF Meyer-Berlin.

Da kommt einer auf die Idee, eine Reihe von Webseiten, von Angeboten, von Datenbankteilen einer recht ansehnlichen Gruppe von Antiquaren zu vernetzen. Nach anfänglichem Widerstand, nicht zuletzt auch von meiner Seite, entwickeln sich die vielfältigen Möglichkeiten, die diese seine Grundidee birgt, es wird klar, daß da etwas zu machen sei.

Gerade weil hier verkrustete Strukturen aufgebrochen werden können und weil gewissermaßen querlaufende, zu den vorhandenen Organisationsmustern teils kompatible, teils erfreulichst belebende Möglichkeiten sich auftun, fiebern wir von Tag zu Tag dem Ausbau, der Diskussion, den Plänen und Projekten rund um das RF Meyersche Gebilde entgegen. Um so vergnügter, als sich auch Kollegen hineinverirrt haben, denen die Tragweite der Möglichkeiten gar nicht klar sein konnte, etwa in Bezug auf die Zukunft der GIAQ, die an diesem Meyerschen Stolperstein ihr Ende finden könnte....

Wie auch immer, was tut und denkt die teilnehmende Kollegenschaft angesichts dieser Chance? Sie tut nichts. Es ist grauenvoll.

Der verrückte Mulzer, der ja auch jede Woche eine neue Sau durchs Dorf treibt, hatte sich nun in den Kopf gesetzt, den Börsenverein als Motor neuer Organisationsformen dieser und anderer Art auszugucken. Herübergekommen bis nach Berlin zum Börsenvereinstag ist aber davon offenbar nichts. Die kleine AG-Versammlung hat, wenn Redakteur Biesters Zusammenfassung korrekt ist, woran wir zu zweifeln keinen Grund haben, auf ihre Weise alle Erweiterungspläne, jegliche Neubelebung einer Zusammenarbeit des Börsenvereins mit den Antiquaren zu Grabe getragen.

Was bleibt? Mir scheint, alle Karten hat nun Kollege RF Meyer. Er muß sofort ein Denkzentrum einrichten und mit allen bisherigen und manchen neuen Teilnehmern weiterdenken, Planspiele vielfältiger Art inszenieren.

Er muß also jene Arbeit leisten, die die AG und damit der Börsenverein zu leisten - - verhindert (worden) ist.

950 von 1000 Antiquaren warten auf neue Organisationsstrukturen, auf Arbeitserleichterung, Monopolfreiheit, Absatzsteigerung.


Das Foto zeigt den Berliner Tagungsraum der AG, wie er wirklich war... - Mit Dank an die ganz ausgezeichnete Webseite der "Berliner Unterwelten", der das Foto gehört und die zu besuchen ich jedem historisch Interessierten ans Herz legen möchte.

Sonntag, 14. Juni 2009

Wie uns Katalogdrucker und Fachanwälte quälen




1.

http://www.amdo-gmbh.de/0.1/info1.html

Unser aller Redakteur Biester verschweigt uns, daß sein brandrot eingefärbter Link in börsenblatt.net - - auf einen Beitrag derjenigen Druckerei verweist, die für die Produktion des Grufti-Katalogs der GIAQ verantwortlich ist. Der Produzent dieses - in vielerlei Hinsicht und nicht nur nach meiner Einschätzung - zumindest formal höchst unerfreulichen Druckerzeugnisses hat einen Text verfaßt, der sich durch so fürchterliches Schwafeldeutsch und auch inhaltlich derart peinliche Floskeln auszeichnet, daß ich meine Ferien vom Dienst unterbreche und ausrufe: Mein Gott, wertes börsenblatt.net, guckt ihr euch Eure Links denn rein gar nicht an?

Die Situation auf dem Internet-Druckmarkt wird im Klippschulniveau referiert, unter Verwendung einer Batterie von deplazierten Schwurbel- und Plusterfremdwörtern, daß es Gott erbarm. Haben wir uns durch den verhunzten Text eine Schneise gehauen, diesen Urwald an selbstverständlichen, überwiegend nichtssagenden Überlegungen etwas gelichtet, bleibt ein kümmerliches Häuflein dürrer Zweige übrig.

Natürlich geht die werte Firma AMDO mit keinem Sterbenswörtchen auf die Katalogverrisse ein. Was will sie uns eigentlich sagen? Eine Fünfminutenrecherche in Google karrt mehr und nützlicheres Material zur gestellten Frage herbei.

Werbung ja, meinethalben auch Schleichwerbung - aber bitte nicht mit solchen Texten. Merke: Wir Buchantiquare sind keine Marktfrauen. Wobei ich davor warne, Marktfrauen zu unterschätzen...


2.

http://www.amdo-gmbh.de/0.1/info1.html

Sagte ich es nicht schon oft, daß die seltsame Vereinigung "Antiquariatsrecht" keine glückliche Hand habe, mußte ich mich nicht schon vor Jahresfrist durch wahrhaft fürchterliche Textwüsten der für Nichtjuristen rührend-unverständlichen niederrheinischen Kanzlei quälen?

Damals, ich war noch nicht aus dem Börsenblatt hinausgeworfen worden, beschrieb ich die Irrwanderung des entsetzten Lesers durch ein krudes, völlig verwildertes und zerworfenes Drahtverhau gutgemeinter, tatsächlich aber wohl nicht nur für juristische Laien unverständlicher Salbaderei.

Heute beschert uns Redakteur Biester einen neuen Link dorthin, und siehe da, mittlerweile haben die Texter gelernt. Sie schreiben, immer nach meiner persönlichen Einschätzung, kein Gemenge aus Entscheidungen und komischen Herleitungen mehr - sie schreiben, bei näherer Prüfung muß mans so formulieren, "eigentlich nichts".

Ich habe selten ein so allgemein gehaltenes, verwässertes Statement gelesen wie dieses, immer eingedenk, daß es ja praktische Hilfestellung für Antiquare geben sollte. Die eine Hälfte ist, wie der Link unter 1), hastig zusammengeschriebenes Wiki-Material, das in solcher Verallgemeinerung wenig nützlich sein kann. Der andere, ärgerlichere Teil handelt von Fragen, die speziell den Antiquar nur ganz am Rande oder gar nicht betreffen.

Vor einem Jahr habe ich der neuen Gruppe schon vorausgesagt, daß unser Beruf allzuwenig juristischen Gehalt böte, um eine vertiefte Behandlung zu rechtfertigen. Ich warnte davor, dort eine Bewegung "herauszuquälen", wo die präzise, verständliche Abhandlung weniger Fachfragen hingereicht hätte.

Genau dies ist seither geschehen. Ich halte solche Suppen, bei denen der eine vorhandene Teller bis zum Wassergehalt eines Hordentopfs verdünnt wird, nicht für empfehlenswert. Der verlinkte Text ist in Form und Inhalt eine Zumutung, hier wird uns Antiquaren Zeit gestohlen.


Ich behalte mir in beiden Fällen eine eingehende Besprechung vor. Aber die würde fürchterlich.

Nachtrag, spezieller und allgemeiner:

Einerseits reizt es mich - jeder Journalist der alten Schule wird mich verstehen -, die beiden in meinen Augen ganz unerträglichen Texte auseinanderzunehmen. Von beiden Sachthemen glaube ich was zu verstehen. Während der unseres Internet-Druckers einfach dünn, einseitig und nichtssagend ist und ich im Grunde nicht weiß, warum ihn der gute Mann geschrieben hat, ist der juristische Text zugemüllt mit an sich nicht Falschem, aber Unnötigem, an diesem Ort und zu diesem Zweck Unpassendem - mit wenigen Abänderungen wäre er auch für Käse- oder Möbelhändler brauchbar. Die spezifischen Bezüge zum Antiquariat, es gibt deren sehr viele zu fast jedem Ihrer Stichwörter, konnten Sie offenbar nicht herstellen. Schade.

Beide Autoren wollen ihr Pöstchen, ihren Broterwerb, ihr Ansehen bewahren und mehren - soll ich ihnen das vergällen? Was, o Kroko, was bitte wird auf dieser Welt besser durch zwei Verrisse, von denen ich, exempla docent, weiß, daß sie auf Monate hin nachwirken und Existenzen gefährden können, wenns schlimm kommt. Will ich das erreichen? Gewiß nicht.

Böse bin ich den beiden Autoren nur, daß sie, jeder auf seine Weise, unsere Zeit vergeudet haben. Weitaus böser bin ich Redakteur Biester, der mit dem Kopf in Edelware und kulturvollen Handels- und Messebelangen steckt und praktische Fragen für den Unter- und Mittelbau mal wieder mit Nichtachtung straft. Offene Frage an Herrn Biester:

1) haben Sie beide Texte aufmerksam gelesen?
2) haben Sie nicht, wie ich auch, bemerkt, daß hier zwei verschiedene Formen von - - Stuß vorliegen?

Wenn ja, warum haben Sies kommentarlos verlinkt? Ist das Redaktionsbrauch in Frankfurt?

Bei dieser Gelegenheit ein kleines Wörtchen an meinen niederrheinischen Lieblingsantiquar, dessen Namen nicht mehr zu nennen ich mich verpflichtet habe : Sie greifen meine, feierlich an mehreren Orten, Redakteur Biester sei mein Zeuge, ausgebreitete Idee, die Aufsätze aus den vielen Jahren von "Aus dem Antiquariat" zu erschließen, zu digitalisieren und ins Netz zu stellen, freudig auf. Das dürfen Sie. Aber dann nennen Sie bitte Roß und Reiter. Von Xing muß ich mir meine Ideen, so meine Einschätzung, klauen lassen (genauer gesagt deren "Nutzung und Verwertung"). Macht das jetzt allgemein Schule? Die Quelle zu nennen tut doch nicht allzuweh. Halten zu Gnaden.

Dienstag, 9. Juni 2009

Das dynamische Reduktionsmodell - ein Beitrag zur Absatzförderung

Gegenüber der Erstfassung leiste ich mir immer einige Korrekturen. Aktualisieren Sie gegebenenfalls die aufgerufene Seite, um auf dem neuesten Stand zu sein. Ich habe leider nur begrenzte Zeit zur Verfügung, perfekte Endfassungen sollten Sie nicht erwarten.

1.

Bei näherem Hinsehen fällt auf, daß ausnahmslos alle guten Ratschläge, die das Buchantiquariat aus der

*allgemeinen Betriebswirtschaftslehre und von den
*Neubuchhändlern

im Lauf der Zeit erhalten hat, völlig unbrauchbar waren.

Wie kommt das? Im Antiquariat gelten, betriebswirtschaftlich gesehen, erstaunlich komplexe Regeln und Zusammenhänge, die ein Außenseiter kaum je richtig einschätzen kann. Auch wirkt sich hier das bekannte Schichtenmodell in unserem Gewerbe aus - Edelantiquare stehen wie der Ochs am Berg vor kleinen Flohmarkt- und Mensa-Antiquaren und begreifen von deren Geschäft - nichts.

2.
Noch komplizierter wird alles bei Ebay. Nicht umsonst sind bereits einige mathematische Doktorarbeiten über Ebay geschrieben worden und auch ich kann, nach mehreren Jahren Ebay-Praxis, nur ausrufen "ich verstehe es nicht". Wohl aber kann ich die Folgen des Sondermarktes der alten Bücher bei Ebay und die komplizierende Rolle der Privatanbieter und des neuen Shopsystems dort in etwa abschätzen. Das bedeutet aber nur, daß ich die Ursachen und die Folgen kenne, nicht aber die wahren Gründe.

Nach dieser langen Vorrede können wir, die ärgsten Verwirr-Faktoren sind fürs erste beiseite geschoben, auf eine Idee zu sprechen kommen, die mir heute beim Kaffee im Mensagarten, strahlender Sonnenschein und einige Schäfchenwölkchen, freundliche Gesellschaft von Germanistikstudenten und -innen, eingefallen ist. Ich halte sie im Prinzip nicht für neu - neu aber ist die Form der Anwendung, die ich vorschlage.

3.
Wir haben, ich komme aus den "notwendigen Vorreden" nicht heraus, Hl. Jean Paul, hilf mir, bekanntlich einen ungeheuren Stau dauernd unverkäuflicher Bücher in unseren Datenbanken liegen. Kontinuierlicher Zufallsabsatz tröstet zwar, macht den Braten aber nicht fett und ermöglicht höchstens den Datenbankmachern, ihren Zehnten weiterhin einzuziehen. Hier wurden schon viele Gründe benannt für den Bücherstau, sie mögen jeder für sich ihre Gültigkeit und ihren Wert haben - aber das alles entscheidende Kernargument fehlt noch.

Ich glaube, daß ich heute einen Teil davon entdeckt habe und auch gleich das Patentrezept zur Anwendung. Wobei ich meine Patentrezepte inzwischen selber fürche, aber das ist ein weites Feld.

4.
Wir haben ein künstlich konstruiertes, teils zwar historisch gewachsenes, längst aber irreales, völlig verkrustetes und qua Konstruktion offenbar unveränderliches, unbelehrbares Preismodell.

Technisch ist die völlig unmögliche Preisstruktur im Antiquariat nämlich die direkte Folge der Titeleingabe mit Preis über viele Jahre hinweg. Diese Titeleingaben werden, schon wegen der damit verbundenen Zeit und Mühe, nur äußerst selten überprüft und noch seltener erfolgt eine Preiskorrektur. Eine systematische Preisunterbieterei dagegen ist eher die Ausnahme, sie tritt fast nur bei Neueinträgen in die Datenbank auf. Millionen alter Titelaufnahmen aber bleiben unbearbeitet auf längere, auf lange Zeit stehen. Dies gilt auch für die geforderten Preise.

5.
Nun wäre es, wir sprachen schon davon, höchst gefährlich, ja töricht, allgemeine betriebswirtschaftliche Weisheiten anwenden zu wollen und daherzuschwadronieren von Marktregeln, von pauschalen Anpassungen, ob sachgruppenweise oder sonstwie. Das wäre alles Kokeklores und gehört den wohlmeinenden, aber praxisfernen Ökonomen um die Ohren gehauen.

Aber gibt es denn ein Rezept, eine Regel, eine Vorgehensweise, die es uns ermöglicht,

*mit den internen Methoden der Datenbank selbst und *unter Respektierung des Preisgestaltungswillens des einzelnen Antiquars

das aus den Fugen geratene, unordentliche, unglaubwürdige und hinderliche Preisgefüge des Altbuchmarkts zu korrigieren?

6.
Das im Folgenden zu schildernde System wäre, dann freilich sehr kompliziert, auf alle Verkaufsportale anwendbar. Seinen wirklichen Reiz entfaltet es aber nur, wenn die Antiquare ihre eigene Datenbank haben, die den Namen "Die Börse" dann auch wirklich verdient. Überdies gibt es kaum ein besseres Werbeargument für die neue gemeinsame Datenbank als folgendes Regelwerk:

7.
Die Preise solcher Titel, die vielfach angeboten werden, korrigiert die Datenbank automatisch prozentual nach unten. Das Ausmaß muß man noch diskutieren; Pi mal Daumen würde ich angemessen finden:

3-5 Titel gleichzeitig angeboten: 20 % billiger
6-10 Titel : 30 % billiger

10-20 Titel: 50 % billiger

über 20 Titel: 75 % billiger.


Der einzelne Antiquar kann sich auf Wunsch natürlich von solchen Korrekturen ausnehmen lassen. Da die Herabsetzungen prozentual vom ursprünglich geforderten Preis aus berechnet werden, bleiben die Qualitätsunterschiede weiterhin berücksichtigt.

8.
Natürlich sind das teils sehr hohe Werteinbußen für jeden Kollegen. Aber was nützen teuer angesetzte Titel, wenn sie im Lauf der Jahre schlicht und ergreifend nicht verkauft werden?

Andere Möglichkeiten sind rasch durchdiskutiert, sie taugen alle nichts. Ich kann gar nicht von der Zeitspanne ausgehen, in der Titel bisher unverkauft geblieben sind, denn gerade ausgefallene Themen gehen nach langer Wartezeit dann gern weg und sind typisch für den "tröpfelnden Dauerabsatz" im Netz. Ich werde den Teufel tun und etwa billige Titel herabsetzen, teure aber belassen. Je nach Thema, Ankauf und Kalkulation lebt der Antiquar vergnügt gerade von billigeren Preisstufen. Und auch im Bereich teurer Titel, Sven Hedin und Baedeker als Beispiel, sind ganz brutale Reduktionen vom Markt her dringend erforderlich.

Ich warne davor, bei extrem preisreduzierten Titeln davon zu sprechen, Angebot und Versand seien dann nicht mehr lohnend. Emil Ludwig: Napoleon ist auch zu 3 Euro + Porto zu verkaufen, vorausgesetzt, der Antiquar ist gut durchorganisiert und versteht Verkäufe dieser Art (auch) als Werbemöglichkeit. Natürlich gibt es hier Grenzwerte, von denen ab der Verkauf zur Groteske würde - solche Titel sollte man aber erst gar nicht einstellen. Nicht daß ich Kollege Heubergers radikalen Papiercontainer empfehlen möchte, in Köln verschwindet sowieso zur Zeit etwas viel im Boden, aber ein gutes Drittel bei fast jedem Ankauf sollte man zurücklassen, sogar auf Flohmarktniveau.

9.
Ich habs vor- und rückwärts durchdacht und komme immer wieder zum Resultat, daß diese Idee ein Teilbeitrag zur Überwindung unserer Absatzmisere ist. Und ein Beispiel dafür, wozu eine eigene Datenbank der Antiquare nützlich sein kann.

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