Die pflegeleichten Antiquare und ihre harmlosen Büchertage
Die Antiquare mögen, so rät uns Dr. Biester im Börsenblatt warmherzig an, doch schnuckelige kleinere Antiquariatstage und Lokalmessen abhalten und, ja, dafür eine Interessengemeinschaft gründen. Damit können sie so schnell keinen Schaden anrichten, sie kommen nicht auf schlimme Gedanken. Wer emsig Büchertage plant, Kisten dorthin schleppt, sich mit Anzeigenblättchen und Stadtverwaltungen herumärgert, der hat keine Zeit, über Monopole und Ausbeutung nachzudenken.
Antiquariat nach System Biester... Oben thront der Verband deutscher Antiquare, dann gleich Biesters AG im Börsenverein, derzeit etwas in der Schäm-Ecke die wenig aktive Genossenschaft, auch Herr Höfs marschiert noch mit seinem Gebilde voran. Und über allem die geliebte Weltorganisation mit den großen Antiquaren des Gewerbes, die sich, leicht ironisch und schwer arrogant, mit Inkunabeln und Pressendrucken aus der Shakespearezeit befassen und zum Fußvolk gütig herabneigen. Der Amazon-Abebooks-ZVAB-Konzern wird am wirkungsvollsten verehrt, denn - er wird als solcher erst gar nicht genannt. Amazon schwebt als eine Art Heiliger Geist über dem Weltbild des Börsenblatts: Genaues weiß man nicht, soll man auch nicht wissen. Ehrfürchtig sein!
Wer trotzdem auf dumme Gedanken kommt, dem rät Biester körperliche Bewegung und schlichtes Nachdenken an. "Bub, treibe Sport, dann kommst Du nicht auf dumme Ideen", sagte unser Deutschlehrer, wenn ich mal wieder über Mittelstreckenraketen oder Atomkraftwerke diskutieren wollte. Bei Biester tun es die, ich zitiere, "kleineren und vor allem kostengünstigeren regionalen Verkaufsveranstaltungen", vulgo "Antiquariatstage", für die die Antiquare eine Interessengemeinschaft bilden sollten. D a f ü r - mein Gott.
Wenn das Haus brennt, sollte man nicht unbedingt Halma spielen, sondern die Feuerwehr anrufen, alle Türen schließen und nach dem nächsten großen Eimer suchen. Das Nächstliegende, das es jetzt zu tun und zu besorgen gilt, ist gewiß nicht die Abhaltung und Planung kleiner regionaler Veranstaltungen.
Wem trotzdem der Sinn danach steht, der möge folgendes bedenken:
Die meisten Leute, auch die Gebüldeten, denken nicht im Traum daran, alte Bücher zu sammeln. Wenn doch, dann gehen sie übers Netz, was seit einigen Monaten bedeutet über Amazon (ist gleich Abebooks ist gleich ZVAB). Trotzdem sind gut geplante kleinere Antiquariatsmessen recht ordentlich besucht, sei es als kleines gesellschaftliches Ereignis auf lokaler Ebene (wen treff ich da wohl alles, den Kulturbürgermeister, Frau Direktorin Mayer, meine Nachbarin...), sei es aus schierer Langeweile, als Abwechslung zur unsäglichen Einkaufstour in grauslichen Fußgängerzonen.
Es wird auch gekauft - aber in ähnlicher Weise, wie es auf jede Messe lokaler Kleinkünstler, Töpferinnen oder Gebrauchtwagenhändler auch der Fall wäre. Das Ergebnis wird bei kritischer Zeitrechnung des Antiquars in etwa den Gesamtzeitaufwand von 15-20 Stunden Chefarbeit entlohnen mit dem üblichen Putzfrauen-Stundensatz, nach Abzug der Gebühren und Sachkosten. Man kennt das aus leidvoller Erfahrung. Dazu wäre der Aufwand nicht notwendig gewesen...
Nun kommen wir zu des Pudels Kern: Ist mit einer solchen kleineren Ortsmesse irgendein s t r a t e g i s c h e r Vorteil verbunden?
Auf den ersten Blick durchaus. Der eine oder andere Mensch wird daran erinnert, daß man sich auch alte Bücher gelegentlich hinstellen könnte, dieser und jener Büchersammler nimmt im Netzzeitalter schon fast vergessene örtliche Antiquare wieder wahr. Schön, schön.
Das Fatale dabei ist, daß
*die Grundhindernisse und Mängel, die den Messebesucher v o r h e r am Kauf beim betreffenden Antiquar (oder bei Antiquariaten überhaupt) abgehalten haben, doch n a c h der Veranstaltung bestehen bleiben, sich nicht ändern: Er hat keine Zeit zum Stöbern im Laden (so man einen hat), er findet immer noch keinen Parkplatz, er erwirbt bei Ebay oder Abebooks immer noch billigere Bücher als beim örtlichen Altbuchhändler, er ist sich (wenn kein Laden da ist) immer noch unsicher im Bibliographieren und wagt deshalb nach wie vor keine Internet-Bestellungen.
Das Dumme ist also: die örtliche kleine Verkaufsmesse ändert die Grundhindernisse, die vorher schon bestanden haben, keinesfalls. Weshalb einer vorher keine alten Bücher erwirbt, aus genau demselben Grund wird er nach der Messe auch keine kaufen. Weil wir ja unsere/ seine Voraussetzungen nicht verbessert haben durch den Büchertag.
Was bleibt, ist die vereinzelte Sympathiewerbung für das Antiquariat insgesamt - aber davon hat nur wieder unsere 90 % -Monopolkrake Amazon/ Abebooks /ZVAB etwas. Denn das Bestellen übers Netz ist komfortabler und oft billiger. Und es bleibt jenes diffuse Gebilde, das man "Sympathiewerbung / Imagewerbung" nennt und das für Künstler am Ort sehr wichtig ist, für den Antiquar aber weniger, denn die meisten Kunden sind mürrisch, schweigsam und wollen vom Antiquar möglichst wenig hören und sehen. Das ist in der bildenden Kunst anders.
Große Antiquariatsmessen haben einstweilen ihre fast unersetzliche Bedeutung - n o c h. Aber kleinere lokale Antiquariatstage sind eine Art Onanie des Antiquars, es entsteht daraus nicht Lebendiges. Spaß macht es schon, aber zuletzt ist und bleibt Enttäuschung zurück. Eigentlich hätte man doch gern Kinderchen gehabt.
Die bekommen wir im Antiquariat durch Konzentration auf die ganz großen, dringlich in Angriff zu nehmenden Aufgaben im N e t z. Wenn doch im Ladenbereich gearbeitet werden soll, dann ist immer noch die Grundidee des "Hauses der Bücher" zu erwägen in ihrer Version I: Mehrere Antiquare mieten ein Haus gemeinsam, gute Lauflage. Also auch da Strukturveränderungen, nicht Messen.
Das Foto der Antiquare verdanken wir dem Verkehrsverein Norderney, der die Urheberrechte daran besitzt.
Absatzförderung und Arbeitstechnik im Altbuchhandel, einer werten Kollegenschaft auseinandergesetzt von Peter Mulzer
Freitag, 5. August 2011
Der Antiquar als Versteigerer - und in der Lounge
Gedanken zur Reform unseres Messewesens
Wir gehen bei unseren Überlegungen von der durchaus typischen Messe-Katalogseite meines verehrten Kollegen Nonnenmacher aus, mittleres Angebot mit sehr sorgfältigen Titelbeschreibungen. Thematisch handelt es sich um ein anregendes Durcheinander im besten Sinn. Rufen Sie die PDF-Seite einmal auf, damit Sie sehen, von welcher Art Ware wir sprechen. Ich halte das für gute Messeware mit einer Textdarstellung, die kaum zu verbessern ist, will man den Leser nicht durch lange Kommentierungen plagen.
Aus der aufgerufenen Seite habe ich einige Thesen entwickelt, die Sie bitte prüfen wollen.
1)
Die B e s c h r e i b u n g mit Buchstaben, das "Schriftliche" steckt hier ja schon im Wort, stößt auf enge Grenzen in unserem Kopf - der ist nämlich schon ganz ausgerichtet auf das Sehen, auf die Sprache der Bilder. Wir können die Bildsprache des Internet nicht mehr zurückschrauben, auch dann nicht, wenn wir wie die meisten Sammler und Händler Jahrzehnte hindurch mit schriftlichen Titelaufnahmen zu arbeiten gelernt haben.
Mir ist noch nie so klar geworden wie heute, daß ich mich beim Überfliegen einer guten Liste anspruchsvoller Bücher vorkomme wie in einem G e f ä n g n i s. Vorstellungskraft, Seele, Auge, alles fordert hier Bilder. Das wird besonders deutlich, wenn uns Nonnenmacher Textkupfer beschreibt, Einbände schildert - eine absurde Welt. In uns ruft alles: "Bilder her".
2)
Nun kann man argumentieren, das sei ja so gedacht, denn der Wunsch, die Ware zu sehen, soll den Bücherliebhaber dazu bringen, ihn dazu anstoßen, die Messe zu besuchen.
Er kommt, weil er sehen will. Sehen darf er nur, wenn er sich herbemüht.
Warum stimmt diese Gebrauchsanweisuing nicht mehr? Da haben wir es wieder zu tun mit einer Gegenkraft, die das Internet in uns längst eingepflanzt hat und die, so meine These, die alten Mechanismen "ich will sehen, also komme ich herbei" zerstört und unwirksam macht. Ich spreche von der Selbstverständlichkeit, mit der das Internet uns viele Wünsche, besonders aber den Hunger nach Bildern, erfüllt. Schnell, möglichst s o f o r t, gratis, komfortabel (und mit ein wenig Werbung vielleicht, das nehmen wir in Kauf). Wichtig ist für uns nur, daß uns das Bild , die Bilderstrecke geliefert wird, subito, hopp, ein Klick, notfalls auch zwei, aber bitte nicht noch mühsamer.
Diese selbstverständliche Erwartungshaltung ist, so meine ich, gut und richtig. Sie erinnert mich in ihrem positiven Erwartungshunger an jene neue Selbstverständlichkeit, mit der wir kostenlosen Schulbesuch, gute Volksbüchereien, offene Seminarbibliotheken erwartet haben vor 50 Jahren, eine der guten Seiten der jungen Adenauerrepublik.
So ähnlich wird jetzt wieder das Recht auf schnelle, vor allem auch visuelle Bedienung und Versorgung im Internet postuliert. Wer dagegen verstößt, die Erwartung enttäuscht, der verärgert massiv (siehe auch die Verhehlung der Autkionsergebnisse - aber lassen wir das), denn wir spüren sehr genau, wenn gegen unsere Bilder-Erwartung, unseren Informationshunger im Netz kleinlich verstoßen wird.
3)
Da sind wir an einem wichtigen Punkt angekommen. Die Vorenthaltung des Visuellen, die Bilder-Deprivation des Lesers wirkt auf den Nutzer der Liste nicht nur enttäuschend, sie ist nicht nur unzweckmäßig, nein - sie wirkt kleinlich, geizig, zuletzt s c h ä b i g.
Die Antiquare, die ihre Messen nach herkömmlicher Art durch schriftliche Listen ankündigen, die den Leser visuell auf später vertrösten, erscheinen im Internet heute als lächerlich-peinliche Außenseiter, nicht nur verschroben, sondern k l ä g l i c h und geizig.
Das sind Imagefragen, über die wir nicht leichtfüßig hinweggehen sollten. Ich sage: Das Messewesen in seiner jetzigen Form ist schädlich für unser Gewerbe, es ist unendlich verstaubt, rührend-lächerlich altmodisch und es wirkt auch, und das ist das Schlimmste, tückisch-arrogant.
4)
Diese letzte Einschätzung führt uns direkt zur Frage, wie es denn sonst zu machen wäre?
Ganz einfach ist die Antwort, sie setzt nur voraus, daß wir die Bild- und Videoentwicklung der letzten zwei, drei Jahre im weltweiten Netz im Kopf haben und in unsere Überlegungen einbeziehen. Dann wissen wir nämlich, daß Bilder anders als noch vor drei Jahren heute in exzellenter Qualität sekundenschnell aufzunehmen sind, daß ihre Abspeicherung und Darstellung im Netz, in bester Auflösung und buchstäblich unbegrenzt zu Tausenden, fast gratis möglich ist. Arbeitszeit und Kosten sind bei minimaler Schulung (die freilich notwendig ist) fast zu vernachlässigen.
Der Kunde weiß das auch, und da liegt der Hase begraben. Er fragt sich nämlich, ganz zurecht, weshalb die Antiquare, zumal die Messeleute, die doch zu den agileren Kollegen gehören, sich diese Mühe nicht machen wollen. Die Antwort läuft leider vom Image des Verschrobenen, Verstaubten schnell zu Arroganz und Kundenverachtung hinüber. Das ist nicht gut, würde Dr. Biester sagen.
5)
Wie jeder, der über Internetfragen schreibt, bin ich nun in einer schwierigen Lage - fasse ich mich zu kurz, dann versteht die eine Hälfte der Kollegen nicht, wie ich mir die Sache vorstelle - werde ich aber zu ausführlich, gähnt die andere Hälfte der Antiquare, weil sie das alles doch schon weiß, besser als ich.
Ich werde für diesmal auf meine übliche Pädagogik verzichten und mich kurz fassen. Mobilisieren Sie einfach Ihre Vorstellungskraft!
Zurück zur PDF-Liste des Kollegen Nonnenmacher. Sie bleibt bei dem Modell, das ich Ihnen nun vorstelle, die kaum veränderte Voraussetzung. Ich will für den Messeantiquar also keineswegs eine Vereinfachung oder Zeitersparnis vorsehen, im Gegenteil. Denn zur Titelaufnahme treten nun je Objekt 3 - 10 - 20 Scans oder Fotos hinzu.
Randbemerkung: Auch wohledle Antiquare haben sich zum Teil der Mühe nicht unterzogen, mit den (nicht ganz billigen) großen Scanmaschinen Bekanntschaft zu machen. Sie sind inzwischen auch recht preiswert gebraucht zu bekommen. Allemal A3 soll sein, eine gute Markenmaschine, Epsons GT-Serie zum Beispiel. Und/oder eine gute Pixelkamera, die ihrerseits auch bei 500 Euro anfängt, im Unterschied zum Scanner aber nicht gebraucht erworben werden sollte und, leider, eine längere Einübung erfordert.
Wie das nun technisch-optisch eingebunden wird, dazu gibt es viele Wege und wenn man will, ist auch diese Bilderflut fast gratis ins Netz zu stellen.
6)
Dieses Material muß nun versteigert werden. Ich halte das Erlebnis der Versteigerung im großen Saal für so stimmungsvoll, exzellent und der Sammler-Seele derart auf den Leib geschrieben, daß ich mich frage, warum das noch nicht zur Regel geworden ist. Der Kunde hat, neben der Titelbeschreibung ja im Vorhinein, zuhause schon seit Wochen, zum Detailstudium seine - je Artikel - 3 bis 20 Scans in höchster Auflösung am Bildschirm. Er sieht sie zudem im Messebereich auf riesigen Bildschirmen.
Wie würde die Versteigerung, die an die Stelle der Messe alten Typs tritt, organisiert werden?
Jeder Händler erhält eine ungefähr festgelegte Zeit, eine viertel bis halbe Stunde wird es schon sein dürfen, in der er seine Ware versteigert. Seinem Taktgefühl und Naturell ist es überlassen, ob er eine Einführungsrede hält, sich nur kurz vorstellt oder den Kontakt zum Saal ganz der Präsentation der Objekte überläßt - nicht der schlechteste Weg. Wenn ich über die Ware plaudere, lernt mich der Kunde am besten kennen. Das alles natürlich mit modernen visuellen Mitteln, man kennt das ja vom Ärztekongreß bis zur politischen Veranstaltung - wobei ich ganz bewußt etwas altmodisch bleiben würde, um der Messe den intimen Charakter nicht zu nehmen, jene einzigartige Saalatmosphäre, die eben nur eine echte V e r s t e i g e r u n g mit sich bringt.
7)
Nun ein unverzichtbarer zweiter Teil meines Plans zur Reformierung des Messewesens im Antiquariat. Als Gegengewicht zur etwas einseitigen Grundstimmung der Versteigerung - alle schauen nach vorn, Kontakte untereinander gibt es kaum - wird die L o u n g e eingerichtet. Ich fürchte, daß wir hier um das Lehnwort nicht herumkommen. Die Lounge ist ein gemütlicher, locker mit bequemen Polstersesseln möblierter Raum in Art einer großen Hotelhalle mit guter Schallisolierung, tiefen Teppichen usw., in der man sich gut in kleinen Einheiten unterhalten kann, abgeschottet natürlich auch vom Getöse der Versteigerung.
Hier sitzen nun die Antiquare zwanglos herum, mit dezenten Namensschildchen - am Revers und vor sich auf niedrigen Tischchen. Sie dürfen, sollen und wollen hier angesprochen werden von den Kunden. Der Kunde ist ja nur an bestimmten Teilen der Versteigerung interessiert, hier - und nur hier - in der Lounge bekommt er Kaffee und Wein serviert. Locker und freundlich sitzen die Antiquare "in der Gegend herum", ausreichend Listen und Kataloge zur Hand, einige zusätzliche Titel (auch unverkauftes Versteigerungsgut usw.) neben dem Sessel.
Leider muß ich hier abbrechen, die Latein-Nachhilfe steht an, Schüler sind ungeduldige Klienten. Ich würde mir wünschen, daß Sie mein Modell überdenken und sich fragen, ob die - dringend notwendige - Reformierung unseres Messewesens im Antiquariat nicht so oder ähnlich in Gang gebracht werden könnte.
Den Scan vom Alptraum einer Lounge verdanken wir akpool.de, die Bildrechte gehören ihnen
Messe ade - es lebe die zentrale Dauerausstellung mit Webseitenbündnis!
1.
Auch wenn mich der werte Dresdener Kollege Pardun nicht verlinkt - man spielt doch nicht mit Freiburger Schmuddelgreisen -, stehe ich nicht an, seinen jüngsten Aufsatz zu kommentieren, mehr noch, ihm ein Gegenmodell vor die Nase zu setzen - und ihn zu verlinken, denn solches ist eine Selbstverständlichkeit, ist es nicht?
Aus meiner Schwarzwälder Obdachlosensiedlung blicke ich bewundernd auf die Lichterstadt an der Elbe, rücke meine imaginäre Krawatte zurecht und beginne:
Lieber Herr Pardun, Sie sind auf dem Holzweg mit Ihrer Messe-Idee. Die ist bei Ihnen schon zur Zwangsvorstellung geworden, Sie verrennen sich immer tiefer in einem Labyrinth, aus dem es keinen vernünftigen Ausgang gibt.
Wie ist denn die Lage im Antiquariat?
Zunächst malen wir uns ein Bild, das verdeutlicht:
- rot: den Umsatzwert im Antiquariat heute
- blau: die Anzahl Antiquare, die schwerpunktmäßig diese Ware betreuen
- grün: das Erweiterungspotential, die Werbemöglichkeiten sowohl für die Aktivierung/ Erweiterung bestehender Kunden wie auch für die Gewinnung neuer Käufer
In orangenen Kreisen sind noch die Sonderfälle "Versteigerer", "Momox" und "Billigstketten" verzeichnet.
Die drei taktisch-technischen, also nicht thematischen Hauptfelder im Antiquariat sind blau bezeichnet:
- Edelware, die in Sammlerware übergeht bzw. mit ihr identisch sein kann
- Sammlerware im weitesten Sinn
- Gebrauchsware als Ersatz für teure neue Bücher oder sonst als Quelle billigen Allgemein- oder Fachlesestoffes außerhalb des Sammelns im engeren Sinn
Schwarz sind unten meine Thesen zu den Erweiterungspotentialen eingetragen.
2.
Ich denke, daß sich die Graphik ohne weitere Erklärungen erschließt. Es macht bei näherem Hinsehen tatsächlich wenig Sinn, weitere Kunden für E d e l ware einzuwerben, da hier das Angebot und damit meist auch der Verkauf gesteuert wird von neu hereinkommender Ware. Soweit es sich um Kapitalanlage-Kunden handelt, würde eine weitere Einwerbung solcher Edelkäufer sogar kontraproduktiv sein, da sie unsere echten Sammler verscheucht und verärgert.
Der Absatz an G e b r a u c h s ware (der Begriff geht nicht von "gebraucht" aus, sondern meint "Ware zum praktischen Nützlichkeitsgebrauch") ist nicht wesentlich zu erweitern. Breite Schichten der Bevölkerung halten es für ehrenrührig, unsauber oder gar für pervers, Bücher, die "man" doch nur jungfräulich aus der Buchhandlung holt, gebraucht zu kaufen. Hat der Vor-Leser etwa beim Blättern in der Nase gebohrt oder Schlimmeres? - Umsatzerweiterung ist dort zwar möglich über das Momox-Prinzip, aber das ist dann eigentlich Verdrängungswettbewerb. Ich bleibe dabei: Kein Erweiterungspotential für Gebrauchsbücher im Antiquariat.
Riesengroß, endlos aber ist die Möglichkeit, neue S a m m e l gebiete zu schaffen und zu propagieren, alte Sammelbereiche auszubauen, zu erweitern. Das wird jedem Antiquar unmittelbar einleuchten.
3.
Eine M e s s e müßte also vor allem Werbung sein für neue oder erweiterte Sammelgebiete. Das ist eine sehr schwere Aufgabe - wo kommt das Material her, wie stelle ich es aus, wie biete ich es dar?
"Die Antiquare" (in persona) auszustellen - das ist meistens kontraproduktiv. Es gibt eher wenige leutselige, präsentable Kollegen unter uns, aber viele, die den Mund nicht aufbekommen und linkisch in der Gegend umherstehen. Ähnliches gilt für die Warenpräsentation auf Messen - nur die Großen unseres Gewerbes können das wirklich, die anderen stümpern verzweifelt zwischen Kisten und Raumteilern und bieten ein Bild des gehobenen Jammers. Was soll das?
4.
Dagegen ist die Aufgabe, Sammelgebiete i m N e t z zu präsentieren, in sie einzuführen, auf sie L u s t zu machen, mit weit geringerer Mühe zu leisten. Und ebenso ist das Hinzutreten an den schäbigen Stand mit linkischem Antiquar davor oder darin weitaus besser zu ersetzen durch eine kluge, mit vielen Fotos geschmückte Laden- oder Lager w e b seite des Kollegen.
Wobei wir, Sie merken es schon, mal wieder bei der Forderung nach einem Ausbau der RFMeyerschen Glanzidee, dem W e b s e i t e n b ü n d n i s, angekommen sind. Wie kann das nun das funktionieren?
Mein Vorschlag: Die Antiquare basten zunächst eine
*zentrale Webpräsenz,
die nichts anderes ist als eine virtuelle Dauerausstellung, in der bestehende und neue Sammelgebiete illustriert und dargestellt werden. Nicht durch die üblichen hohlen Kultursprüche, sondern durch Bilder, Bilder und noch mehr Bilder.
Von dieser Dauerausstellung aus geht ein demokratisch-gleichberechtigt aufgebautes Rundwander- oder Linksystem zu den einzelnen (Laden-/ Lager-) Webseiten der Antiquare. Damit erhalten die "Präsenzen" der Kollegen freilich einen höheren Stellenwert als bisher und man ist eingeladen, die üblich gewordenen Schlampereien dort auszubessern, sich "betretbare" Webseiten zu konstruieren und überhaupt mit den Kunden im Web etwas liebevoller umzugehen.
Fazit: Eine gut illustrierte zentrale Dauerausstellung der Antiquare, mit sauber geführten Einzelwebseiten aller Kollegen verlinkt - das ersetzt die mühevollen und ziemlich sinnlos gewordenen Messen.
Messe ade - es lebe die zentrale Dauerausstellung mit Webseitenbündnis!
Ebay und die Antiquare - nur ein Trauerspiel?
Das *Börsenblatt-Interview Biesters mit dem geschätzten Kollegen Riepenhausen sollte wohl schon vom Ansatz her eine tour d'horizon bleiben und ist als Momentaufnahme wertvoll. In den Einzelheiten wird sich der Leser allzu kurz abgefertigt vorkommen, aber das liegt in der Natur der Sache und kann ihn gerade erst recht zum Nachdenken anregen.
Mir geht es so bei dem Kaiptel, das Ebay gewidmet ist (ich darf zitieren):
Längst nicht alle Ihrer Kollegen sind bei Ebay vertreten, wie erklären Sie sich das?
Ein Argument, das mir ein Kollege mal genannt hatte war: ich lasse mich nicht bewerten. Viele Kollegen haben wohl auch negative Erfahrungen mit Ebay gemacht, beispielsweise beim Versteigern ihrer Bücher, die dann oft zu geringen Preisen verkauft wurden. Ebay ist ja durch das Versteigern bekannt geworden, dass sich das seit geraumer Zeit geändert hat, mag vielleicht nicht bei jedem angekommen sein. Ich stelle nur noch selten Bücher zum Versteigern bei Ebay ein. Ich habe dort einen Shop mit Festpreisangeboten und einer Preisempfehlungsfunktion. Ebay hat im Gegensatz zu anderen Marktplätzen wie Amazon und ZVAB sehr viel für ein virtuelles Shoperlebnis getan. Im Gegensatz beispielsweise zum ZVAB habe ich es bei Ebay geschafft, Stammkunden zu gewinnen. Bei der Messe in München sind mehrere meiner süddeutschen Ebay-Kunden an meinem Stand gewesen und haben "analog" gekauft! Rechtlich fühle ich mich bei Ebay gut beraten, ich kann zahlreiche Bilder meiner Bücher hochladen, kurzum, Ebay ist für mich der ideale Internetmarktplatz. Dennoch, ich würde natürlich am allerliebsten meine Bücher auf eigene Kappe ohne Gebühren verkaufen, deshalb der Versuch mit der Münchener Messe
Ich bin wie Kollege Riepenhausen ein altes Ebay-Schlachtroß und kann darüber hinaus auf eine Vielzahl von Experimenten zurückblicken, die ich mit Ebay im Lauf der Zeit angestellt habe, mit nicht unerheblichem Reugeld im Einzelfall. Ich greife Riepenhausens Argumente in der Reihenfolge auf, wie sie im Börsenblatt angeführt werden.
Das Image von Ebay bei den Buchantiquaren ist tatsächlich sehr schlecht, was sicher nicht nur auf (im Einzelfall) unerfreuliche Versteigerungsergebnisse zurückzuführen ist. Es gibt eine sehr kleine Riege von Antiquaren, überwiegend aus dem unteren und mittleren Bereich, die Ebay fest in ihr Geschäftsmodell eingebunden haben. Mehr als 50 Kollegen sind das nicht, ich gehöre auch dazu.
Von denen ist ein guter Teil jenen schauerlich-fleißigen Billigsteinstellern zuzurechnen, die sich in Monster-Geiz-Amazon- und anderen Foren besprechen, mit dem Rest der Antiquare fast gar keinen Kontakt haben und ihre eigene Welt zelebrieren.
Dort geht es meist unfroh und rauh zu, aus der Sicht des klassischen Antiquars ein scheußliches, geistloses Abarbeiten von Titeleinträgen, aber das Völkchen ist doch wieder ganz glücklich damit. Wir sollten mit dieser Schicht unseres Gewerbes aus mehreren Gründen in Zukunft besseren Kontakt halten, schon wegen der kommenden Momox- und Amazonabwehr und weil es Aufsteiger aus dieser Tretmühle gibt, die gefördert werden sollten.
Wer sich aus traditioneller Sicht dem "richtigen" Antiquariat zuordnen darf bei Ebay und trotzdem regelmäßig dort einstellt, der hat ausnahmslos eine
*absurde, völlig unzumutbare, kafkaeske und streckenweise blödsinnige Ochsentour der Einarbeitung
hinter sich, ehe er das Einstellen und Verwalten bei Ebay in allen Aspekten wirklich beherrscht.
Das Ebay-System ist auf den US-Markt auch in kultureller Hinsicht eingestellt, es spiegelt das Antiquariat und das Büchersammeln in den USA wieder. Unterschiedlich gut wird das regional angepaßt. Es gibt nichts Lehrreicheres, als sich Ebay F r a n c e anzutun - eine völlig andere, nach französischen Antiquariatsusancen ausgerichtete (in sich aber ähnlich blödsinnige... lassen wir das) Struktur wird er dort entdecken.
Ebay-Tutorials, vernünftige Einführungen und Lehrkurse also, die diesen Namen verdienen, gibt es bei Ebay n i c h t. Ich halte meine These aufrecht, daß Ebay vom Anfänger aus gesehen, der gewerblich verkaufen will, eine Folterkammer ist, gebaut von Sadisten zur Erfreuung von Masochisten.
Solches steckt dahinter, wenn Kollegen äußern, das Einstellen von Titeln bei Ebay sei ihnen "zu kompliziert". Und dies ist der wahre Grund, warum wir bei Ebay so wenig anbietende Kollegen der "mittleren" Sorte finden.
Damit hängt unmittelbar auch die Enttäuschung über unerfreuliche Preisergebnisse zusammen, von dem Riepenhausen spricht. Denn wer nicht alle komplizierten Regeln, das organisatorische und psychologische Gefüge dieses Monster-Folterturms beherrscht, dieser
*modernen Bastille des Internet
- der erzielt wenig oder nichts, wo er mit entsprechenden Kenntnissen gute Preise erreicht haben würde.
Daß Riepenhausen nur wenig zum Versteigern einstellt, "das ist nicht gut" (Biestersprech). Denn zu den blödesten, verwickelsten und halb geheimgehaltenen Regeln der Ebay-Bastille gehört, daß der Absatz aus den Shops wegen interner Ranking-Regeln sehr direkt an gleichzeitige, möglichst regelmäßig einzustellende Versteigerungen g e k o p p e l t ist. Er möge, dies ist mein Rat, mindestens pro forma jeden Sonntag einige Titelchen versteigern lassen, echte Einlieferungen, nicht etwa transferierte Shopware.
Diese interne Ranking-Regel ist nur ein kleines Zipfelchen des absolut blödsinnigen Gewebes der Ebay-Gesetze und Regeln, die gekonnt werden müssen, will man guten Absatz erzielen.
Die Laden-Präsentation bei Ebay ist im Prinzip sehr verdienstvoll.
Ich komme aber nicht umhin, der genossenschaftlichen Datenbank und nicht Ebay jenes Kränzlein zu winden, das dem Einführen und Propagieren vernetzter Antiquariats-Shopsysteme, gekoppelt und koordiniert mit Datenbanken im Internet gebührt. Neben den Pionierleistungen im Bildersektor hätte die Genossenschaft weiter darauf aufbauen sollen. Wie konnte der erfahrene Kollege RFMeyer-Berlin die einmalige Chance verschlafen, seine gute Idee des Webseitenverbunds zu koppeln mit einem erneuerten Shopsystem bei den Genossenschaftlern?
Das Shopsystem bei Ebay ist, es sei mir die Kritik gestattet, unendlich schlecht, umständlich und eigentlich für den Kunden fast unzumutbar in der von Ebay propagierten Urform. Erst wenn der Händler seinen eigenen Shop mithilfe des riesigen Netzes Ebay-fremder Hilfsfirmen, Hilfsprogramme und unterstützender Dienste (meist kostenpflichtig) umbaut, kann er ein benutzbares Ladengebilde vorweisen. Ich gehe hier nicht weiter ins Detail, sage nur, daß es schier unmöglich ist für den Kunden,
*die endlose Scrollerei und Hangelei durch einen mittelgroßen, n i c h t adaptierten Standard-Ebayladen
länger zu ertragen als zwei, drei Minuten.
Die Stammkundenbindung ist ganz erstaunlich, da kann ich Riepenhausen nur zustimmen. Es mag damit zusammenhängen, daß der Kunde zunächst angstvoll die vorausbezahlte Ware erwartet und wenn sie dann seinen Erwartungen entspricht, wenn sich der Verkäufer als ehrlich erwiesen hat, eine um so engere Bindung und ein Vertrauen entsteht - das man dann aber nicht enttäuschen darf. Einfühlsame Korrespondenz, auch das gehört zu den zu lernenden Dingen bei Ebay, schon wegen einer absurden und brandgefährlichen Doppeleinstellung der Kundenbriefe in den Ebay- und den Händler-Briefkästen, die in den Antwortfunktionen ähnlich verwickelt ist wie der Umgang mit "Nachfragen" usw. - ein Universum des Chaotischen...
Lieber Kollege, nachdem hunderte von Händlern abgemahnt wurden, während Ebay in Potsdam nichtswissend die Däumchen drehte und zusah, hat sich der Konzern jetzt endlich dazu bequemt, die Kunden-Belehrungen usw. rechtssicher einzutragen. Rechtlich gesehen ist Ebay seit jeher faul, rücksichtslos, träge und - ach, nichts weiter davon, sonst kommen wir noch zu den scheußlichen "Bewertungen" und dem noch widerlichen Umgang mancher Problemkunden damit. Ein gigantisches Erpressungssystem, das überdies hundertfach mit Tricks umgangen werden kann.
Fürchterlich ist das System,. mit dem üblicherweise Bilder eingestellt werden sollen. Mein Thesenpapier zur "Visualisierung im Antiquariat" enthält im Kern jenen Umgehungsweg, mit dem allein ein vernünftiges Bildereinstellen auch und gerade bei Ebay möglich ist. Bei Begriffen wie "Ebay-Bilderdienst" und "Hochladen von Bildern" im klassischen Eingabeweg kriege ich Zufälle und muß mit Baldrian gelabt werden - kompliziert, völlig unmöglich, viel zu teuer...
Wieder einmal muß ich abbrechen. So bleibt uns das Turbolister-Kapitel erspart. Wenigstens das...
Fazit: Einstellen bei Ebay ist für den mittleren Antiquar erst nach ausgedehnter, längerdauernder Vorarbeit möglich, wobei sowohl formelle als auch, aufgemerkt denn also, i n f o r m e l l e Regeln gelernt werden müssen. Ohne einen sehr anstrengenden Wochenendlehrgang (die Buchhändlerschule wartet schon) mit praktischen Übungen ist es keinem neueinsteigenden Kollegen möglich, sinnvoll mit Ebay zu arbeiten.
Die Ladenergebnisse sind trotz problematischer Gestaltung und Koppelung an parallele Versteigerungen ausgesprochen gut. Die Ergebnisse in Versteigerungen spiegeln - falls alle Regeln gekonnt werden und beachtet worden sind - sehr präzise die wahren Marktwünsche, die echte Marktlage wieder und sind so für den Antiquar eine sehr wertvolle Erkenntnisquelle.
Herzlichen Gruß an Kollegen Riepenhausen!
Kleiner Katechismus der Absatz- und Imagewerbung im Antiquariat (1)
Allenthalben werden zur Zeit "Werbestrategien" entwickelt für das Antiquariat. Daran möchte ich mich nun auch beteiligen. Weiteres folgt bei Gelegenheit. Ich verstehe diesen Text als eine Art Merkzettel. Die numerierten Abschnitte kann sich der Kollege ausschneiden, an die Wand pinnen und dann hin- und herschieben. Ich mache es auch so.
1.
Für ältere Titel vor etwa 1950 besteht eine Konkurrenzsituation mit anderen Antiquaren nur bei relativ wenigen Häufigkeitstiteln. Auch bei neueren Büchern ist die Preiskonkurrenz in der Praxis nicht so wichtig, als dies normalerweise angenommen wird. Mindestens 3/4 aller Titel, die der Antiquar anbietet, sind konkurrenzfrei.
Der Preisverfall bei Büchern, die regelmäßig häufiger als 3-4 mal im Netz angeboten werden, kann vermutlich nicht gestoppt werden. Die Markttransparenz ist auch wegen der Preissuchportale außerhalb des Gewerbes nicht zu verhindern. Dies gilt auch für Häufigkeitstitel im mittleren bis oberen Wertbereich.
Eine gewisse Hysterie in der Frage "Konkurrenzpreis / Konkurrenzunterbietung" unter den Antiquaren ist seit Jahren zu beobachten. Äußerst ungute, geradezu gehässige Preisunterbietungsmodule werden angewendet. Sie wirken sich im Einzelfall ärgerlich aus, spielen aber im mittleren und oberen Bereich des Antiquariats keine Rolle.
Werbekonzepte, die Regeln von außen ins Antiquariat übertragen wollen, verkennen regelmäßig die Seltenheit von 3/4 der besseren Titel, die der Antiquar anbietet. Regeln, die in anderen Warengattungen ihre Berechtigung haben, gelten im Antiquariat nicht immer.
Es ist nützlich, im Antiquariat in allen Zusammenhängen den Konkurrenzgedanken in Zukunft niedriger zu hängen. Dort, wo er eine bedeutsame Rolle spielen sollte, im Ankauf nämlich, wird er gemeinhin sträflich unterschätzt.
2.
Nicht nur das Durchschnittsalter der Antiquare ist sehr hoch - auch ihre Kunden sind typischerweise zwischen 40 und 80 Jahre alt. Es ist daher ein völliges Unding, die "modernen" elektronischen Mittel in die Absatzwerbung - oder in die Verkehrsformen überhaupt - im Antiquariat einbringen zu wollen.
Alle Werbefachleute, die von außen zum Antiquariat gestoßen sind ( so z.B. Weinbrenner, Wattig, Pardun, auch der bewährte Insider Biester, jetzt Voigt) haben dem Antiquariat die Anwendung modernster Kommunikationsformen angeraten. Das ging mehr oder minder erbärmlich schief, die Beispiele kennt jeder Kollege, der die Diskussion verfolgt hat.
Zugrunde liegt ein logischer Fehlschluß: Natürlich bräuchte das Antiquariat dringendst jüngere Kunden. Aber die bekommt man nicht, indem man sich in ihre Netze einwählt, sich an ihren Medien beteiligt. Das ändert nämlich nichts daran, daß den jüngeren Leuten die Materie "Antiquariat" fremd ist und fremd bleibt.
Die klassischen Antiquariatskunden haben sich, inzwischen darf man feststellen nahezu restlos, an die Nutzung des Internets für ihre antiquarischen Such- und Kaufvorgänge gewöhnt. Das war teilweise eine Entwicklung erst der letzten zwei, drei Jahre. Heute erreicht man mit elektronischen *konventionellen* Angeboten rd. 95 % aller Kunden. Alle *unkonventionellen* Netzmethoden sind aber in schöner Eindeutigkeit völlig wirkungslos geblieben im Antiquariat. Dabei darf nicht vergessen werden, daß dies auch eine Frage des T a k t e s ist - Leander Wattigs aufdringliche Netzpräsenz führte unlängst zum Aufbau einer Haßseite, in der eine klare Sprache geführt wird: Buchkunden, noch mehr Antiquariatskunden wollen im Netz nicht "beworben" werden. Schon gar nicht taktlos, aber auch taktvoll - eher nicht.
3.
Das mittlere und obere Antiquariat, etwas unpräzise gleichzusetzen mit den Mitgliedern des "Verbands", hat traditionell wenig bis gar keinen Kontakt mit der Unterschicht des Gewerbes. Man kann das verstehen, gibt es doch kaum einen größeren Gegensatz als den des armseligen Kistenschiebers vor der Mensa irgendeiner Fachschule, kein Deodorant, Hemd zwei Wochen alt, Bücher abgegriffen oder MA-Schund übelster Sorte - und einem Antiquariat auf der Kö in Düsseldorf.
Diese Kontaktscheu besteht von unten nach oben in noch größerem Ausmaß - bei Besuchen in Foren dieser Schicht unseres Gewerbes wird ein Kollege, der ihrem Kreis nicht angehört, im Zweifelsfall negiert oder übel beschimpft. Selbst meine Nerven haben das nicht ausgehalten, die Schlichtheit und Einfalt, die erkennbare Armseligkeit - Ausnahmen bestätigen die Regel - geistig wie materiell machen den Dialog fast unmöglich. Es hilft nun aber nichts, wenn wir diesen Gegensatz übertünchen, höfliche Distanz wahren, das Problem für nicht existent erklären.
Das geht deshalb nicht, weil unser Image als Antiquar durch die Unterschicht unseres Gewerbes (womit auch Bettel- und Billigketten nach Schweizer Art gemeint sind) schwer beschädigt wird. Auch hier haben wir bisher ein falsches Feindbild - nicht die "Privatanbieter" schaden uns, die sind als solche meist auch für den Laien erkennbar. Wer uns schadet, das sind die Antiquare der schäbigen, dummen, armseligen Sorte.
Ich darf das als alter Sozialist (daran wird nun kein Kollege mehr zweifeln) so deutlich sagen. Und weil ich sozialistisch eingestellt bin, fordere ich mich und alle Kollegen im gleichen Atemzug auf, diesen unglücklichen Kollegen von unten zu h e l f e n. Sie müssen beschult, eingegliedert, irgendwie organisiert und einem Ehrenkodex verpflichtet werden.
Nicht nur, aber auch weil sie sonst das Image des Antiquariats weiterhin fortfahren zu beschädigen.
4.
In Voigts kreuzunglücklicher Formulierung von "neutralen" Daten als Grundlage für die Öffentlichkeitsarbeit des einzelnen Antiquars steckt eine tiefe Wahrheit, wenn wir sie in etwas anderer Form anwenden, als er sie gemeint hat:
Wir müssen unsere Kataloge, Listen, Angebote, Datenbanken, Portale, Webverbünde für den Außenseiter, den (Noch-) Nichtkunden, transparenter, verständlicher gestalten. Was immer wir auch an neuen Kundenschichten gewinnen wollen, wir haben es dann mit Leuten zu tun, die bisher ungeübt sind im Lesen von Bibliographien, die Mühe haben mit Katalogen, die viele Bilder und wenig Text fordern. Ich weiß bis heute nicht, ob es Kollege Wimbauer ernst oder ironisch gemeint hatte, als er auf meine Kurzmail, viele Antiquare verstünden nicht, was "englische Broschur" sei, geschweige denn seine Kunden, meinen Einwand flapsig abgewehrt hatte.
Wir müssen, als eine (von mehreren) Vorbedingungen für die Gewinnung neuer Käuferschichten also unsere Standards verständlicher gestalten, uns hie und da etwas zurücknehmen, auch wenn wir so gern schreiben ADB Bd. 12, Sp. 875 oder Thieme-Becker 3.A. R(k)213. - In diesen Zusammenhang gehören auch neue Titelaufnahme-Standardisierungen. Die alten Regeln sind zum Teil töricht, sie gehören auf dem Müll. So ist es endlich notwendig, die historischen (auch in sich leicht absurden, aber lassen wir das) Druckbogen-Formate zu verlassen und zu Zentimetermaßen zu kommen. - Wer weiß wirklich, was "Halbfranz" ist?
Wenn wir neue Käuferschichten wollen, müssen wir auf manche liebgewonnene Berufsattitude verzichten.
5.
Es kann nur e i n Portal geben, und das muß sich - als technisches Berufsinstrument - im Besitz der Antiquare befinden. Wir sind, begleitet von meinen Kassandrarufen seit über einem Jahrzehnt, nun dermaßen auf den Hund gekommen, daß auch der letzte Kollege begreifen muß: So wie bisher geht es nicht weiter.
Da wir hier nur von Werbetechnik sprechen wollen: Es gilt, das unverantwortliche Gerede von den "vielen netten Portalen" endlich als das zu entlarven, was es ist - lächerliches, peinliches, dummes und vor allem unverantwortliches Gerede. Die Klickmechanismen, der Bekanntheitsgrad im Netz ist von einer bestimmten Stufe ab kaum mehr zu beeinflussen, zu korrigieren, man kann nicht angehen gegen 90 % Internetabsatz der Amazon-Abebooks-ZVAB-Krake im deutschen Sprachraum (von Ebay abgesehen).
Nun könnte das ja egal sein, Hauptsache unsere Bücher werden dort verkauft. Die Werbeinteressen des Amazon-Megaportals sind aber andere als die der einzelnen teilnehmenden Antiquare. Das W e r b e z i e l der Amezon-Krake ist nicht deckungsgleich mit dem der Antiquare. Wir Antiquare sind, von Momox abgesehen, ganz überwiegend Kleinunternehmer. Unsere Werbeinteressen münden "eigentlich" in einen Webseitenverband, ein Webseitenbündnis, bei dem jeder Kollege seine eigene Firma (be-)wahrt und bewirbt.
Mit jedem Verkauf über den Amazon-Abebooks-ZVAB-Verbund stärken wir auch die Werbemacht dieses Megaportals und schwächen zugleich unsere Chance, jemals wieder auf eigenen Absatz-Füßen zu stehen. Denn es ist die Klickbereitschaft, die Kaufgewohnheit, die Kundenzufriedenheit, die wir als Werbewert der Megakrake zuschustern. Wir verschenken unseren Werbewert an die Krake, Tag für Tag.
Gibt es werbestrategisch gesehen etwas Teuflischeres, ist ein blöderes Dilemma denkbar als das eben geschilderte?
Google als Partner der Antiquare im deutschen Sprachraum
Wenn wir uns die Überlegungen der letzten Wochen noch einmal durch den Kopf gehen lassen, dann zeichnet sich nun der Königsweg zu deren Lösung ab. Ich bin mir bewußt, daß wir dabei die Rechnung ohne den Wirt machen, aber man kann es ja mal - - versuchen.
Als Fanatiker des Ankaufs im Antiquariat eilt mir ohnehin der Ruf voraus, daß ich - wie die alten Trödeljuden am Oberrhein vor der Zeit der großen Verfinsterung - "zur Gartentür wieder hereinkomme, wenn ich zur Haustür hinausgeworfen worden bin". Interessante Bücher bekomme ich auch in schwierigsten Fällen eigentlich immer (dagegen kann ich leider gar nicht verkaufen).
Sammeln wir zunächst einige Fakten ein.
1.
Google etabliert zur Zeit ein eigenes Bezahlsystem als Konkurrenz zu Paypal, "Google Checkout" genannt. Es ist sehr gut konzipiert, bedarf aber gerade im deutschen Raum noch massiver Propaganda, hierzulande ist es fast unbekannt. Ich habe es getestet und bin hellauf begeistert davon.
2.
Google Books tut sich noch recht schwer damit, zusammen mit oder parallel zum Worldcat und koordiniert mit seinen Bücherscans ein universelles Katalogsystem für Bücher aufzubauen. Das hakt an allen Enden, ist inkonsequent geplant und erfreut Google vermutlich zur Zeit gar nicht.
3.
Die heute zur Verfügung stehenden Wiki-Systeme ermöglichen ohne weiteres auch sehr große Datenbanken, an denen ausgewählte Teilnehmerkreise Ergänzungen und Veränderungen ausführen dürfen, während sie sich für die übrige Öffentlichkeit als stabile unveränderbare Systeme darstellen. Es ist also nicht wie beim ZVAB, bei Amazon usw. nur ein Einspeisen fertiger Datensätze durch die Händler möglich und denkbar, sondern auch das direkte Eintragen und Redigieren von Titeldatensätzen durch jeden eingetragenen Antiquar.
4.
Die deutschen, österreichischen und schweizerischen Bücherdatenbanken der öffentlichen Hand sind sehr kooperativ und ganz freizügig in der Frage einer Weitergabe ihrer Titeldaten, die ja mit staatlichen Geldern erstellt worden sind. Dies gilt besonders dann, wenn auch sie - die Bibliothekssysteme - sich von dem System, an das sie ihre Daten weitergeben, brauchbare Rückmeldungen erwarten dürfen (was hier unbedingt der Fall ist).
5.
Daß in der Konzentration des Internet-Absatzes der deutschen Bücher auf Amazon/ ZVAB / Abebooks in e i n e r Hand eine gewisse Monopolgefahr liegt, die den Antiquaren Angst macht, liegt auf der Hand, ob das nun zur Zeit (ohne Ebay) 90 oder 80 % sein mögen. Jeder Ausweg aus dieser Monopolgefahr ist nützlich und sollte versucht werden.
6.
Unsere bestehenden Altbuchportale sind durch die mehrfache Wiederholung von fast oder ganz identischen Titeleien sehr schwer lesbar. Überdies wird so die kontinuierliche Verbesserung, wird der Ausbau und die Ergänzung unserer älteren Titelsätze unmöglich gemacht und ein Ausbau der so wichtigen Verschlagwortung ist nicht möglich.
Wenn die Punkte 1-6 zusammen betrachtet werden, dann ergibt sich fast zwingend folgender
*Vorschlag an Google:
Google möge eine zentrale Datenbank für alte Bücher einrichten, in der zusammengefaßt werden:
* Titeldaten und zugehörige Schlagwörter/ Stichwörter (die in einem Wikisystem durch die Autopsie des besitzenden Antiquars kontinuierlich verbessert und ergänzt werden können)
* zum Verkauf stehende Exemplare des jeweiligen Buchs mit Angabe des anbietenden Antiquars und einer direkten Warenkorb-Möglichkeit zum Google-Checkout-Konto des Händlers
wobei im Sinne eines referierenden Systems der Titel nicht wiederholt wird, sondern lediglich Einbandart, Besonderheiten, Zustand und andere Kommentare des Antiquars u n t e r dem Generaltitel, farblich abgehoben, notiert werden.
Damit verbunden sollte ferner direkt sein, sofern urheberrechtlich möglich, der Zugang zum Scan. Dagegen halte ich eine Verzeichnung der Bibliotheksbestände für nicht sinnvoll, das erledigt KvK besser.
Die Antiquare hätten damit ein allein von Google getragenes System, das sich über Checkout finanziert und, sofern man Google auf mittlere Sicht vertrauen will, monopolunabhängig ist.
Die Interessen von Google und die der Antiquare würden sich in idealer Weise ergänzen.
Weitere Fragen wie die Einbindung von Bildern wären elegant lösbar. Bedienung und Performance wären im Google-Standard perfekt schnell. Die Gebühren von Google Checkout sind sehr christlich. Das Wiki-System zur Ergänzung der Titeldaten macht, sind sie erst einmal auf den Geschmack gekommen, gerade erfahrenen Antiquaren Spaß.
Unser Verkaufsportal als Betretbare Bibliothek (Emmendinger Modell)
Langsam kommen wir in die Gänge mit der Reorganisation des Datenbankwesens im Antiquariat. Gerade wenn man den Kopf tief in der Materie hat und sein Projekt betüttelt wie ein Autoliebhaber seinen Bretzelkäfer, tun einem Zuschriften wohl, die auf einer anderen Schiene laufen und auf die man zunächst verärgert reagiert: Muß der Kollege mich ausgerechnet jetzt stören?
Aber nicht die Tücke des Objekts, sondern ein freundliches Geschick greift da oft ein, so zum Beispiel erreicht mich eine Email, die sich danach erkundigt, ob ich es nicht gewesen sei, der in der Hess-Runde jene Datenbank vorgeschlagen hatte, die auf dem Gedanken einer
*betretbaren Bibliothek
visuell aufgebaut gewesen sei und wozu ich dann später einmal bunte Bilder gemalt hätte, die fand er so hübsch und ob ich die ihm zur Verfügung stellen könnte?
Die bunten Bilder sind längst im Papierkorb gelandet, meine Zeichenkünste sind bescheiden
Aber die Anfrage brachte mir den ersten Artikel, vor über zehn Jahren, wieder zur Erinnerung, und richtig fand ich die Unterlagen gleich neben meinen Studien zur Nacktkultur rund um Berlin in den 20er Jahren unter Berücksichtigung der Fichte-Sparte, beide staubbedeckt. Den konnte man aber wegpusten.
Sie haben hier vor einigen Tagen den Plan des "Freiburger Modells" kennengelernt. Der Antiquar hat in Zukunft vor allem für eine Sacherschließung des alten Buchs zu sorgen. Da die Klassifizierungen, die er vorfindet - wenn überhaupt welche vorgegeben sind - in aller Regel töricht, weltfremd, zu grob- oder zu feinmaschig sind, notiert er bei jeder Titelaufnahme unsere gemeinsam auf jener denkwürdigen Arbeitstagung in der Frankfurter Buchhändlerschule demokratisch verabschiedete Standardklassifizierung der Antiquare.
Sie wissen ja:
Haustiere > Katzen
Antiquariat > regional > Oldenburg / Ostfriesland
Literaturgeschichte > deutschsprachig > Romantik > Jean Paul
Deutsche Landeskunde > Oldenburg/ Ostfriesland
Bedeutende Persönlichkeiten > Plocher
wobei letzterer Eintrag eher in die Zukunft weist.
Ebenfalls zum Modell gehören die drei, vier Normscans, die in Zukunft mit jeder Titelaufnahme hergestellt werden.
Nun zum Kern, der b e t r e t b a r e n Datenbank.
Stellen Sie sich zunächst eines der alten Bibliotheksbilder vor, die den Betrachter fast nach Guckkastenmanier in eine Bibliotheksraum hineinschauen lassen. Der Aspekt des "Hineingehens" ins Bild wird noch unterstützt durch eine leicht überzogene Perspektive nach Art der bekannten Dürer-Modelle.
Nun gehen wir, virtuell, vom G e s a m t - Bild der Bibliothek
Auf diesem Regalbrett stehen nun etwa 30-40 einzelne Bücher, die natürlich nur schematisch dargestellt sind. Klicken wir auf eines der Bücher, dann eröffnen sich uns, so vorhanden, die Scan-Bilder, wir erhalten ferner auch die Titelaufnahme.
Das "Hineingehen" in die virtuelle Bibliothek entspricht dem Feingliedern unserer Sachindizierung bei der Titelaufnahme. Sie sehen nun, daß das "Freiburger Modell" der verbesserten Sachindizierung genau seine Entsprechung hat in meinem Projekt der "betretbaren Bücherei".
Der Teufel steckt im Detail, und ich rechne es zu meinen wenigen guten Eigenschaften, daß ich selten beim allgemeinen Schwafeln bleibe, sondern immer bereit bin, mich in die konkreten Einzelheiten hineinzuknien.
Da die betretbare Bibliothek an die Stelle der bisher üblichen Verkaufsportale treten soll, sind praktische Lösungen anzustreben. Ich würde anregen:
- auf dem Rücken des virtuellen Buchs wird der Verfasser (Nachname) und, standardisiert im Abstand davon, ein Stichwort des Haupttitels notiert. Legen wir die Bücher in Gedanken quer (statt hoch, wie sie in der betretbaren Bibliothek natürlich stehen werden), wäre das etwa so:
Goethe Gespräche Eckermann
Schultze-Aurich Einführung Weimar
Biester Fröhliche Auswanderung
Mulzer Elend Genossenschaft
Hitler Mein Kampf
Dies nur als Beispiel für eine ganz übersichtliche Rückenbeschriftungsnorm, damit die ja in der "Betretbaren Bibliothek" h o c h kant stehenden Titel lesbar bleiben. Am Fuß des Buchrückens würde ich Seitenumfang (schräggestellt) und Preis (nur als Ziffer) eintragen, also etwa
250 34
für ein Buch von 250 Seiten, das 34 Euro kosten soll.
Die Buchrücken sind auch in Farben gehalten. Darüber wird zu diskutieren sein. Man könnte Norm-Monographien (was ist das?) weiß lassen, Einführungen in das (Gesamt-/ Unter-) Gebiet gelb, Bildbände blau, Bibliographien und Lexika grün, Zeitschriften grau, usw.
Spannend wird es - wir sind wieder beim virtuellen Gang durch die "Betretbare Bibliothek" - bei den Übergängen aus einem g r ö ß e r e n, umfassenderen Sachgebiet in das kleinere, und von dort in ein noch kleineres. Lassen wir die besuchten Räume dann "verschwinden" oder bleiben sie im Hintergrund sicht- und anklickbar? Wie halten wir es mit der Miniaturisierung, mit der Vergrößerung schon beim Darüberfahren mit dem Cursor oder erst beim Anklicken - des Feldes - des Buchs?
Da ist Kreativität gefragt. Ganz ideal wäre die Möglichkeit, vom angeklickten Einzelbuch zum Ladenraum des Antiquars, in dem das Buch steht, zu wechseln und wieder zurück in den Bibliotheksraum - RFMeyers schmählich verlassener Webseitenverbund auf ganz neue Weise zum Leben erweckt?
Die technische Seite macht mir weniger Sorgen. Vor 10 Jahren, als ich das Modell erstmals vorstellte, mag es noch schwierig umzusetzen gewesen sein - heute ist das für jeden Spieldesigner ein Vergnügen!
Die Idee hatte ich seinerzeit im Emmendinger alten Park am Bahnhof, wo alte Buchen und Eichen ein Idyll besonderer Art bilden, mit einem düsteren Gefängnis im Hintergrund und einem guten italienischen Eiscafé in der Nähe. Goethe besuchte dort seine unglücklich verheiratete Schwester Cornelia, Hermann und Dorothea spielt in Emmendingen.
Bleiben wir also bei ursprünglichen Namen, den ich vor zehn Jahren vergeben hatte: Das E m m e n d i n g e r Modell der betretbaren Bibliothek als Verkaufsportal für antiquarische Bücher.
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