Freitag, 5. August 2011

Nachtgedanken eines verkommenen Antiquars






1.
Ich wünsche mir  e i n m a l  eine so freundliche, sachkundige, lebendige Diskussion, wie sie gestern bei den Sortimentern stattfand, bei uns Antiquaren. Sind war dazu wirklich zu dumm, zu unbeweglich, zu gehässig, zu verbohrt? Ich habe den zugrundeliegenden Artikel und die lange Spalte der Kommentare erst heute Abend entdeckt, als ich durch den Buchhandelsteil des Börsenblatt-Netzdienstes spaziert bin, ein eher seltenes Erlebnis, weil mich die Neubuchhandelsfragen nicht allzusehr interessieren.

Ach, hätte ich mir den Ausflug nicht angetan! Denn nun nagt der Neid in mir, eine Sehnsucht und die Frage:  W e s h a l b  ist sowas, in dieser offenen, regen Form, unter uns Antiquaren ein Ding der Unmöglichkeit? Was müßte getan werden, um auch bei uns diese schöne, fröhliche und äußerst lehrreiche Diskussionskultur einzuführen?

2.
Bin ich der einzige lebende Kommunist unter den Buchantiquaren?

Es nervt mich ungeheuer und macht mich betroffen, wenn ich sehe, wie - gerade auf Dr. Biesters verflixten Messen - ein  Hofieren des Besitzbürgertums stattfindet, das mir die Schamröte ins Gesicht treibt. Unter unseren teuersten Artikeln sind noch heute oft genug jene wunderschönen Werke, die  n u r  für die Sozialschmarotzer vergangener Jahrhunderte hergestellt worden sind, die nur sie und ihre Agenten (Pfarrer. Juristen, Verwaltungsbeamte, Militärs) kaufen konnten.

So traumhaft schön die großen Kupferwerke, die Luxus- und Pressendrucke auch sein mögen - muß uns die Hand nicht zittern beim Anfassen dieser Bücher, die nur mit Blut und Tränen, mit Ausbeutung, Belügung und Terrorisierung, mit Dummhaltung und Einkerkerung unserer Vorfahren hergestellt und gekauft werden konnten?

Welcher Antiquar, welcher Kunde  s c h ä m t  sich für diese Seite der Vergangenheit vieler Spitzenstücke unseres Gewerbes? Sind wir besser als die Diamantenhändler, die sich aus dem Schmuck der Romanows oder der Judentransporte bedienen?

Und nun kommen wieder Sammler und Investoren zu uns an den Stand, in die Versteigerung, die ihr Geld automatisch vermehrt sehen, sie wissen nicht wie, während drei Viertel ihrer Brüder ebenso automatisch verarmen. E k e l t  uns diese Kundschaft nicht an?

Wie oft geht Ware durch unsere Hände, auf denen der  F l u c h  der Ausbeutung lastet wie ein dunkler Schatten - und wie oft setzen wir selber diese unheilvolle Kette fort durch den katzbuckelnden Verkauf an die Crème unserer Gesellschaft?

Düstere Gedanken, die man zur Nacht nicht anstellen soll. Schnell weg!

3.
Gibt es noch ein sozialistisches Antiquariat?

Ich meine damit nicht ein solches, das Fachliteratur aus und über sozialistische(n) Bewegungen sammelt. Das reicht nicht - ich meine solche Kollegen, die ein linkssozialistisches Antiquariat  l e b e n.

Ich habe da praktischen Unterricht erhalten einmal in den Antiquariaten der Provinz-DDR, die ich als politischer Anhänger der untergegangenen DDR mitunter besuchen durfte. Ich kam mir vor wie Udo Lindenberg - alles am DDR-Antiquariat fand ich eigentlich grauenvoll, getraute mir aber nicht, davon zu sagen und zu singen. Die Antiquariatskultur der DDR war sicher kein Ruhmesblatt für jene mir sonst so sympathische neue Lebensform im Osten. Ich bekam akute Ekelgefühle; Brechreiz von der Sorte, wie sie mich bei meinen Besuchen in der Staatsbibliothek Ost mit ihren Gängelungs- und Kontrollsystemen zu überfallen pflegte. G e i s t e s f r e i h e i t - in den Antiquariaten und Bibliotheken der DDR spürte ich davon nichts. Marx und Engels hätten sich geschämt, dort Kunden zu sein.

Anders in Zürich beim tiefroten Genossenschaftsantiquariat Pinkus, das man beileibe nicht verwechseln durfte mit dem ABC-Pinkus ein paar Querstraßen weiter. Dort störte mich etwas ganz anderes - eine seltsam angespannte, genervte, untolerante und irgendwie dogmatische Atmosphäre, das Gegenteil einer lockeren linken WG, wie ich sie in Freiburg kannte. Ich setzte große Hoffnungen in meine Besuche bei den roten Pinkus-Leuten, wurde aber bitter enttäuscht. Die Mitarbeiter mochten sich selber nicht leiden. Da half auch die großartige Persönlichkeit von Pinkus, der damals wohl schon krank war, nicht weiter. Ein "weniger gelungenes" Modell.

Später erfuhr ich, daß ich mit meinen Erwartungen nur durch den Gotthard-Tunnel hätte fahren müssen, um in Oberitalien exakt jene freie, vergnügliche, offene kommunistische Geisteskultur bei Verlagen, Filmunternehmungen und gerade auch in Buchantiquariaten zu finden, nach der ich in Berlin und Zürich vergebens gesucht hatte. Schade, eine verpaßte Chance - von meinem großen Latinum aus wäre Italienisch erlernbar gewesen.

4.
Ich bin der zweitärmste Antiquar von einem knappen Dutzend Berufskollegen in Freiburg. Darauf bilde ich mir wenig ein, schäme mich aber auch nicht, denn ich habe ein sehr großes und sehr spezielles Lager, das sich nur nicht so leicht zu Geld machen läßt, und im Ankauf bin ich für faire Preise bekannt. Aber wovon ich morgen leben soll, weiß ich eigentlich nicht. Manche Kollegen können mit Geld umgehen, andere können es nicht. Ich kann es  n i c h t, und also trabe ich vergnügt über die Kaiserstraße, bis mich freundliche ältere Damen auf Löcher im Rockärmel und zweierlei Socken aufmerksam machen.

Davon wollte ich nur insoweit sprechen, als ich trotz offenkundiger Vernachlässigung die gleiche Erfahrung mache, die - jedenfalls in Universitätsstädten - meinen Mitantiquaren auch zuteil wird: Wir verfügen über einen erstaunlich guten und fast nicht zu erschütternden Ruf in Sachen Geistesleben. "Ach, Sie sind Antiquar!", und schon ziehen einen Professoren, Zahnärzte, Pfarrer und Marktfrauen in Gespräche, die sie sonst in dieser Form mit kaum Jemandem führen würden.

Das ist zwar etwas mühsam, weil man diesem Ruf ja auch gerecht werden will, sich also Zeit nehmen und ein exzellentes Gedächtnis für angelesene Fakten aus allen Gebieten haben muß - aber es bauchpinselt auch. Es ist ein schönes Gefühl. Inmitten seiner staubigen zweifelhaften Hallen ist man doch ein besonderer kleiner Herrscher in den Augen der Leute.

Solches gilt es, glaube ich, in die "Marketingkonzepte", an denen wir alle zur Zeit sitzen, einzubauen. Nur keine falsche Bescheidenheit!

Viertel nach ein Uhr früh, Zeit für den Abendkrimi, ohne den ich nicht einschlafen mag. Konrad Adenauer hätte mich verstanden.

Schreibt das Börsenblatt noch für die Antiquare?

Schreibt das Börsenblatt noch für die Antiquare?
Dr.Biester, Paulitz, Pardun, Mulzer  und die Folgen





Beim Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, Abteilung Antiquariat, wird in den letzten Wochen immer deutlicher, was die Redaktion von Dr. Biester unter Antiquariat versteht - Edelware, Versteigerungsstücke, Museumsobjekte, Verkauf und Ausstellung solcher Bücher, die der normale Antiquar nie, aber auch gar nie unter die Hände bekommt, von denen er nur träumen kann - - und träumen soll.

Biester wendet sich mit seinem Netzblatt vorrangig an die Berufsgruppe und dann erst an die Liebhaber der alten Bücher. Das wird aus dem Verbund mit der Neubuch- und Verlegersparte des Börsenblatts klar  und ist seit jeher auch Tradition in Frankfurt. Würde Biester zuerst für die Bibliophilen außerhalb des Antiquariatshandels schreiben wollen, träte er in die Produktion eines Blatts für Bücherliebhaber ein, wäre seine ganze Konzeption eine andere.

Er wendet sich in der Tat bestenfalls an eine knappe Hälfte, eher an ein Drittel reiner Bücherliebhaber außerhalb des Handels. Schwerpunkt seiner Arbeit ist und bleibt der Antiquariatsmarkt, bleiben genauer gesagt die  H ä n d l e r  im Antiquariat, die Antiquare.

Man muß das im Auge behalten, wenn man versucht, eine Tendenz herauszufinden, unter der er schreibt.

Auf den ersten Blick erkennen wir, wie sich in letzter Zeit das Beschreiben der Spitzenware, die Behandlung hochedler Titel auf Ausstellungen, in Bibliotheken und bei den wenigen führenden Antiquariaten in den Vordergrund der Berichterstattung schiebt. Aktuelle Probleme des Handels,

*wie er wirklich ist*,

interessieren ihn kaum, sie werden, wenn überhaupt, in dilatorischen "Umfragen" abgehandelt, mit knappen Meinungssätzen angerissen, man spürt förmlich, wie unwohl dem Verfasser dabei ist und wie gern er wieder zur neutralen, unverfänglichen, womöglich musealen Spitzenware zurückkehren möchte. Etwas Antiquariatsgeschichte darf es noch sein, auch Todesfälle.

Ich betreibe jetzt nicht Textkritik oder Themenstatistik für das Börsenblatt, Sparte Antiquariat. Dazu sind mir die Berichte - das kann man mit dem Zeilenlineal abmessen - in letzter Zeit einfach zu kurz und zu bedeutungslos. Mich bedrückt etwas anderes: Wie Menschen ihr Gedächtnis verlieren können, so verliert Dr. Biester seine  M e i n u n g.

Was die Antiquare wirklich bewegt, das kann man zum Teil in den Aufsätzen bei mir hier nachlesen. Man muß es etwas mühsam heraussuchen, denn Mulzer schreibt mehr über seine teils fixen, teils originellen Ideen und über irgendwelche Schlösser, die im Monde liegen, als über die wirklichen Nöte und Sorgen des Altbuchhandels. Aber wer den Schutt wegräumt, der erhält bei Mulzer doch einen Kern von Manuskripten, die die  A n l i e g e n  des Antiquariats recht gut wiederspiegeln.

Von diesen Themen findet sich im "Börsenblatt" der letzten Wochen fast nichts.

Ich soll also zufrieden sein, daß Dr. Biester offenkundig eine wirkliche, echte, aktuelle, themenzentrierte Berichterstattung und Meinungsäußerung nur noch in Ansätzen pflegt? Weil ich in diese Lücke treten könnte?

Das wäre ein Mißverständnis. Ich möchte absolut keine "Antiquariatszeitung" gestalten, das könnten die werten Kollegen Paulitz  und - wenn er weniger theoretisch und mehr praktisch schreiben wollte - auch Pardun viel besser. Was ich hier auf die Beine stellen möchte, ist eine Art "Denkfabrik" und vielleicht auch die Vorarbeit zu einer Berufsvereinigung, da mir länger je mehr der Verband auf die Nerven geht.

Die redaktionelle Unwilligkeit Dr.Biesters drängt mich aber mehr und mehr dazu, die Lücken, die das Börsenblatt offen läßt, auszufüllen. Ich  w i l l  das aber eigentlich nicht leisten.

Vielleicht gelingt es mir mit diesen Zeilen, die Redaktion in Frankfurt zu folgendem kleinen Experiment zu veranlassen: Nehmen Sie zwei beliebige Monate in, sagen wir, 2008 und aktuell Mai/ Juni 2011 heraus, mitsamt oder auch ohne die Leserzuschriften. Destillieren Sie aktuelle Problemanalysen und Meinungs- und Debattenbeiträge, Überlegungen einerseits - - und die Berichte über kulturelle Spitzenware, Ausstellungen, Antiquariatsgeschichte und Edelkollegen andererseits heraus - und gewichten Sie das in beiden Fällen statistisch. Sie werden erstaunt sein!

Ich vermute, daß sich das auch in den Abrufzahlen wiederspiegelt, aber das ist ein anderes Kapitel.

Mir geht es darum, Sie zu bitten, die laufende  P r o b l e m - Berichterstattung wieder aufzunehmen. Meinungsbeiträge, Diskussion, Überlegung, Klärung!

Vom Büchermichel zur Referenzkatalogisierung

Umbau der Bücherdatenbanken im Antiquariat :
Vom Büchermichel zur Referenzkatalogisierung





Kollege Wiedenroth hat uns mit seinem herzerfrischenden Beitrag im Börsenblatt-Netzdienst einen vergnüglichen Sonntagmorgen bereitet. Er lächelt auf dem Foto menschlich und sympathisch - bestes Beispiel für ein nicht aufbereitetes, nicht aufdringliches, sondern ehrliches Portrait. Nur die saubere Arbeitsstube läßt mich erblassen vor Neid. Ach wie gut daß niemand weiß, wie es bei mir aussieht. - Antiquar Wiedenroth läßt uns gelegentlich im Unklaren, wo bei ihm der Ernst aufhört und die Persiflage anfängt, das macht den Text amüsant in einem tieferen Sinn.

Sie haben sich gestern hoffentlich nicht aufs Glatteis führen lassen - ich hatte mich geärgert über den Irrsinn der "Büchermichel"-Seite beim ZVAB und wollte jene 8,5 Leser, die mein Blog im statistischen Mittel hat, ein wenig quälen. Wofür ich mich entschuldige.

Denn es ist völliger Unsinn, die Titel eines Sachgebiets "in chronologischer Reihenfolge des Erscheinungsdatums" aufführen zu wollen. Stellen Sie sich das Ergebnis vor - tausende von Titeln ausgerechnet nach Jahreszahlen untereinander zu listen. Wer sollte sich denn da zurecht finden, und dann auch noch mit schnellem Querlesen, wie ich das ja gefordert hatte?

Um sich die Dimensionen, um die es dabei geht, klarzumachen, bitte ich Sie, einen der 5-Jahres-Bände des "Deutschen Bücherverzeichnisses" etwa um 1925  zur Hand zu nehmen, die meisten Antiquare haben sowas ja leicht angestaubt in der zweiten Reihe der Handbibliothek stehen. Der überschwere Teilband läßt uns einfühlen, wie die Titelmasse, in etwa mit Hundert multipliziert, aussieht, wie mit ihr umzugehen wäre. Bei einer geschickten Aufteilung der 80 Sammelgebiete, wie wir sie ja beabsichtigen, entspricht die T e i l - Titelmenge eines Sachgebiets "von den Anfängen des Buchdrucks bis zur Einführung der ISBN-Benummerungen" in etwa der Titelmenge in dieser 5-Jahres-Kumulation.

Kurz gesagt - dieser unsägliche Wälzer umfaßt die durchschnittliche Titelmenge eines unserer 80 Sammelgebiete.

Das müssen wir festhalten, denn nur der *gedruckte* Band, nicht irgendeine Internetübersicht ermöglicht uns die  V o r s t e l l u n g  von unserer Aufgabe. Wobei die Sachgliederung, die sich als dritter Band an die beiden Teilbände des 5-Jahres-Verzeichnisses anschließt, einige gute (und sehr viele schlechte) Beispiele einer Sacherschließung enthält.

An dieser Stelle der Überlegungen wird uns eine weitere boshafte Irreführung im gestrigen Text klar: Es kann natürlich nicht darum gehen,  z u f ä l l i g  in einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich verkaufte Titel aufzuführen. Von daher läßt sich keine gescheite Übersicht zu einem Sachgebiet erstellen, schon gar nicht dann, wenn wir uns eher um seltenere, teurere Titel kümmern wollen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, uns bei der Darstellung und Auswahl der Titel diesem skurrilen Zufallsaspekt zu überlassen.

Warum es so nicht geht, dazu kann gerade der (übrigens zu Unrecht mißachtete) rote Aachener Radtke (Taschenbuch der Auktionspreise) einiges sagen. Wir haben dort eine recht zuverlässige Gesamtschau der erzielten Bücherpreise von etwa 30 Euro aufwärts für den Zeitraum von rd. 20 Jahren - und zwar auch hier, wie beim 5-Jahres-Verzeichnis, graphisch-typographisch vorstellbar, sozusagen in der Hand zu halten. Das Auge kann daran maßnehmen!

Zurück wieder zum einzelnen Sammelgebiet. Es ist ungeheuer wichtig, daß wir den (für die Fachgebietsantiquare unter uns ohnehin selbstverständlichen) Gesichtspunkt der Darstellung der Sammelgebiete in einer Grob- und Feingliederung in Zukunft stärker betonen.

Die Verführung zum Büchersammeln auf einer unteren und mittleren Ebene kann (fast) nur über Sachgebiete, über einzelne Sammelsektoren laufen.

Stellen Sie sich dabei nicht nur bestehende, sondern auch mögliche zukünftige Sammelgebiete vor, etwa Schulbücher querbeet oder Unterhaltungsromane für Frauen, oder praktische Jugendliteratur (im weitesten Sinn) vom Anstandsbuch für Jünglinge bis zur Anleitung zur Weißzeugnäherei für höhere Töchter, oder französische Literatur in den (durchwegs schlechten) Übersetzungen vor 1945, oder Kirchengesangbücher. Vor allem aber natürlich die klassischen bekannten Sammelgebiete, ihrer etwa 80 an der Zahl.

Was sehen wir, wenn wir den 5-Jahres-Band und einen Radtke nebeneinander aufschlagen und darüber meditieren?

Nach meiner Einschätzung führt kein Weg daran vorbei, für jedes Sammelgebiet einen Referenzkatalog zu erstellen. Referenzkatalog heißt er, weil er die Titelaufnahme des Antiquares ersetzt durch eine Referenz.

Die Bezifferung im Referenzkatalog entspricht dem Michel-Nummernsystem beim Briefmarkensammeln. Ich habe im Netz stehen folgene Titelreferenz:

Lieberenz, Paul ; Berger, Arthur
Mit Sven Hedin durch Asiens Wüsten, nach dem Tagebuch des Filmoperateurs der Expedition Paul Lieberenz
Berlin: Wegweiser-Verl.: 1932: 383 S. : Ill.
bearb. von Arthur Berger, Volksverband der Bücherfreunde: Jahresreihe ; 13,4
74-KR-85

Hierbei ist 74-KR-85 die Schlüsselnummer des Referenz-Katalogs (74 das Sachgebietskürzel für "Reisen/ Geographie: Übersee")

Der Antiquar gibt bei der Titelaufnahme nur noch ein "74-KR-85" und fügt hinzu den Zustand, die Einbandart, die Widmungsfrage usw. und seinen Preis. Es ist also Schluß mit dem blödsinnigen "Titelei-Kopieren", auch mit den Titelübernahmen nach System w+h, vor allem auch mit dem gut gemeinten, vom Zeitaufwand aber irrsinnigen "Selberschreiben" der Titel.

Wir sehen nun, daß die Frage des Bücher-Michel unlösbar verbunden ist mit einer Generalrevision unserer bisherigen Form der Titelaufnahme. Ich sehe überhaupt keinen Sinn darin, den Nutzer mit dem Ablesen endloser Reihen fast identischer Titelaufnahmen zu  q u ä l e n - während er doch nach dem Referenzsystem in Sekundenschnelle eine Übersicht erhält:

- Halbleder, Widmung Goebbels an Olga Tschechova, benutzt  90,00 (Tautenhain, Stalinstadt)
- Broschiert, unsauber 9,80 (Heine, Empel-Rees)
- Bibliotheks-Ln. erfreulich  14,00  (Oxmox, St.Pauli)

Soweit zum Verkaufskatalog. Der Bücher-Michel aber leistet mehr: Er enthält in Schwarz alle feststellbaren Titel überhaupt, Wertangabe in blau für die jemals zu dem und dem Preis in welchem Zustand verkauften Titel, Wertangabe in rot für die derzeit tatsächlich zum Verkauf angebotenen Titel.

Zum  D r u c k  der Sachgebietskataloge muß auf die aktuellen (roten) Verkaufsangebote verzichtet werden, durch ein raffiniert ausgeklügeltes System muß Zustand und Mittelpreis eingearbeitet werden - hier dürfen wir uns den (echten Briefmarken-) Schwaneberger ruhig zum Vorbild nehmen - in einer von-bis-Preismarge, und vor allem muß innerhalb des Sachgebiets eine geschickte, teilweise standardisierte Sachgebietsuntergliederung stattfinden.

Das ist kein Hexenwerk. Schon die Zeitersparnis für die Kollegen und, vor allem, der  W e r b e w e r t  für das retrospektive Büchersammeln wären immens. Der "Büchermichel" muß mit einer Revolutionierung unseres Datenbanksystems verbunden sein.

Der Büchermichel, wie ich ihn einst geplant hatte





Juristische Vorbemerkung: Die Bezeichnungen "Michelkatalog", "Michel", "Büchermichel" usw. sind als Markenzeichen geschützt. Die Wortbildung "Büchermichel" wurde indes - mehrfach nachweisbar - durch mich erstmals um 2000 formuliert und unter den Antiquaren bekanntgemacht. In diesem Sinn verwende ich den Begriff im folgenden. Bildrechte gehören Schwaneberger.



Ich bin gebeten worden, den alten Plan meines "Bücher-Michel", den ich vor einem Jahrzehnt zuhanden der Antiquare mehrfach veröffentlicht hatte, darzustellen.

Das ist nicht ohne strategische Überlegungen möglich: Soll ich eine Idee, die mir mitsamt der Bezeichnung nach meiner persönlichen Einschätzung entwendet worden ist, mit den inzwischen durch mich weiterentwickelten Einzelheiten hier ausbreiten, zum gefälligen Ideenklau?

Das geht nicht gut an. Deshalb werden Sie hier einen ungewohnt kurzen Beitrag lesen. Ganz unbeantwortet will ich die Anfrage nicht lassen, aber die Details, in denen bekanntlich der Teufel steckt, werde ich verschweigen.

Für die Markensammler unter Ihnen und all jene, die einen der modernen Michel-Kataloge zur Hand nehmen (den farbigen Deutschland-Standardkatalog ausgenommen), muß ich leider vorausschicken, daß die gesamte Darstellung der Michelkataloge seit etwa 1985 in einem fortwährenden Niedergang begriffen war und sich erst in jüngster Zeit wieder gebessert hat. Die Umstellung auf elektronische Druckverfahren wurde in einer ganz fürchterlichen Weise in den Dreck gefahren, um das Unglück vollzumachen, wurden Rotationsdruckverfahren der übelsten Sorte eingeführt. Viele Jahre hindurch waren die Michel-Kataloge auf schlechtem Papier bläßlich gedruckte, unübersichtliche, beleidigend und oft zu klein gesetzte, teils schlampig klischierte Machwerke der übelsten Sorte.

Ich hatte mir in der Folge als alter Philatelist mit viel Mühe die Michel-Kataloge  v o r  dem großen Umbruch in Druck und Typographie  besorgt, nur um durch die schäbigen neuen Schwanebergerprodukte nicht jede Lust am Markensammeln zu verlieren.

Sie sehen im Bild oben den Scan eines der guten, hervorragend gesetzen, bestens lesbaren klassischen Michel-Kataloge (Deutschland Spezial 1970). Nur von solchen "Michel-Katalogen" kann hier die Rede sein, kaum von den Produkten des Schwaneberger-Verlags nach etwa 1985, wie immer hier mit der Ausnahme des sehr erfreulichen farbigen Deutschland-Standardkatalogs.


Die Grundidee des Mulzerschen "Bücher-Michel" ist die "Gesamtdarstellung" der deutschen Bücher von den Anfängen des Buchdrucks bis zu einem Grenzdatum, für das sich die Einführung der ISBN-Benummerung anbietet, also etwa 1970.

Die Gesamtdarstellung soll, mit zahlreichen - genau definierten - Ausnahmen nur die selteneren Bücher umfassen, ab einem Mindestwert von rd. 25 Euro. Wie die Durchschnittswerte sinnvoll zu ermitteln sind und was für Ausnahmen nach unten hin unbedingt gemacht werden müssen - das sag ich nicht.

Wie der Markensammler seine "Gebiete" separat dargestellt bekommt, so ist auch der "Büchermichel" in Sammelgruppen aufgeteilt; er folgt jenen rd. 80 Sachgebieten des Büchersammlers, die ich öfter veröffentlicht und modifiziert hatte. Sowohl die numerische Klassifikation als auch die wissenschaftlichen Indizierungsmethoden sind im Antiquariat nicht nur nicht sinnvoll - sie führen dort zum sofortigen Kollaps . Nur was der  S a m m l e r  wünscht, darf vorgenommen werden. Ich würde nun gern davon berichten, wie man "kommende" Sammelgebiete im Antiquariat vorausahnt, postuliert, vorgibt - aber das unterliegt meiner internen Zensur. Jedenfalls ist es sehr wichtig, daß wir dem Sammler neue Wege weisen.

Innerhalb jedes dieser rd. 80 Sammelgebiete werden nun die Bücher oberhalb des Mindestwerts - mit denjenigen billigeren, die wir nach Übereinkunft aufnehmen - dargestellt, nicht anders als im Briefmarkenkatalog  in  z e i t l i c h e r  Abfolge. Wie die Briefmarke wird ja auch das Buch zu einem (fast immer) feststellbaren Datum herausgegeben. Wie bei den Marken ist die Erfassung der Nachauflagen, der Veränderungen usw. mit Symbolen darzustellen, um die Übersichtlichkeit zu erhalten.

Eine ganz wichtige Rolle spielt generell im kommenden Antiquariat die Kodifizierung, das Einführen schnell lesbarer  S y m b o l e  in Satz und Typographie. Dazu demnächst mehr.

Die Abbildungen, wie beim Markenkatalog Daumennagelbilder, sind sehr streng zu reglementieren, da wir bei den älteren Titeln ja zu einer Übereinkunft kommen müssen, mit "Deckelbildern" ist es nicht getan. Über weite Strecken wird der Katalog zunächst unbebildert bleiben müssen.

Zur Preisangabe sage ich hier auch nichts, deute nur an, daß wir hier mehr in Richtung Münzkataloge denken müssen - sapienti sat.

Ob dieser "Büchermichel" als Gesamtwerk gedruckt werden kann, weiß ich nicht, wenn, dann in China. Was sich aber sicher und mit viel Erfolg machen läßt, ist die Herausgabe einzelner Sachgebietskataloge. Und natürlich erscheint der große Gesamtkatalog im Internet.

Zusammenfassung:

Der Büchermichel nach System Mulzer hat zu  allererst die Aufgabe, einen visuell rasch und klar erfaßbaren Überblick über die selteneren Sammlertitel eines Gebiets herzustellen, die je erschienen sind. Die Parallele zum Markenkatalog ist klar erkennbar. Alle Preisangaben erhalten ihren tieferen Wert - wie bei den Briefmarkenkatalogen - erst durch ihre Positionierung im Gesamtfeld des Sachgebiets, das - ich wiederhole mich - dort visuell schnell erkannt und quergelesen werden kann.

"Mein" Büchermichel ist also in erster Linie ein Instrument zur Gewinnung neuer Käuferschichten, zur Popularisierung, zum  A n s c h i e b e n  des Gesamtantiquariats und so gesehen natürlich eine Gemeinschaftsarbeit aller Kollegen.

Webseitentest ZVAB Bücher-Michel - Mit Schwaneberger ins Antiquariat




http://www.buechermichel.de/
http://www.boersenblatt.net/450284/template/bb_tpl_antiquariat/

Dieser Testbericht gibt die persönliche Einschätzung des Verfassers wieder.
Motto: Wer sich als Internetnutzer gequält und geohrfeigt fühlt, erlaubt sich zurückzuschlagen.


1.
Es gibt Vorgehensweisen, die rechtlich noch korrekt sind, aber trotzdem den Schein des Unseriösen an sich tragen - und die sorgfältiger zu vermeiden sind als manch anderes Fettnäpfchen. Ich spreche von der Unsitte, Abonnemente oder Dienste anzubieten, die im ersten Zug gratis zu erhalten sind, die sich dann aber, wenn keine Kündigung erfolgt, automatisch verlängern - und zwar als kostenpflichtige Dienste.

Im Bereich der Zeitschriftenabonnements ist das eingebürgerte Praxis. Bei Internetangeboten aber hat diese Methode, die ja doch auf die Vergeßlichkeit des Nutzers spekuliert, das Mäntelchen des Unseriösen umgehängt, weit schlimmer, sie ist typisch für die gesamte Pornobranche, für äußerst dubiose Hausarbeits- und Klingetonabzockerseiten. Wer will da mittun - unser unglücklicher Bücher-Michel. Und wenn sie es schon falsch machen, dann gleich richtig: Sie fordern die Eingabe der Kontoverbindung auch für das kostenlose Probeabonnement zwingend, sonst läuft erst einmal gar nichts, auch nicht das kostenlose Abonnement.

Wer aber für einen kostenlosen Dienst gleich die Kontendaten einfordert, der  handelt psychologisch so trampelig, daß mir die Worte dafür fehlen. Ich muß mich für meine wissenschaftliche Arbeit öfter in russischen und anderen Pornoseiten bewegen. Dort akzeptiere ich zähneknirschend derartige Unverschämtheiten, notiere dann aber sehr genau die Abbestellungsdaten. Hier, beim ehrwürdigen ZVAB, gingen bei mir schon rein instinktiv alle Warnlampen an: Wieso muß ich meine Kontendaten angeben, wenn ich einige Monate völlig gratis ein Angebot nutzen darf?

Diese offenkundige, nackte Spekulation auf die Vergeßlichkeit des Nutzers, für welchen Fall gleich die Kontendaten mit angegeben werden müssen, ist  s c h ä b i g. Früher nannte man sowas "Werbegift".

2.
Es interessiert mich überhaupt und rein gar nicht, welche vermeintlich schwerwiegenden Gründe das Michel-Team ins Feld führen will, um die geradezu hirnrissige Methode der Symbolisierung der Wertstufen durch Buchstaben zu rechtfertigen. Es ist das aus der Sicht des Nutzers völliger  S t u ß. Ich darf gar nicht niederschreiben, was ich will, um den Geisteszustand, den ich dem Erfinder dieser Methode zubillige, zu charakterisieren. In meinen geliebten 68er-Bildgeschichten gab es dafür das Symbol einer Klosettschüssel mit Abzugs-Kette...

Natürlich kann ich, muß ich mir nun halt die Tabelle der Wertstufen fein säuberlich ausdrucken und neben die Tastatur pinnen, bis sie dort mit dutzenden anderer Merkhilfen einstaubt und untergeht. Aber ich werde jedesmal  f l u c h e n, wenn ich statt des klaren Endpreises erst den Wertstufenbuchstaben übersetzen muß, mit schnellem Blick zum Merkzettele - einmal, zehnmal, hundertmal. O Unglückswurm in (ex:)Tutzing oder München, was für ein Teufel hat dich geritten, uns so zu quälen? Wenn es um Geldbeträge geht, ist unser Gedächtnis allemal auf Ziffern eingestellt. Ich vergewaltige mein Unterbewußtes, wenn ich Bücherpreise durch Buchstaben merken, erkennen soll. Keine Diskussion - das ist eine grauenhafte Fehlplanung.

3.
Beim praktischen Einsatz versagt das System völlig, es leistet sich eine Kaskade benutzungstechnischer Blödheiten, die zum Teil miteinander gekoppelt sind. Ich frage mich, welcher a) weltfremde, b) niemals selber bibliographiert habender, c) blinder und tauber Unglückswurm sich die folgende Quälerei ausgedacht hat:

Beim ersten Aufruf nach der Eingabe unserer Suchworte in die Suchmaske erscheint ein "Gebilde", in dem die  T i t e l - Zeile viel zu kurz ist. Das ist deshalb fatal, weil der Nutzer hier ja die erste Vorauswahl dafür erhalten will, welche Titel er dann ausführlich aufruft. Für diese Vorauswahl braucht er zwingend und fast immer ein etwa doppelt so langes Titelfeld, als er es hier vorfindet. Da er das nicht erhält, ist er gezwungen, sich zu Tode zu klicken, Titel am laufenden Band aufzurufen, die er eigentlich gar nicht sucht. Schon bei einer ersten Benutzung erkennt man das doch - und erlöst den gequälten Nutzer, indem man ihm ein gut doppelt so langes Titelfeld schon in der Vorauswahlstufe einräumt. Himmel! Leute! Seid ihr so doof, oder tut ihr nur so? Ich erlaube mir, Euch im Namen tausender fluchender Nutzer ein wenig zu beleidigen. Das ist  K ö r p e r v e r l e t z u n g  im Netz, was ihr da treibt.

Klickt man dann endlich einen Titel der Vorauswahl an, erhält man erst diejenigen Daten, vor allem Hinweise auf den Zustand, die es ermöglichen, das Preisresultat richtig einzuschätzen. Wir haben in der Vorauswahlstufe ja doch, neben der unglücklichen Buchstabenkodierung des Preises, das Manko, ohne Zustand, Einband usw. recht wenig sagen zu können zu dem wahren, angemessenen Preis.

Damit die Übersicht nicht verloren geht, hier eine Zusammenfassung. Die Vorauswahlseite ist oft nicht benutzbar, weil die viel zu kurze Titelzeile eine  e i n d e u t i g e  Zuordnung des Titels gar nicht erlaubt, ferner, weil ich hier die Zustände noch nicht sehen kann, die ich doch zwingend sehen muß, und drittens erschwert wie gesagt die Buchstabenkodierung jene schnelle "gefühlsmäßige" Preisübersicht, die der Praktiker braucht.

Also muß ich fast immer, wenn ich halbwegs korrekt arbeiten will, jene gefürchteten und bestgehaßten

K l i c k o r g i e n

veranstalten, die ein kluger Netzarchitekt eben gerade zu verhindern hat. Denn das ist die Kunst!

4.
Daß sich der unglückliche Webarchitekt selber im Weg gestanden ist, erkennen wir bei näheren Titelaufruf, nach dem Anklicken. "Verkauf nach" "verkauft aus" ist schlicht unnötig; die "Stichworte" hier anzugeben schierer Blödsinn; "signiert nein" , "Erstausgabe nein" bei solcher Platzverschwendung Nonsens; die farbliche Feldaufteilung unsäglich un-praktisch, un-leserlich, un-schön, kurzum: Klosettschüsselsymbol leider auch hier. W e r  hat das gebaut? Ich will das wissen!

Nun schreibe ich einfach nicht weiter. Denn die Grausamkeiten und Ungehörigkeiten setzen sich fort - welch böses Gehirn gehört dazu, um neben eine schon an sich denkbar unübersichtliche, nur bei höchster Konzentration schnell querzulesende Seite ausgerechnet blinkende Werbeinserate zu setzen?

Wie würde eine vernünftige Revision des Projekts aussehen? Unter Vermeidung der "Zwischenstufe" müßte es gelingen, schon bei der ersten Übersicht Titelaufnahmen soweit zu erhalten, daß eine Einordnung der (dann bitte numerisch genannten) Verkaufspreise möglich ist. Das geht durchaus zu machen. Oberstes Gebot muß sein, schnellstes Querlesen zu garantieren.
In der jetzigen Form ist der "Bücher-Michel" ein grausames, völlig verhunztes und geradezu  p e i n l i c h e s  Unding, Beispiel dafür, wie Kunden gequält und genarrt werden durch unfähige Webseitenbauer.

5.
Natürlich hat das alles noch eine tiefere Dimension. Übersichten dieser Art müssten in ein größeres Ganzes eingeordnet werden, die Chance, hier auch ein bibliographisches Moment einzubringen, ist völlig vertan worden. Mein Konzept eines Bücher-Michel, das ich schon vor einem Jahrzehnt vorgestellt hatte und das man mir nach meiner persönlichen Einschätzung geistig (nicht juristisch)  mitsamt dem präzisen Namensvorschlag - geklaut hat, war viel näher am eigentlichen Michel-Katalog.

Man kann nämlich sehr elegant und durchaus teilautomatisiert die Bücher in Form von Briefmarkensätzen darbieten. Diese Chance ist sinnlos vertan worden.

Ganz abgesehen von solchen Grundsatzfragen bleibt festzuhalten, daß hier in Sachen Usabililty ein grauenhaft schlecht konstruiertes Unding entstanden ist. Nochmals - dieser "Büchermichel" ist eine Körperverletzung, begangen an Antiquaren und Sammlern.


Für das Foto - der Besitzer konnte nicht festgestellt werden - danke ich der “kulturlounge.de”

ZVAB - Nachruf auf eine Bücherdatenbank






Als Konsequenz aus meiner Einschätzung des deutschen Abebooks-Portals - Gesamtnote 1 - hatte ich vorausgesagt, daß das ZVAB, unser häßliches, ungeschicktes Entlein, nicht mehr lang neben der schönen Schwester Abebooks würde bestehen dürfen - gehören beide doch bekanntlich zu Amazon.

Ich stehe nicht an, meine Kritik am ZVAB noch einmal zusammenzufassen, in etwas abgekürzter Form, denn meine früheren ZVAB- Tests sind den Kollegen noch im Gedächtnis, sie finden sich in verschiedenen Blogs.

Zur Absicherung meines ersten Kritikpunkts, der verwendeten Farben, habe ich die drei bei mir installierten Browser getrennt ausgewertet. Firefox, Chrome und Explorer zeigen aber nur minimale Unterschiede.

Das Gelb im Kopf der Seite ist ein typisches  E i t e r g e l b  und unter den denkbaren Gelbtönen vermutlich das häßlichste. Eitergelb dürfte durch Beimischung von Blutrot gebildet werden, wie auch immer, es wird vom Betrachter mit spontanem Ekel wahrgenommen. Noch fürchterlicher ist das verwendete (Grün-)Blau, denn es entspricht haargenau jenem Badezimmerkacheln- und  T o i l e t t e n s i t z b l a u , das in der deutsche Kultur -leider- immer noch Statuscharakter hat. Auch Toilettenbürsten und Waschräume in Intercitys tragen dieses besondere Blau. Bahnreisende erinnern sich, daß die "Regio-Eilzüge" einst ganz in diesem Blau-Grün gestaltet waren.

Neben den Farben sind es die verwendeten Formen, die den Ästheten der älteren Schule spontan beleidigen - der Kult der brutal aberundeten Ecken an den überreichlich verwendeten  (eigentlichen) V i e r - Ecken treibt hier absurde Blüten. Das ist kein Design, sondern eine heillose Mischung aus  K i t s c h, Pseudo-Feminisierung, Pseudo-Abmilderung, im Grunde eine, sagen wirs auf Deutsch, Kastration der Vierecke, die ihrer Ecken allesamt beraubt werden. Nicht mäßig, nicht schwach, sondern so brutal breit werden die Ecken "verrundet", daß das Stilelement zur Groteske wird.

Die Details sind, wen wunderts, ähnlich grausam. Der angeberische Button "Qualität..." ist in Schrift und Farbe viel zu dominant, er zerstört die Seite (sofern da noch was zu zerstören ist). Die Farbe, ein hochdepressives Kardinalspurpur, paßt zu Eitergelb und Toilettensitzgrün wie die Faust aufs Auge, er gibt der Seite etwas "Sterbendes". Depressive werden beim Einkaufen im ZVAB noch todtrauriger.

Wir sprachen von kuriosen Details. Welcher Unglückswurm hat sich das viel zu kleine Daumennagelbildchen des Friedensnobelpreisträgers ausgedacht? Es wäre doch mehr als genug Platz da für ein etwas größeres. In dieser Winzigkeit ist Personendarstellung eine Frechheit, eine Beleidigung.

Die doppelte "Schnellsuche", so nützlich sie auch sein mag, steht, o  H i r n r i s s i g k e i t,  immer noch *doppelt* auf der Startseite oben. Das ist eine Kränkung für jeden mitdenkenden Benutzer. Ich hatte das schon vor einem Jahr moniert - Reaktion Null. So sind sie eben.

Durch Eingabe von "Baedeker" und "Rheinlande" kommen wir auf die Titelverzeichnungsseiten.

Hier ist das Gelb, von der Farbe abgesehen, zu hoch, mit dieser Kopfzone wird viel Platz verschenkt, ohne daß irgendetwas damit ausgesagt oder bewirkt würde. - Da die Seite ohnehin sehr breit ist, wäre es geschickter, wenn die an sich nützlichen Angaben im Kopf unterhalb der gelbgrünen Zone an der  S e i t e  untergebracht würden, auch sollten sie nicht in so großen Typen geschrieben werden.

Bis zum Beginn der Titelaufnahmen ist mehr als die  h a l b e  Bildschirmseite unnütz  v e r t a n.

Die Titelaufnahmen sind in einer zu großen Type mit zu weitem Zeilenabstand gefaßt.  E i n e   etwas umfangreichere Titelaufnahme füllt die halbe Bildschirmseite! Das ist absurd und kann auch nicht mit einer lobenswerten "Klarheit" entschuldigt werden.

Der ganze Schmus unterhalb der eigentlichen Titelaufnahme, der hier in einzelnen Abschnitten / Absätzen und leider ebenso groß wie die viel wichtigere Titelaufnahme selbst gesetzt ist, könnte und müßte im Interesse des Lesers teils in die Titelbeschreibung hineingezogen, teils unter kleinen geschickten Links verborgen werden - o Abebooks-Seite, wie schmerzlich vermissen wir dich gerade hier!

Das einst recht harmonische Gesamtbild der Seite wurde durch die - von mir damals sofort monierte - knallige Symbolverwendung der Kreditkartentypen - ohnehin in dieser Form eine Schnapsidee - zerstört. Der Warenkorbbutton ist immer noch jener aufgeschwollene langgezogene  E i t e r p i c k e l , der uns seit Jahren zutiefst ärgert - wer mag da draufklicken, gewärtig, daß ihm der Eiter ins Gesicht spritzt, weil der Button aufplatzt?

Das Hauptargument bleibt aber: Die Seite ist schlicht und ergreifend  n i c h t  b e n u t z b a r, weil sie nicht in anständiger Weise  q u e r g e l e s e n  werden kann.

Wahre Scroll-Orgien sind notwendig, ganze Mausoperationen, die Finger tun weh, der Unterarm schmerzt. Nun könnte man sich mit allerlei Tricks, besonderen Mauseinstellungen usw. auf solchen Unfug irgendwie einrichten. Aber so einfach liegt das Problem nicht - bei solch falscher Seitenbefüllung findet das  A u g e  keinen  H a l t  mehr, unabhängig von eigentlichen Rädchen- und Seitenrandherabzieh-Problem.


Und die Benotung?

Die Portalseite ist roh, nicht einladend, sie ist verkitscht, farblich (zumal tiefenpsychologisch) abschreckend gehalten, sie lädt nicht ein, führt nicht in die Seite hinein wie die Abebooks-Seite das perfekt vormacht - sie scheint von einem Webdesigner mit Magenkoliken gefertigt worden zu sein, sie ist ein einziger  A l p t r a u m von Portalseite und kann nur die Note "magelhaft" = "5" erhalten.

Die Titelverzeichnungsseiten sind trotz des verschenkten Raums oben ästhetisch ganz erfreulich, sieht man leicht gequält über die Farbbänder oben hinweg. Aber bei näherem Hinsehen - und hier sieht jeder Benutzer "näher hin", erweist sich die Seite für auch nur halbwegs flüssiges Lesen als ganz unbrauchbar. Sie erfüllt ihren Zweck nicht!

Das Auge in der Bewegung des Titellesens fällt  die Entscheidung, es allein und sonst garnix. Weil das so ist, kann die Titelverzeichnungsseite nur ein, durch das "klare erste Bild" leicht aufgebesserte, "ausreichend bis mangelhaft" bekommen, also ein "4-5".

Beide Noten zusammen ergeben allemal "5", und mit dieser Note tritt unser einst so umkämpftes ZVAB ruhmlos, aber nicht ohne wehmütigen Abschiedsblick seitens des Rezensenten, von der Bühne dieser Welt ab.

P.S. Die Überschrift ist - noch - eine Satire.

Dank für die Ausleihe des Fotos geht an Michael Wassenberg, der die Rechte daran besitzt

Abebooks.de / Portalkritik: Note -1-


Abebooks.de - Note 1 - weitaus bestes Verkaufsportal im deutschen Antiquariat
Benutzertaktik und Gestaltung fast perfekt



1.
Die Gestaltung des Eingangsportals ist farblich und in der topographischen Aufteilung (wo bring ich was unter?)  zugleich wohltuend  harmonisch-zurückhaltend wie auch anregend-interessant. Das geschmackvoll gewählte Rot vermeidet den störenden Rot-Ton anderer Portale (siehe mein bestgehaßtes "arterielles Blut-Rot"),  Braun wie auch Grau sind sparsam verwendet und die dezent verteilte Hintergrundfarbe läßt dem Weiß den Vortritt - um wievieles schöner als das Gelb beim ZVAB! Blaue und schwarze Schriftfarben sind ebenso wie die (nur auf den ersten Blick verwirrend vielfältigen) Schrifttypen wunderschön aufeinander abgestimmt und harmonisiert.

Wir sehen gleich oben drei anklickbare "Guckkästen", alle zum Wechseln eingerichtet, sodaß jeder neue Besuch mit kleinen Überraschungen belohnt wird. Mein einziger Kritikpunkt hier das etwas affig und unklar gestaltete Feld "Newsletter abonnieren", vermutlich ein Überbleibsel aus einer früheren, schlechteren Phase der Portalseite. - Der Werbespruch "140 Millionen neue, gebrauchte und antiquarische Bücher" ist in Schrift, Plazierung und Farbe diskret und doch unübersehbar angebracht - so loben wir uns die  Eigenwerbung. Bei den anderen Portalen vermissen wir solche Zurückhaltung fast immer.

Die Aufteilung des Suchfelds in Autor, Titel und Stichwort ohne ein übergeordnetes gemeinsames/ universelles Suchfeld scheint den angelsächsischen Bücherportalen eigentümlich zu sein, auch mein geschätztes "bookfinder" will nicht anders funktionieren. Ich bedauere das, kann es aber, weil da wohl technische Zwänge bestehen (Kompatibilität mit US-Abebooks), nicht als Minuspunkt werten. Der deutsche Bücherkunde vermißt es jedenfalls  s e h r.

Bis in Formen und Farben der anklickbaren Worte bzw. Buttons hinein reicht die wohlüberlegte, psychologisch perfekte Gestaltung - sehen Sie sich einmal den roten Button "Buch finden" und das (nur vermeintlich "zufällig") ganz anders gestaltete "Detailsuche" an. So macht es ein  K ö n n e r.

Die Verwendung des "Wolken-Systems" unter "meistgesuchte Begriffe" ist hier auch graphisch gut gelöst und ein kleines, hübsches Zusatzmittel, um die Seite lebendig zu halten und in sie "hineingehen" zu wollen. - Das historisierend gestaltete Feld oben (braun) "Entdecken Sie jetzt antiquarische Bücher und Sammlerstücke" ist sehr gut umgesetzt und führt zu einem ähnlich wie das Hauptportal gestalteten Antiquariatsportal. Die Parallelen sind sofort, ohne Überlegung, eingängig, man genießt es auch als feines intellektuelles Spiel, hier wieder die "Wolke" zu finden.

Auch auf der Antiquariatsseite ist alles nicht nur "schön", sondern überraschend sinnvoll und einfallsreich gelöst. Sehen Sie sich das mal genauer an - ob Sachgruppen als "Highlights" oder thematisch ("Antiquarische Forschungs- und Expeditionsberichte") herausgestellt werden, ob nach Preis ("teuerste" / "unter 50 Euro") differenziert wird oder ob ein Antiquariat vorgestellt werden soll - graphisch, farblich, in der Art anklickbarer Daumennagelbilder, aber auch in guter, korrekter Sprache: Das ist ein  G e n u ß !

Kleine Unkorrektheiten (etwa "antiquarische Bücher" als Sondergruppe herauszustellen - auf dieser Seite sind ja doch alle Bücher antiquarisch - und dann erst im Kleingedruckten zu sagen, man wolle unter dieser Spitzmarke "eine Auswahl an besonderen antiquarischen Büchern aus dem 19. Jahrhundert" bringen)  treten ganz zurück hinter die auffällig l e b e n d i g, anregend und sachverständig gewählten Formulierungen:

- "Wecken Sie Ihren Forschergeist und erleben Sie die Faszination des Unbekannten mit den Forschungs- und Expeditionsberichten großer Entdecker."
- "Lernen Sie jetzt mehr über Bekleidungskunst, Pelze und Kostümkunde und sehen Sie in Fotografien, Mustern und Illustrationen, was man einmal unter modischer Kleidung und Stil verstand."
- "Ob rare Auflagen bekannter Klassiker oder seltene Erstausgaben - diese antiquarischen Schmuckstücke sind besonders begehrt und von hohem Sammlerwert. "

Das ist endlich einmal gutes Deutsch, zumal im Vergleich zum unerträglichen Gestammel in den meisten anderen deutschen Bücherportalen.

In der Sache wird verdienstliche Pionierarbeit geleistet. Als alter Ebay-Kämpfer weiß ich um die (von vielen Kollegen belächelte) Liebe einfacherer Kunden zu "prächtigen Einbänden" 1850-1920. Hier wird das perfekt vorgestellt und der Besucher so animiert, daß er süchtig werden kann. D a s  sind  F o t o s! Man vergleiche die schäbig-depressiven Fotos auf der vorgestern kritisierten Antiquariat.de-Seite mit dieser Leistung!

Links die "Glanzlichter" lassen erkennen, daß hier überhaupt auch analytisch gedacht wird von den Portalmachern, es wird versucht, Trends anzustoßen.

Am Ende der Antiquariats-Portalseite lesen wir leider den ebeso dummen wie albernen Satz "Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde. - Jean Paul", den dieser sentimentale Wirrkopf wie so vieles andere einem seiner parfümierten Zettelkästen zuhanden seiner weiblichen Leserschaft entnommen hatte. (Kollege Plocher, bitte weghören).

Darunter aber finde ich aufatmend endlich einmal eine  b r a u c h b a r e  und doch übersichtliche Rubrizierung vieler jener technisch-administrativen Fragen, die ein Datenbanknutzer haben kann. So wollen wirs, so und nicht anders! (was nicht heißt, daß ich mich nicht schon auf den Händlerseiten von Abebooks gottsjämmerlich fluchend viertelstundenlang verirrt hatte, aber es geht hier ja um unsere Kunden).

Kleinere Ausrutscher, wie etwa im Kasten rechts unten wieder eine kuriose Vermischung von "Antiquarische Bücher" und "Sammlerstücke" sind gegenüber dieser Portal-Leistung bedeutungslos.

Man kennt mich als eingefuchsten Gegner der Amazon-Abebooks-ZVAB-Krake und wird vielleicht doch etwas hellhörig, wenn ich dieser kombinierten Portalseite / diesen zwei Seiten widerstrebend, aber ohne wenn und aber ein "sehr gut" geben muß - eine glatte "1".

Es hat keinen Sinn, daran herumzudeuteln - das ist absolute Spitzenleistung und tatsächlich nicht zu verbessern. Mir fällt auf Anhieb keine Verbesserung ein, im Gegenteil - ich sitze vergnügt und staunend vor dieser Leistung und möchte gar nicht weg vom abebooks-Portal.

2.
Um es sowohl Abebooks wie auch mir als stellvertretendem Kunden und Leser etwas schwer zu machen, geben wir ein "Baedeker" und "Rheinlande". Wie zu erwarten viele, hier nun 181 Suchergebnisse (blödsinnigerweise hier wie anderswo auch "Treffer" genannt).

Offenbar hat Abebooks Schwierigkeiten damit, wenn (w+h, bist Du schuld daran?) zuviele Daten, die eigentlich in die Buchbeschreibung gehören, in den Titel hineinrutschen und  unten in der "Buchbeschreibung" dann oft noch wiederholt werden. Das wirkt im ZVAB nicht so auffällig, weil Abebooks aber - an sich sehr löblich - die Titel unterstreicht, wird dann eine endlose Latte von Quisquilien mit unterstrichen, was den Lesefluß stört. Dafür kann aber Abebooks gar nichts - dies sind fehlerhaft hereinkommende Titelaufnahmen. Stimmts, Herr Wiesler?

Ansonsten ist der Brauch, den Halbfett-Blau gesetzten Haupttitel blau zu unterstreichen, d a n n  recht übersichtlich, wenn der Verfasser wie hier sofort darunter halbfett in Schwarz folgt, ohne Unterstreichung. Eine etwas gewöhnungsbedürftigte, dann aber durchaus annehmbare Methode.

Fürchterlich ärgert und stört die affige, peinliche, dem Antiquar gegenüber widerlich-brutale Methode der Sternchen-An- bzw. Abpreisung. Das ist  v i e l  zu prominent, es ist eine  O h r f e i g e  ins Gesicht jedes Kollegen, der da anbietet. Pfui Teufel! Die Vergabe von Qualitätssternchen mag ja hingehen, aber sie dann so herauszuheben - igitt.

Daß aus der Neubuchabteilung das "Anzahl 1" ins Antiquariat herübergenommen werden muß, (Biester:) "das ist nicht gut". Es stört, liest sich in der sturen Wiederholung leicht absurd. Dada...

Die Zwangs-Versammlung aller Bucheinzelheiten, mitsamt den mehr oder minder takt- und sinnvollen Kommentaren des Händlers zu seinem Buch und sonstigem Gelabere, unter der Überschrift "Buchbeschreibung" als Block, den man lesen  k a n n , aber nicht  m u ß, ist außerordentlich geschickt und wohltuend. Kompliment!

Ansonsten, jetzt muß ich mich wiederholen aus der Portalkritik, ist jede, aber auch wirklich jede Einzelheit graphisch und taktisch nicht nur sinnvoll, sondern ästhetisch  p e r f e k t  gelöst. Sehen Sie sich das an, besonders die kleingedruckten verlinkbaren Zusätze und die Gestaltung des Preisfelds rechts, die Linienführung - alles stimmt.

Welche Rolle spielen nun die kleinen Kritikpunkte in der Benotung der Titelfelder? Gehen wir den entgegengesetzten Weg und versuchen wir eine Auflistung des Positiven.

Der Lesefluß, das rasche Querlesen bei klaren Ruhepunkten für das Auge, das hier nie ermüdet, zusammen mit dem "aufgeräumten" Charakter der Seite, die perfekte Farbgebung, die wohltuende Typographie, die Verkleinerung des Nebensächlichen, das aber dann, wenn es gebraucht wird, dennoch sehr schnell gefunden werdfen kann - das alles liegt bei  a l l e n  anderen Datenbanken mehr oder minder im Argen.

Dies ist hier eine so große, herausragende Leistung, daß die beiden optischen und taktischen Fehler, Sternchen und Stückzahl, ganz bedeutungslos werden, zumal sich beides ja rasch ändern läßt, wenn man nur will.

Wir vergeben daher für die Titelaufnahmeseiten die Note "gut bis sehr gut", also "1-2".

3.
Machen wirs kurz - Portalseite(n) und Titelseiten ergeben zusammen die klare Note "1", denn die Halbnote im zweiten Teil der Bewertung wird nach altem Schulmännerbrauch in die Hauptnote "1" mit hochgezogen.

Ich wundere mich selber über das Ergebnis, und gerade dieses Erstaunen ist die beste Garantie, daß meine Bewertung spontan und sine ira et studio erfolgt. Wir haben hier mit sehr weitem Abstand die beste mir bekannte Bücher-Verkaufsdatenbank mit geradezu idealem, innovativem, klugem Portal und wundervoll leicht und elegant querzulesenden Titelaufnahmefeldern. Es ist eine  L u s t, hier zu stöbern, eine Freude, hier zu kaufen.

Gegenprobe:
Die Rückkehr von Abebooks zum gewohnten ZVAB ist in jeder Hinsicht ein S c h o c k. Waren wir bei Abebooks im Café Frey am Basler SBB, Petit Fours und Genfer Espresso mit Eiswasser, von hübscher Basler Saaltochter bedient, so sind wir mit dem ZVAB nun in den Bahnhofswartesaal von Cholm-Zwarcelec-Güterbahnhof Ost gekommen, mißmutige Bäuerin mit Zahnlücken bedient, es gibt lauwarmes Bier aus unsauberen Humpen.
Wie  b i l l i g  wirkt das ZVAB gegenüber diesem Abebooks!  P l u m p,  s c h ä b i g, ungeschickt, ungelenk, schlampig zusammengebaut, unästhetisch, bäurisch.

Wenn wir unser zukünftiges Schicksal als Internet-Antiquare nicht von den Schreibtischen in der Amazon-Chefetage abhängig machen wollen, dann wissen wir jetzt, welche schwere Aufgabe unser harrt. Wir sehen nun auch, daß und weshalb es nur noch  W o c h e n  dauern kann, bis dieses plumpe, täppisch-ordinäre ZVAB in Abebooks.de aufgehen wird. Das ist gar nicht anders denkbar, Herr Heinisch möge nicht böse sein.

Zwar graut mir vor Amazons Monopolstreben nach diesem Test noch mehr als je zuvor.

Aber ich ziehe den Hut vor den Taktikern und Technikern, den Ästheten und Strategen bei Abebooks. Das sind verdammt gute Leute.




Stuck: "Sterbende Amazone". Hony soit...