http://www.antiquariat.de/
Wir brauchen im Netz weitaus mehr Tests solcher Seiten, die sich an Kunden wenden, die von Kunden bedient werden sollen, die Kunden zu informieren beabsichtigen. Sind sie gut, dann will der Kunde das wissen, noch mehr aber liegt ihm daran, gewarnt zu werden, wo ihm durch Stümperei Zeit und Nerven gestohlen werden. Natürlich sind solche Tests subjektiv, aber wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt werden, dann sind sie nicht ohne Wert - für den Besucher und hoffentlich auch für die Webkünstler, die da am Werk waren.
Und nun zur Sache.
Die Portalseite ist unübersichtlich bis hin zu einer peinlichen Unordentlichkeit. Sie wirkt vor allem ä r m l i c h - ein sehr unerwünschter Grundeindruck für ein seriöses Verkaufsportal.
Ärmlich wirkt das Grau im linken Suchfeld. Grau kann sehr seriös wirken, der Unglückswurm hier hat es fertiggebracht, mit feinen Grauabstufungen exakt den Eindruck jenes schmuddelig-vergilbten Nachkriegspapiers zu erwecken, das uns bis zur Währungsreform genervt hatte. Ärmlich wirkt das Feld rechts mit den vielen kleinen Daumennagelbildern von Buchdeckeln - hier wurde die Größe zu schäbig gewählt, der Leser darf Einzelheiten gar nicht erkennen, muß immer erst anklicken. Dies ist die Typographie ukrainischer Schmuddelseiten vor 10 Jahren, als Traffic teuer war und man die nackten Busen sowieso anklicken wollte. Die Buchdeckel will man nicht anklicken.
Der Leser meiner Kritiken weiß, daß ich schreibmaschinenähnliche Schriften durchaus mag, gerade im Zeitalter vermeintlich perfekter Akzidenzschriften. Hier aber wurde eine ganz unglückliche Grundschrift ausgewählt, die zu breit läuft, ausgesprochen schwer lesbar ist bei - nur vermeintlicher - Einfachheit. Ich habe lang gesucht vorhin nach einem Druckwerk, das mich ähnlich aufgeregt hatte - und ich bin fündig geworden. Sollten Sie in der alten DDR gereist sein und wie ich Ihre Kursbücher aufbewahrt haben, dann sehen Sie sich die Einführungstexte an - genau diese schäbig- unglückliche DDR-Type wird hier verwendet!
Ich habe einige der Texte der Startseite in das anscheinend "ähnliche" Semi-Arial umgesetzt, das Google oft verwendet - sofort wurde alles auch im Querlesen erkennbar, das Auge schnurrte vor Vergnügen wie Kollegen Plochers Antiquariatskater, wenn er an Hempels Jean Paul knabbern darf. Kurzum - die Grundschrift ist für eine Portalseite "nicht gut".
Gehen wir ein wenig ins Detail. Ich darf Sie einladen, mich zu begleiten (bitte anschnallen).
"Suchen Sie beliebige Begriffe im gesamten Angebotstext" - Was soll hier "Angebotstext" bedeuten? Kannitverstan, euer Ehren. Warum überdies "beliebige" - das begreift der Schüler Mulzer auch nicht.
"Verfeinern Sie die Suche durch genauere Angaben" - Wir sind nicht im Düsseldorfer Edelbratpfännchen. Man kann schon so sagen, aber freistehend allein wie hier liest es sich kurios.
Die herunterklappbare Karte "Sortierung" ist sehr geschickt gedacht, da aber das unglück- und unbegreifliche Nullwort der "Relevanz" voreingestellt ist, versteht der Nutzer nichts und hält sich von der "Relevanz" fern, ohne die klugen Möglichkeiten, die sich darunter verbergen, zu entdecken.
"Suche starten" ist zu wenig hervorgehoben. Bei "Eingaben löschen" wird nicht klar, ob es sich auf das nebenstehende oder auf alle Textfelder bezieht.
"und andere Artikel aus dem Umfeld des Antiquariats." - - als da wären Katzenfutterdosen, Hitlerbilder, alte Socken, Katzenfutterdosen - himmelkrutzitürken, wie konnte diese erzblöde Formulierung seit der letzten Datenbankkritik unverändert stehenbleiben? Seid Ihr taub und blind? Was glaubt Ihr (und weiß der Kunde), was sich alles "im Umfeld des Antiquariats" befindet...
"Seit dem 17.12.2010 gibt es auf der Seite "Antiquariatskataloge" viele Hinweise und Links". Schön, schön. Aber wenn wir nun Juni 2011 haben, dann ist ein Termin, der ein halbes Jahr zurückliegt, nicht unbedingt der Datierung wert. Klingt kurios.
"Antiquariatskataloge bei der GIAQ" Aha, b e i ...." - Was soll man sich da vorstellen? Kollege Thursch akkreditiert b e i ...
"Marelibri - Zehn Buchplattformen unter einem Dach". - Erstens kapiert k e i n e r, was Ihr damit sagen wollt. Zweitens sind tückische Webseiten, die ohne Markierung den Anklickenden ungewarnt auf weitere Seiten zwingen, etwas Hassenswertes. Pfui!
"Online Hilfe. Das umfangreiche Hilfesystem von antiquariat.de" - Das umfangreiche Hilfesystem ist von sprachlichen Hilfsschülern ohne klare Begriffe und so umständlich verfaßt, daß ich jedes nähere Eingehen darauf ablehne. Wer, bitte, w e r hat das verfaßt, und w e r hat das gegengelesen? Diese Herren möchte ich kennenlernen...
"Bücherwissen" - ist irgendwie lieb gemeint, strotzt aber bei näherem Hinsehen von Unklarheiten. Euer Fraktur-Beispiel ist einer englischen, affigen, seltsam verkünstelten, arroganten und ganz u n t y p i s c h e n Schrift entnommen. 98 % der deutschen Frakturen sehen ganz anders aus. Leutz, bitte, bei so sensiblen Themen, die mitentscheiden über die Zukunft unseres Gewerbes, dürft Ihr nicht so kapitale Böcke schießen! Wechselt das gegen zwei gebräuchliche deutsche Buchdruckfrakturen aus.
Ähnlich blödsinnig ist euer Sütterlin-Beispiel. Mit dieser Vorlage, einer ganz mißglückten "Reform-Normschrift" kurz vor dem Debakel des Verbots dieser Schrift durch unseren verblödeten Führer, kann der Leser einer gewöhnlichen Sütterlin-Schrift fast nichts anfangen. Ihr habt doch die alten Fibeln am Lager - dann guckt halt mal da rein.
Überhaupt schaut man bei Euch besser nicht näher hin. "...Oktav...Häufigstes Maß, meist nicht extra ausgewiesen" - Darf ich mal fragen, auf welchem Mist das gewachsen ist?
Schnell zurück zur Startseite. Muß es sein, auch den alten Katalog von 2010 einige Felder unter dem von 2011 anzubieten? Handelt Ihr mit Altpapier auch bei den Katalogen des Hauses?
Der Text, in dem die "Ehrenantiquarin" (Gedanke und Ausführung sind eh oberpeinlich) vorgestellt wird, strotzt von Sinn- und Grammatikfehlern und ist eine S c h a n d e für ein Bücherportal.
"Verändern Sie die Darstellung der Bilder am rechten Rand." - Wo, wie, was, wann? Die spinnen, die Römer...
Klickt man die beiden Laufbänder unter dem Kopf an, bekommt man mitunter auch Kryptisches zu lesen.
"Suche nach Sachgebieten ... Geben Sie hier den Wortbeginn eines Sachgebiets ein... Sachgebiet - beginnt mit: " - Den W o r t b e g i n n ? hallo? Hoppla?
"Sie können in der Themensuche nach mehreren Begriffen suchen, die alle zutreffen müssen" - Zutreffen? Es trifft zu, daß man das anders formulieren sollte.
"Sollten Sie Fragen zu einzelnen Suchfeldern haben, klicken Sie bitte auf den grauen Hilfeknopf." - Das klingt nur komisch, ist aber eine sehr vernünftige, kluge Sache, denn hier endlich wird klar und wahr geredet. Kollegen, Ihr könnt, wenn Ihr wollt. Nur wollt Ihr so selten...
Brechen wir hier ab und gehen wir, wie immer mit dem blödesten Buch, das ich kenne, in medias res: "Rosenberg Mythos" (welcher bei ihm sogar "Mythus" heißt, aber die meisten Antiquare schreiben trotzdem und richtig Mythos, was sie ehrt).
Zunächst kommt bei mir fett- und großgedruckt der geheimnisvolle Text auf sonst leerer Seite: "Servlet listenServlet with /seite1.jsp".
Nun ja. Sitzt ein kleines Männlein in der Datenbank, welches gemerkt hat, daß ich ihm übel will und mit böser Absicht komme?
Ich wechsle aus meinem Firefox zu Chrome, mit den gleichen Sicherheitseinstellungen - siehe da, jetzt gehts (aus Firefox gehts immer noch nicht). Euer Ehren, ich bin bekannt für meine ziemlich ausgefuchsten Einstellungsmethoden, an mir kanns nicht liegen. Prüft es mal nach, bei Euch stimmt da was nicht. Mit Firefox kommen die intellektuellen Kunden zuhauf, da darf es nicht haken. - Zurück zu Chrome.
Die rote Pünktchenunterstreichung der Suchworte ist immer noch scheußlich, wie eh und je. Im Kopf der Seite verschenkt Ihr viel wertvollen Freiraum.
Erster Eindruck:
Positiv, s e h r positiv: Die Seite wirkt klar und aufgeräumt, hell und übersichtlich. Kompliment!
Das Kleingedruckte hätte ich gern wesentlich größer, es ist Augenpulver. Die Zeilenbreite ist für die Haupttitelaufnahme gerade noch erträglich, für die Kleinschrift darunter aber viel, viel, v i e l zu lang. Das ist nicht gut. - Alle anderen Einträge, auch die Unterbringung von AGB, Widerruf und Frage, die Lösung der Versandangaben usw. sind gut gelöst. - Unter "Info" dürfen die Kollegen leider auch endlosen und peinlichen Müll verbreiten, von Kreditkartenschmus bis zu Ferienzeiten usw., das würde ich rigoros unterbinden, denn es stört den Lesefluß sehr.
Der zweite Eindruck ist leider wesentlich enttäuschender:
Beim längeren Lesen wirken sich die Grundfehler
- zu breiter Satzspiegel,
- zu kleine Schrift für den zweiten Teil der Titelaufnahmen, mehr noch aber jetzt der
- zu große Zeilenabstand
verheerend aus. Die Seite wirkt zwar immer noch klar, würde aber erst nach gründlicher Ausbügelung der erwähnten Fehler wirklich gut sein.
Mein Gesamturteil über die Startseite: In jeder Hinsicht, formal wie Inhaltlich, unbefriedigend, ä r m l i c h, l i n k i s c h - alles, nur kein würdiges Antiquariatsportal: 4 - 5
Das Urteil über die Titelaufnahmeseiten ist zwiespältig, denn wir sehen einerseits klare und vernünftige Auffassungen über das Gesamtbild und die Rubriken (Note 1-2). Andrerseits aber wirken sich viel zu lange Zeilen und zu kleine Sekundärtypen verheerend aus auf den Lesefluß, auch muß der "Info"-Müll entsorgt werden (Note 4). Daraus bilden wir eine Zwischennote für die Buchtitelseiten von 2-3.
Die Gesamtnote für "antiquariat.de" wird noch durch zwei Faktoren leicht abgewertet. Erstens ist dieser Datenbanktitel juristisch fragwürdig. Der erste Mitbewerber im Markt, der gegen die Verwendung dieses Titels durch Eure Datenbank klagt, wird Recht bekommen, und das ist bekanntlich eine Katastrophe für das Image. - Zweitens sind die Erklärungsseiten zu dürftig, da solltet ihr euch ruhig mal die (von mir sonst nicht immer geschätzen) Seiten des amerikanischen Verbands ansehen. Antiquariat erklären - ja, aber wenn, dann muß das dem Niveau unserer Kunden angepaßt sein.
Portal und Titelseiten schätze ich gleich wichtig ein. Früher würde ich auf die Titelaufnahmeseiten mehr Gewicht gelegt haben, aber heute ist der Eindruck der Portalseite ebenso bedeutsam. Gibt, leicht abgewertet, die Gesamtnote 3-4.
Fazit: Eure P o r t a l seite gehört mit Maus, Roß und Wagen in die Spree gekippt. Da gibts nichts zu verschlimmbessern, da muß neu aufgebaut werden. Dagegen könnte man die T i t e l aufnahmeseiten durch Umbau retten.
Seltsam - die schnell dahinskizzierten Titelaufnahmeseiten des w+h-Datenbänkleins waren auf Anhieb im Test weitaus besser als eure. Habt Ihr in Berlin die Entwicklung verschlafen? A u f w a c h e n!
Verlorene Illusionen
Dies ist ein Meinungsbeitrag. Er beruht auf einer Webseitenkritik, die streckenweise subjektiv ist - und subjektiv sein muß - und nicht mit der Feststellung von Tatsachen verwechselt werden sollte
Es tut immer weh, wenn man sich von liebgewonnenen Vorstellungen verabschieden muß. Gerade bei Sorgenkindern, an die wir oft gedacht haben, schwankend zwischen Zwangsvorstellung, Alptraum und Hoffnung, fällt das nicht leicht.
Am einfachsten geht es noch plötzlich und schockartig. Schnelle Abschiede sind oft besser als langsames, zögerndes Sichabwenden.
Gestern Abend fand ein Abschied dieser Art statt - ich gebe die Idee einer Genossenschaft, verwirklicht durch deutschen Antiquare, endgültig auf. Nie wieder möchte ich darüber nachdenken oder gar davon schreiben.
Mein Schock bestand in jener Webseitenkritik, der ich das Portal "Antiquariat.de" gestern Nacht unterzogen hatte. Bücherdatenbank und Verkaufsportal sind, wie Sie wissen, Schöpfung und Lieblingskind der Genossenschaft der Antiquare, die in einem Anfall von Irresein auf den grauenhaften Namen GIAQ getauft worden ist. Die Genossenschaft hatte ich vor etlichen Jahren gleichzeitig mit "Tomfolio" in den USA für den deutschen Markt erstmals konzipiert.
Nachdem der ursprüngliche Plan, das ZVAB zu kaufen, der Genossenschaft nicht gelungen war, konzentrierte sie sich auf den Betrieb einer eigenen Bücherdatenbank. Es gab dort einige gute, wenn auch nicht immer optimal umgesetzte Ideen, so die Einstellmöglichkeit mehrerer Fotos, die Vernetzung in einem an sich recht gescheiten Ladenmodell, die Überwachung gewisser Qualitätsrichtlinien.
Aus Gründen, die mir lange schleierhaft geblieben sind, kam die Datenbank nie über 8-10 % Marktanteil, heute dürfte er noch niedriger liegen. Damit ist "Antiquariat.de" als Gegenpart zur Amazon-Abebooks-ZVAB-Krake, die den deutschen Altbuchmarkt mit knapp 90 % dominiert, wenig geeignet.
Ich hatte - das war meine Illusion bis gestern Nacht - angenommen, dies sei der Marktlage geschuldet und eigentlich würden wir mit "Antiquariat.de" eine C h a n c e haben, um damit dem Amazon-Quasimonopol im Antiquariats-Netzverkauf Paroli zu bieten. Nun aber weiß ich: "Antiquariat.de" ist, zumindest in meinen Augen und nach meinem Test, keine wirklich gute Datenbank, sie quält und enttäuscht den Benutzer, schlimmer: Sie wirkt in Graphik und Text, immer nach meiner Einschätzung, d ü m m l i c h und bemüht - n a i v.
Beides ist für unsere besondere Kundschaft im Antiquariat schlimmer, als es selbst gravierende Fehler anderer, etwa technischer Art wären. Eine Datenbank der Antiquare darf alles sein, nur nicht p e i n l i c h und l a n g w e i l i g.
Beides ist "Antiquariat.de". Mehr noch, ich habe vorhin meine alten Testberichte recherchiert und mußte zu meiner Enttäuschung feststellen, daß buchstäblich alle Fehler, die ich dort schon vor zwei Jahren beanstandet hatte, unverändert stehen geblieben sind.
Das heißt nichts anderes, als daß in der Pflege dieses Portals massive Schlamperei herrscht.
Machen wirs kurz: "Antiquariat.de" müssen wir in Zukunft für alle Planungen vergessen. Dieses Portal ist nicht "zufällig" marginalisiert, sondern es v e r d i e n t seine unbedeutende Randposition.
Ganz offenbar hat die Genossenschaft als Aufsicht hier völlig versagt. Über den gedruckten Katalog der Genossenschaft kann man, ich bekenne es, geteilter Meinung sein. Aber wichtiger war und ist für die GIAQ die Datenbank/ das Verkaufsportal. Hier scheint sie uns derart jämmerlich versagt zu haben, daß es - auch aus anderen Gründen, über die ich hier nicht sprechen will - an der Zeit ist, klar zu bekennen:
Das Kind "Genossenschaft im deutschen Antiquariat" ist endgültig tot, mausetot. So etwas ist mit deutschen Antiquaren nicht zu machen. Ende der Illusionen.
Praktisch denken
In meiner Schul-Biographie habe ich zweimal Schiffbruch erlitten und jedesmal gerade dadurch Wesentliches gelernt. Weil ich nicht Vokabeln lernen wollte, schaffte ich die Probezeit im Gymnasium nicht und mußte zurück auf die Volksschule. Ein Jahr lang kam ich so in die 5. Klasse der Volksschule alten Stils, die damals eine strenge, straffe Lernschule mit nicht geringen Anforderungen und irrsinnigem Drill war. Dort habe ich a r b e i t e n gelernt. Während der Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums, in der ich, wen wunderts, der Schule verwiesen wurde, bereitete ich mich zwei Jahre lang auf den Wiedereintritt in die Prima vor, tagsüber als Lagerarbeiter, abends und nachts in die Abitur-Fernkurse vertieft, die damals noch 13 Fächer umfaßten. Täglich 16 Stunden zuerst Hand-, dann Kopfarbeit, 2 Jahre lang. Das übt.
Noch heute, wenn es um Nüchternheit, um Arbeitstechnik und Fleiß geht, versetze ich mich in diese Jahre zurück. Das ist jene praktische Komponente, mit der ich unsere hochgeistigen, musischen und anderweitig in der Kultur umhertrabenden Antiquare und Redakteure zu schockieren pflege. Ob es um mein "Haus der alten Bücher" geht (das jetzt abgewandelt Momox verwirklicht), um meinen "Bücher-Michel" (den das ZVAB gerade ruiniert) oder um meine ewige Bemühung, uns die Fron der täglichen Titelaufnahme zu erleichtern - solche Gedanken sind meine praktische Seite und ich fühle mich gerade dabei pudelwohl.
Nach dieser langen Vorrede kommen wir zum Thema:
1. Als Gegengewicht zur Amazon-Abebooks-ZVAB-Monopolkrake muß eine ganz n e u e Verkaufsdatenbank mit Verkaufsportal eingerichtet und betrieben werden.
2. Träger dieser Datenbank soll ein lockerer V e r e i n sein. Vereinsmitglieder können, wenn sie mögen, Anteile erwerben. Der Genossenschaftsgedanke wird beerdigt, aus mancherlei Gründen.
3. Eine Gruppe von Antiquaren soll von Anfang an die Konzeption der Datenbank / des Verkaufsportals begleiten. Auch ich bin bereit, dafür täglich 2-3 Stunden Arbeitszeit aufzubringen.
4. Ein Informatiker, der sich noch nicht von Amazon-Abebooks-ZVAB hat kaufen lassen, sollte den technischen Betrieb übernehmen und am Gewinn beteiligt sein. Die Antiquare sind für Taktik, Image und Werbung zuständig.
5. Es gilt, sofort anzufangen. Wir wissen nicht, wieviel Zeit uns die Krake noch läßt.
Unser Dank für die Scan-Ausleihe geht an Jugendbuchshop.de. Bildrechte beim Verlag.
Absatzförderung und Arbeitstechnik im Altbuchhandel, einer werten Kollegenschaft auseinandergesetzt von Peter Mulzer
Freitag, 5. August 2011
Freitag, 26. März 2010
Zur Situation im Antiquariat

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In diesem Blog, dessen letzten Beitrag Sie heute lesen, haben wir manchen Kampf ausgefochten. Im Rückblick bin ich über Form und Inhalt nicht sehr glücklich.
Manche Aktionen waren nützlich, hatten auch Spaß gemacht, etwa wenn es über das unsägliche Geschmiere und die gesammelten Ungeschicklichkeiten mancher Bücherdatenbanken ging oder wenn ich zu klagen hatte über nach meiner Einschätzung ebenso eingebildete wie uninspirierte Akteure ("ich mach was mit Büchern"), über sträflich verpaßte Chancen, etwa das flott aus der Taufe gehobene, aber inzwischen nahezu verhungerte Kindlein des RFMeyerschen "Angebots-Bündnisses", über das seit Jahren, wiederum nach meiner Einschätzung, unter einem fast schon magisch anmutenden Unstern stehende Prolibri-Datenbankprojekt, über krasse Unmöglichkeiten in der Branche wie etwa das Verhehlen und Verhökern der Auktionsergebnisse mit dem Segen eines hier nicht zu nennenden Berufsverbandes.
Es gab auch Grenzfälle zuhauf, wo es mir besser angestanden hätte, kürzer zu treten. Dies gilt besonders für jenen seltsamen uralten Judaica-Beitrag Björn Biesters, den dieser selbst ausgegraben hatte und den beide Teile vernünftigerweise hätten mit Schweigen übergangen haben sollen. Andere Themen sind nach wie vor aktuell und ticken als brandgefährliche Zeitbomben unter den Trümmern, das gilt etwa für das Amazon-Abebooks-Zukunftsszenario, auf Deutschland bezogen; auch für Spezialthemen wie die Gesetzgebung zur Jugendpornographie, mit deren konsequenter Anwendung immer noch jedes zweite Antiquariat zur tagelangen Durchsuchung offenstände, oder, man verzeihe mir die Schlichtheit der Überlegung, für die mit Sicherheit kommende Abschaffung des Büchersendungsportos.
Bevor ich die in der Überschrift versprochene Geburtsanzeige einreiche, nutze ich die Gelegenheit zu einer Übersicht über die aktuelle Lage des Antiquariats aus meiner Sicht.
Ich glaube es war Kollege Hohmann in Stuttgart, übrigens ein grundgescheiter Antiquar, welcher seine Texte nur leider eher verbirgt als veröffentlicht, der anschaulich von Antiquaren berichtet, die ihre Krankenversicherung nicht mehr bezahlen können. Wir haben in allen Foren Kollegin Rathjen vom Dienst, die jedem, der lesen kann, schonungslose Einblicke in eine Sonderwelt des Antiquariats vermittelt. Es gibt Vertreter unseres Gewerbes, die mit Rezepten aus der Mottenkiste der Betriebswirtschaft anrücken, siehe den Kollegen Weinbrenner, um den es recht still geworden ist. Betriebswirtschaftliche Überlegungen sind sinnvoll im Bereich des "Gebrauchtbuchs", das meist neueren und neuesten Datums ist und das ähnlich wie Damenstrümpfe oder Medikamente beschrieben und ausgeliefert werdenkann. Sie haben sich ansonsten im Antiquariat nicht bewährt.
Noch mehr enttäuschen uns die Theoretiker, aus deren Reihen sich unlängst Kollege Helmer Pardun geäußert hat, er kommt wie ich aus der Hauptfach-Soziologie und so kann ich einigermaßen sachkundig nur mit dem Kopf schütteln und ihn bitten, das Theoretisieren im Stil seines "Partizipativen Antiquariats" lieber zu unterlassen. Das sind Holzwege, nicht nur weil keiner, der nicht Soziologe ist, ihn überhaupt verstehen kann.
Das wirkliche Hindernis für einen Fortschritt im Bereich unseres Gewerbes liegt heute offener zutage als noch vor einigen Jahren: "Les extrèmes se touchent" , die inneren Gegensätze sind dramatisch groß.
Dem kleinen Kistenschieber, der rührend bemühten Hausfrau (nicht nur) aus dem wilden Osten unserer Republik, leicht zu ermitteln im ZVAB anhand der unsäglichen Stichworte "Hardcover, berieben, Autorenkollektiv", steht der saturierte, wohlgeordnete, arrondierte Kollege des oberen Mittelfelds gegenüber. In aller Regel gescheite, sachkundige Leute mit ordentlicher Steuererklärung, mit Frau und Kind und mehreren Verbandsmitgliedschaften, gut gefülltem Lager und hart erarbeiteter Kundenkartei. Darüber dann der Olymp jener 40-50 Spitzenantiquare, die unter sich bleiben und mit dem Volk der gewöhnlichen Antiquare nur nach Bedarf Kontakte unterhalten.
Was ich hier anekdotisch aufzähle, hat in Wahrheit katastrophale Folgen für die Gesamtsituation des Antiquariats - heute mehr denn je zuvor.
Fast alle Berufs- und Zukunftsfragen stellen sich für die drei Schichten im Antiquariat unterschiedlich dar:
- Kistenschieber, Gebrauchtbuchlieferanten, überwiegend zur Versorgung solcher Kunden, die das Buch vom Sachthema her oder als Ersatz für (zu) teure Neutitel kaufen,
- Rundum-Antiquare, ob mit Laden und/oder Versand, die das ganze Spektrum bearbeiten, thematisch, vom Buchwert her, was die Vertriebswege betrifft, die Kunden vom Edelsammler bis zum Billigbuchstudenten beliefern,
- Spitzenantiquare, die ganz überwiegend gehobene Fachgebiets- und Allgemeinsammler als Kunden haben.
Das ist offenkundig, jeder kann sich Beispiele ausdenken, und natürlich gibt es viele Zwischenformen und Kombinationen. Was aber doch zu beobachten bleibt, ist die erstaunliche Verschiedenheit der Interessen, wenn es um wichtige Diskussionen geht.
Wie wollen wir derart unterschiedlich interessierte Leute denn zusammenbringen zu gemeinsamem Handeln für "ihre Interessen", wenn die einen Messefragen in Dubai oder Zürich diskutieren, die anderen den Absatz von guterhaltenen Werken der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft über Amazon oder Booklooker, zu 5 Euro oder doch lieber zu 4,99 Euro?
Locker vom Hocker herab formuliert - die Redensart geht vom alten Bibliothekaren-Steh-Stühlchen aus und paßt hier - läßt sich sagen:
- die Spitzenantiquare können ihre exquisite Fach- und Allgemeinsammlerkundschaft nur sehr begrenzt erweitern. Für sie spielen Konjunkturfragen eine Rolle: Was ist gerade in Mode, wieviel freies Geld hat die Kundschaft, nimmt sie Wertanlagen vor, kommen Bibliotheken und Archive wieder zu Ankaufsetats für teure Titel, wie steht der Dollarkurs, und dergleichen Fragen mehr, die im unteren Feld gar nicht, im Mittelbereich eher wenig interessieren.
- das untere Antiquariat belegt mit seinen Sorgen ein uns klassischen Antiquaren sehr ungewohntes Feld, das des reinen Versandhandels. Lagerhaltung, Ankauf, Verkaufs- und Gewinnmargen müssen dort sehr nüchtern, sehr hart diskutiert werden.
- das mittlere Antiquariat, man ist versucht zu sagen, das "normale" Antiquariat, hat eine seltsame Spagatstellung inne. Es muß sich sowohl um den Sachbereich der Spitzenantiquare kümmern als auch die Niederungen des unteren Versandgeschäfts mit bearbeiten.
Wer immer bisher versucht hat, eine Aktion für "die Antiquare" auf die Beine zu stellen, ist mehr oder minder jämmerlich gescheitert. Das gilt bei näherem Hinsehen auch für die - an sich so löblichen - Schulungsversuche des Börsenvereins, von den lächerlichen "Kammerprüfungen" unseres Gewerbes ganz zu schweigen. Auch meine etwas schief geratene Kritik am neuen Konzept des Börsenblatts hatte als Hintergrund die Vorstellung, es müsse aus Frankfurt ein Diskussions-, Nachrichten- und Bildungsforum geben für "die Antiquare".
Ich sehe auch bei dem nun allerdings wirklich ärgerlichen und peinlichen Schicksal des RFMeyerschen "Webseitenverbunds" als Ursache die Eingrenzung auf viel zu eng gefaßte Typen bestimmter Versandantiquariate. Daß die Genossenschaft auf keinen grünen Zweig kam, liegt ähnlich begründet - die Eintrittshürde war viel zu hoch gelegt worden, nicht nur finanziell. Und in der Abschottung des Verbands gegenüber den kleinen und mittleren Kollegen liegt ein gutes Maß, wie ich glaube, gewollter Geheimniskrämerei und Distanzierung. Anders ist etwa der ILAB-Skandal nicht erklärbar.
An dieser Stelle der Überlegungen darf ich nun zur versprochenen Geburtsanzeige kommen.
Formal betrachtet ist es notwendig, einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden, der für alle Schichten unseres Gewerbes sinnvoll, wichtig und nützlich sein kann.
Wir wissen, daß im unteren und mittleren Feld eine dramatische Absatzschwäche seit einer Reihe von Jahren zu beklagen ist. Wir sitzen auf Millionen von Titeln, die anscheinend dauernd unverkäuflich sind. Ich spreche nicht von "Boehn, der Tanz" oder "Ludwig, Goethe" und anderen Schrecknissen, sondern von einem nach Millionen zählenden Berg an sich ordentlicher, nicht allzu häufiger, im mittleren Rahmen ausgepreister und halbwegs vernünftig beschriebener Bücher.
Heute können wir davon ausgehen, daß der Standardverdacht aller Antiquare, die unzulängliche Gestaltung und Verbreitung der Bücher-Verkaufsdatenbanken sei Schuld an unseren nicht abgetragenen Bücherbergen, keine große Rolle mehr spielt. Der Kunde, der übers Netz einen Titel finden will, hat sehr einfache und schnell zugängliche Informations- und Kaufmittel. Dies und das wäre nachzubessern, aber zentral ist die Datenbankfrage nicht mehr. Vor drei, vier Jahren sah das noch anders aus.
Wir brauchen auch nicht unbedingt bessere Titelaufnahmen, auch Fotos/ Scans sind vom Zeitaufwand her kaum kalkulierbar und für Durchschnittsware nur von begrenzter Nützlichkeit. Alles das sind hübsche Sächelchen zur Beruhigung und Beschäftigung der Antiquare - - aber keine Lösungen.
Kernthese:
Wir müssen das Sammeln alter Bücher generell, auf breiter Ebene, mit großem Propagandaaufwand wieder populär machen, besonders auch bei jüngeren Leuten. Altbuchsammeln muß einerseits als Modebewegung "in" werden, zum anderen aber brauchen wir eine gründlicher und tiefer angelegte Motivierung der Leute zur Erweckung einer "Liebe" zum alten Buch.
Beides möchte ich nicht voneinander trennen wollen. Wir dürfen uns, um das oben gesagte zu wiederholen, nicht zu schade sein, auch "Trends" zu einem m o d i s c h e n Sammeln alter Bücher anzuregen, zugleich aber haben wir sehr ernsthafte Gründe und Motive zur L i e b e zum alten Buch zu erwecken.
Dabei können wir (fast) keine Anleihen machen bei der allgemeinen Betriebswirtschaft. Auch helfen uns soziologische Regelwerke nicht weiter, schon gar nicht führt uns die in Zeiten der Ratlosigkeit immer so gern bemühte Tante "Statistik" da auf den rechten Weg. Wir brauchen eine I m a g e w e r b u n g, die die positiven, wünschbaren Aspekte des Altbuch-Sammelns hervorhebt. Das werden in der Regel alte, ja sogar uralte Motive sein, die wir ins Moderne, in die Gegenwart übertragen müssen:
W a s bitte genießt denn der Sammler, der abends ans Regal geht und seine Reihe alter Bücher mustert? Das, mit Verlaub, Gesäusel mancher Blogger in dieser Hinsicht läßt sich hier für einmal gut verwerten - "erschauert" der Sammler wirklich bei bestimmten Titeln, wenn er die Inkunabel in der Hand hält, wenn sich das Inselbändchen, das langgesuchte, findet? Wir werden Anregungen vom Briefmarkensammeln her aufgreifen und etwa im "Namen der Rose" Ideen für modernste Altbuchliebe entdecken.
Es handelt sich also darum, das Altbuchsammeln
*in allen seinen Wert- und Sachgruppen, bezogen auf
*alle Bildungs-, Berufsgruppen,
zu erfassen und in Verbindung zu bringen etwa zur
*Wohnkultur, zur
*Sammelleidenschaft, zur
*Freizeitgestaltung.
Dieses B ü n d e l neuer Altbuch-Sammel-Images sollten wir nun gemeinsam entwerfen und diskutieren.
Soweit die Geburtsanzeige - der Absatz im Antiquariat soll angekurbelt werden durch ein neues I m a g e des Altbuchsammelns. Das kann auch ein Image-Bündel sein, muß aber immer (auch) eine bestimmte Botschaft transportieren.
Für das Bild danken wir wieder einmal der VS Krems-Lerchenberg, der die Urheberrechte gehören
Donnerstag, 18. März 2010
Das neue börsenblatt.net - enttäuschend (Teil 2)
A.
Es sei mir gestattet, zur Verdeutlichung meiner zunächst ja formalen Kritik an börsenblatt.net (siehe den vorhergehenden Beitrag) hier noch zwei Webseiten vorzustellen, die - jede auf ihre unterschiedliche Art - ähnliche Aufgaben zu erfüllen haben wie börsenblatt.net. Von der Organisation her stellen sie weit auseinanderliegende Außenposten dar, einmal die moderne, tagesaktuelle New York Times, zum anderen die aktuelle Homepage des FBI.
Beide halte ich, jede auf ihre Weise, für nahezu perfekt. Dies gilt für alle Aspekte, von Farben, Schrift, Graphik bis hin zur Taktik und Technik des Aufrufens der Berichte.
Besonders wertvoll erscheint mir die NYT bezüglich ihrer geschickten, für den Leser erträglichen Nutzung als Werbeträger.
Ich habe die Abbildungen jeweils in
drei Stufen angeordnet - zunächst die Leit- oder Hauptseite, dann untergeordnete Leitseiten und schließlich das Bild des Einzelberichts.
Dazu sage ich nun weiter nichts - ich lade Sie ein, sich die beiden zunächst so unterschiedlichen Seiten in Ruhe anzusehen und sich dann näher einzulassen auf Farbe, Graphik usw.
B.
Daß es zu einer solch vernichtenden
Gesamtnote kam, mag zunächst verblüffen. Ich habe angedeutet, es seien vor allem inhaltliche, nicht etwa (nur) formale Mängel, die das neue börsenblatt.net abwerten.
Was für Aufgaben hat der Netzdienst des Börsenblatts wahrzunehmen?
Zunächst, man darf das nicht vergessen, ist er das Aushängeschild und Sprachrohr einer ehrwürdigen Institution, hinter der nicht nur - im Verlegersektor besonders deutlich - enorme Umsätze stehen, sondern in der auch ein hoher kultureller Anspruch vertreten wird. Die Form muß dieser Repräsentationspflicht Rechnung tragen, auch wenn es hier natürlich nicht um die eigentliche Homepage des Börsenvereins geht.
Diese Aufgabe wird vom neuen börsenblatt.net überhaupt und ganz und gar nicht eingelöst, die neue Seite wirkt "billig" und beliebig.
Dann hat der Börsenblatt-Netzdienst Aktuelles zu vermelden und darüber zu informieren. Die Meldepflicht wird eingelöst (auch wenn von der Sache her wirklich Aktuelles in einem tieferen Sinn eher selten auftritt) - mit der Einschränkung, daß die fehlende Übersichtlichkeit, die verwirrende und für den Nutzer mühselige Durchsicht des Materials nervt und behindert.
Ganz und gar nicht eingelöst wird aber die wichtigste Verpflichtung,
für die gesamte Branche ein wertvolles Referenz-, Nachschlage-, Denk- und Rezepthandbuch zu sein.
Vor allem fehlt die Einbindung eines lebendigen, moderierten Dialogs, in erster Linie über Fachfragen. Dieser Dialog muß technisch in engster Verbindung zu den aktuellen Berichten und zu den archivalisch-lexikalischen Fachinformationsmitteln stehen, die börsenblatt.net anbieten sollte - eigentlich...
Es ist auch nicht für 5 Pfennige der Versuch gemacht worden, über die geschmäcklerisch-äußerliche "Modernisierung" des Webauftritts hinaus eine inhaltliche Reorganisation zu unternehmen.
Die gesamte neuzeitliche, berufsbezogene Informations- und Dokumentationspraxis ist verschlafen worden. Es wurde im Vorfeld nicht analysiert, nicht richtig gedacht, - noch immer ist ein geschickt vernetztes Informations-, Melde-, Diskussions- und Nachschlagemedium nicht in Sicht.
Das ist enttäuschend. Deshalb die Abwertung.


Es sei mir gestattet, zur Verdeutlichung meiner zunächst ja formalen Kritik an börsenblatt.net (siehe den vorhergehenden Beitrag) hier noch zwei Webseiten vorzustellen, die - jede auf ihre unterschiedliche Art - ähnliche Aufgaben zu erfüllen haben wie börsenblatt.net. Von der Organisation her stellen sie weit auseinanderliegende Außenposten dar, einmal die moderne, tagesaktuelle New York Times, zum anderen die aktuelle Homepage des FBI.
Beide halte ich, jede auf ihre Weise, für nahezu perfekt. Dies gilt für alle Aspekte, von Farben, Schrift, Graphik bis hin zur Taktik und Technik des Aufrufens der Berichte.
Besonders wertvoll erscheint mir die NYT bezüglich ihrer geschickten, für den Leser erträglichen Nutzung als Werbeträger.
Ich habe die Abbildungen jeweils in
Dazu sage ich nun weiter nichts - ich lade Sie ein, sich die beiden zunächst so unterschiedlichen Seiten in Ruhe anzusehen und sich dann näher einzulassen auf Farbe, Graphik usw.
B.
Daß es zu einer solch vernichtenden
Was für Aufgaben hat der Netzdienst des Börsenblatts wahrzunehmen?
Zunächst, man darf das nicht vergessen, ist er das Aushängeschild und Sprachrohr einer ehrwürdigen Institution, hinter der nicht nur - im Verlegersektor besonders deutlich - enorme Umsätze stehen, sondern in der auch ein hoher kultureller Anspruch vertreten wird. Die Form muß dieser Repräsentationspflicht Rechnung tragen, auch wenn es hier natürlich nicht um die eigentliche Homepage des Börsenvereins geht.
Diese Aufgabe wird vom neuen börsenblatt.net überhaupt und ganz und gar nicht eingelöst, die neue Seite wirkt "billig" und beliebig.
Dann hat der Börsenblatt-Netzdienst Aktuelles zu vermelden und darüber zu informieren. Die Meldepflicht wird eingelöst (auch wenn von der Sache her wirklich Aktuelles in einem tieferen Sinn eher selten auftritt) - mit der Einschränkung, daß die fehlende Übersichtlichkeit, die verwirrende und für den Nutzer mühselige Durchsicht des Materials nervt und behindert.
Ganz und gar nicht eingelöst wird aber die wichtigste Verpflichtung,
für die gesamte Branche ein wertvolles Referenz-, Nachschlage-, Denk- und Rezepthandbuch zu sein.
Vor allem fehlt die Einbindung eines lebendigen, moderierten Dialogs, in erster Linie über Fachfragen. Dieser Dialog muß technisch in engster Verbindung zu den aktuellen Berichten und zu den archivalisch-lexikalischen Fachinformationsmitteln stehen, die börsenblatt.net anbieten sollte - eigentlich...
Es ist auch nicht für 5 Pfennige der Versuch gemacht worden, über die geschmäcklerisch-äußerliche "Modernisierung" des Webauftritts hinaus eine inhaltliche Reorganisation zu unternehmen.
Die gesamte neuzeitliche, berufsbezogene Informations- und Dokumentationspraxis ist verschlafen worden. Es wurde im Vorfeld nicht analysiert, nicht richtig gedacht, - noch immer ist ein geschickt vernetztes Informations-, Melde-, Diskussions- und Nachschlagemedium nicht in Sicht.
Das ist enttäuschend. Deshalb die Abwertung.
Die Neugestaltung von börsenverein.net

..
Dieser Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Eine Webseite, die veröffentlicht wird, die sich dem Leser zumutet, darf und soll auch durch ihr Opfer, den Leser, beurteilt werden.
A.
Nota: Ausgegangen wurde hier von der Situation nach dem Aufruf der Registerkarte "Nachrichten"
...
1.
Bisher langweilte uns die Börsenblatt-Webseite als trockenes, womöglich allzu vertrautes, übersichtliches Informationsmittel. Die alte Tante börsenblatt.net wurde zwar im Lauf der Zeit aufgehübscht, es gab Wort-Wolken, die uns überraschende, freilich auch blödsinnige Informationen vermittelten über die Zusammenhänge zwischen Statistik und Sinn im Arbeitsbereich des Buchhandels, allerlei Seltsames wurde versucht, etwa die stolze Präsentation mehr gutgemeinter als ausgereifter Schülerarbeiten an prominenter Stelle als eine Art verunglückter Wiki, ein fast nie benutztes Dialogsystem hoffte, sich eines Tages zum Dialogforum zu entwickeln, in Farbe und Gestus überwiegend peinlich zurechtgemotzte Fotos gab es, zwang- und sieghaft lächelnde, optimistische und manipulierende Portraits - aber das ganze war doch übersichtlich, seriös, von Ausnahmen abgesehen gescheit formuliert und in einem tieferen Sinn anständig - kurzum: Eine vernünftige, keineswegs nur mittelmäßige, in ihrer Art durchaus liebenswerte Informationsseite.
Ich habe sie täglich besucht und mußte dies kaum einmal bedauern.
Dergestalt liebgewonnene Plätze möchte man nicht gern verändert wissen. Wenn eine altgewohnte Webseite dann aber doch von Grund auf umgebaut wird, dann schauen wir genau hin, probieren die neuen Stühle aus und prüfen den Kaffee aus der neuen Maschine mit Bedacht.
2.
Das neue börsenblatt.net ist, gemessen an den stillen Revisionswünschen des Lesers, eine Katastrophe.
Mit diesem Urteil könnte man es bewenden lassen. Es mag sich aber lohnen, einige Gründe aufzudröseln. Ans Werk.
Im Kopf werden wir mit 19 (neunzehn) fett und prominent gedruckten Registerkarten beglückt, dazu kommen, wir befinden uns immer noch im Seitenkopf, 9 graphisch etwas zurückgenommene zusätzliche Register-Taben. Noch ehe wir zum Lesen des ersten Artikels gelangen, quält sich unser Auge durch 28 anklickbare, auszuwählende Bereiche.
Über ein Drittel der gesamten Webseitenfläche beim ersten Aufruf der (stets ja doch als erste angeklickten) Registerkarte "Nachrichten" ist so durch Titel und Registertaben verschenkt, zugemüllt, vertan.
Man kann mit der Methode des "Anreißens" arbeiten, also mit kurzen Appetithäppchen den Inhalt der Meldungen erst einmal in Kurzform hersetzen und darauf vertrauen, daß der Leser diejenigen Beiträge, die ihn persönlich interessieren, zum weiteren Lesen anklicken und aufrufen wird. Wer gewillt ist, sich als Redakteur eine Minute Zeit zu nehmen, wird den Inhalt oder Gehalt des Artikels in Kurzform herüberbringen - wem auch das noch zuviel Aufwand erscheint, wendet gar jenes quälende Verfahren an, einfach den Anfang des Textes mechanisch zu bringen, garniert mit den ominösen drei Pünktchen und dem Hinweis "zum Weiterlesen bitte hier klicken". Hier wird eine mildere Form solcher Quälerei angewendet - stur ist nämlich jedem Beitrag eine Zusammenfassung vorangestellt, seltsam ungeschickt, wie im Deutschaufsatz mit der Vorgabe "Jeder Schüler soll am Anfang seines Aufsatzes in zwei Sätzen den Inhalt zusammenfassen. Erst dann darf mit dem Beitrag begonnen werden".
Das kann man so machen, wenns denn sein muß. Aber durch die übergroßen roten Überschriften wird solch übersichtliches, wenn auch langweiliges und stures Vorgehen konterkariert. Der Vorteil solcher "teaser" soll doch die Möglichkeit einer *schnellen* ersten Information, eines Überblicks sein! Wenn ich aber durch Anwendung völlig absurder Typographie und Graphik nur gerade einmal mit 2 (zwei) Artikeln auf der ersten Bildschirmseite beim Leser anklopfe, dann führe ich mein System ad absurdum.
Überhaupt ist graphisch alles im Eimer. Natürlich kann ich mit hochweißem oder leicht angegrautem, sehr hellem Hintergrund arbeiten, der alten Seite hat das gut zu Gesicht gestanden. Dann muß ich dieser etwas aufdringlichen Helligkeit aber eine relativ kompresse Typographie entgegensetzen, es soll ja nicht alles hell erscheinen. Die Grundgesetze unseres Auges sind bei der neuen Webseite gröblich mißachtet worden - es ist, auch wegen der vielen hellen Freiräume,
alles seltsam flatterhaft, verflatternd, ungefähr geraten,
wie einzelne weiße Fähnchen, deren Beschriftung längst verblaßt ist, wir sehen aufdringliche rote Überschriften-Teile und einen zusammenhanglosen blassen Textteil, genauer - Fragmente, Textstummel.
Das alles immer unter dem prominenten, aufdringlichen Gerüst der 28 Registerkarten.
Man kann in solch optisch ganz unbefriedigenden Situationen zu einem letzten Mittel greifen und durch straffe Linien- und Kästchengestaltung Stützen in das baufällige, sieche Gebilde einziehen. Dieses Verfahren ist hier durch potthäßliche Verunstaltung ad absurdum geführt worden: Durchgezogene Linien wechseln mit jenen gefürchteten gepunkteten Linien, die schnittmustergleich fast immer irritierend wirken, was man bei manchen Bücherdatenbanken sehr schön beobachten kann.
Die Grundgliederung in eine breitere linke und eine schmalere rechte Spalte wirkt seltsam unharmonisch, keine Rede von goldenem Schnitt. Die beiden Spalten sind zu nah, zu hart aneinandergesetzt, seltsame, geradezu manisch angeordnete Grau-Unterlegungen (natürlich im Leichenhallen-Violetthellgrau) verschlimmern das optische Chaos noch. Hier durften sich die Kinder im Vorschulgarten austoben - oder wie soll der Leser den Wechsel von roten und schwarzen Überschriften in den beiden Spalten anders interpretieren?
"Service" und "Navigationsübersicht" am Fuß der Seite sind dann nur noch peinlich - formal und inhaltlich schlechteste Schusterei, mies unter aller Kritik.
Wir wissen schon, was der Unglückswurm sich bei der Konzeption gedacht hat. Durch eine "bunte Mischung" der Beiträge soll die Seite werbefreundlich gestaltet werden, soll der Leser die Seite als bunten Fleckerlteppich empfinden, in dem er sich gern aufhält. In dieser Seite aber hält er sich nicht auf, er ergreift die Flucht.
3.
Hier sollte sich eine inhaltliche Analyse der neuen Webseite anschließen, wir kenne ja nun die vielfältigen Arbeitsbereiche des Börsenvereins ganz gut und wissen aus jahrelanger Lektüre, was für Arten von Informationen und Beiträgen zu welchem Thema wie oft zu erwarten sind. Gemessen an der Gewichtung der praktischen Arbeit der Buchhändler, Verleger, Antiquare usw. sind die ärgsten Mängel des neuen Konzepts auf der inhaltlichen Seite zu suchen, im Bereich der sachlichen Anordnung, der thematischen Gestaltung, kurz der Fachinformation.
Hieran vor allem wird das neue Seitenkonzept gemessen. Der fachbezogene Leser will jene ehrliche, übersichtliche Information, die ihm formal und thematisch die alte Webseite geboten hatte.
Mein Gesamturteil lautet: Formal geschmäcklerisch, graphisch eine Zumutung, journalistisch seltsam kindlich und unbeholfen, verwirrend. Thematisch und in der sachlichen Gliederung, bezogen auf die Nutzung durch Fachleute, eine einzige Ungeschicklichkeit.
B.
Bei der Darstellung, bei Lesen einzelner Berichte, wenn der Leser also sozusagen am Ziel angekommen ist, fallen ins Auge die folgenden Punkte:
a)
Auch wenn eine gemäßigte Form des seit den diversen Eurobuch-Sünden bestgehaßten "arteriellen Blut-Rot" angewendet wird, es bleibt doch eine aufdringliche Warnfarbe, die in dieser Art völlig unangemessen erscheint. Die roten Überschriften stehen, wie es nun einmal im Antiquariatsbereich der Fall ist, in aller Regel über recht drögen, eher langweiligen, sachlichen Themen, die alles vertragen, nur nicht die "Aufwertung" durch blutrote Überschriften.
b)
Der allzu reichliche Zeilenabstand läßt den Nutzer scrollen, was dieser eher nicht liebt, vor allem aber muß das Mausrädchen für Fachtexte bemüht werden, die gut und gern in einem Blick, auf einer Bildschirmseite gelesen werden könnten und sollten. Vor allem auch deshalb, weil die meisten Meldungen, daran scheint sich nichts geändert zu haben, zu knapp, zu kurz, zu wenig ausführlich sind, siehe etwa die Seite zu den Schweizer Digitalisierungen. Dieses Thema ist doch für unsere Tagesarbeit und (leider) auch für die Strategie unseres Gewerbes hochwichtig als *Prinzip* - aus diesem Thema kann und muß sehr viel gelernt werden für das Antiquariat.
c)
Wirklich quälend ist hier nun, beim Lesen des Einzelberichts, die beibehaltene Drittelung der ganzen Seite. Ich bin durch die rechts stehenden Zusatzangaben - für sich genommen sind sie ja durchaus nützlich - nur gestört. Das muß ganz anders gelöst werden. In der jetzigen Form
*verliert sich das Auge beim Lesen des Beitrags
nach rechts, beständige Bemühung ist erforderlich, um den Lesefluß des Beitrags links einzuhalten. Wobei wieder rechts, wir sagten es schon, die Manie des "freien Raumes", das Zuviel an weiß, stört. Hätten wir rechts z.B. einen eng gesetzten dunklen Text (wovor uns Gott behüten möge), wäre die Störung beim Lesen des linken Textes dennoch weniger lästig als eben durch die weißen Felder rechts.
d)
Die Gleitwerbung oben ist frech. Ich konnte sie bisher nicht besprechen, weil ich einen Werbeblocker benutze. Was, bitte, soll in dem armen Leser vorgehen, der unter raffiniert gleitender und zuckender Werbung den Sachbeitrag lesen will? Überhaupt wirkt jede Werbung, auch das kleine Kästchen für den Kollegen Reiss, auf der hochweißen Einfarbigkeit sehr störend, aufdringlich, unanständig. Natürlich muß Werbung sein, in dieser graphischen Situation aber eher fein dosiert.

Für die Verwendungsmöglichkeit des Fotos "Gestern in Frankfurt - Die neue Webseite ist fertig!" danken wir dem Schweizer Fernsehen, das die Urheberrechte daran besitzt.
Freitag, 12. Februar 2010
Im Kabuff

Guten Abend,
aus gegebenem Anlaß darf ich feststellen, daß es nicht meine Art ist, anonym oder pseudonym Beiträge oder Antworten zu verfassen. Ich habe solches immer nur dann getan, wenn aus den vorhergegangenen Umständen jedem Leser klar sein konnte, mit einem Augenzwinkern: Klar, dahinter steckt der Mulzer.
Das gilt besonders für zwei Foren bzw. Dienste, aus denen ich - soweit mein Wissen auf der Höhe der Zeit ist - herausgeworfen worden bin: Aus der Xing-Gruppe, weil der Verantwortliche, immer nach meiner persönlichen Einschätzung, nicht mehr ganz nüchtern war, wenn ich es so zart andeuten darf - - aus dem Börsenblatt, weil die Zwistigkeiten mit dem niederrheinischen Vorbild und Leuchtstern unserer Branche tatsächlich ein unerträgliches Maß erreicht hatten.
Solang ich von diesem Zustand ausgehen muß, bleibe ich dann auch draußen. Ich mogle mich nicht (wie man z.B. aufgrund der letzten beiden Postings des Börsenblatts vermuten könnte) unter Vorwänden in Medien ein, die mich lieber vor der Tür sehen als in ihren heiligen Hallen. Und ebenso wie ein hochangesehener Berliner Kollege lehne auch ich es grundsätzlich ab, von den Beiträgen eines vor der Öffentlichkeit sorgsam geheimgehaltenen Forums Kenntnis zu nehmen, selbst dann nicht, wenn sie mir (was mehrfach geschehen ist) von dritter Seite zur Verfügung gestellt werden.
Da ich an einer Webseite bastle, die sich an die Kunden des Antiquariats, am Rande auch an die Antiquare selbst wendet, setze ich den Blog einstweilen nicht fort, hätte also durchaus Zeit und auch Anlaß, munter zu diskutieren, über meine eigenen Arbeiten und die Sorgen der werten Kollegen.
Aber dann muß man mir das freistellen. Vorderhand sitze ich, zur Freude der meisten Kollegen, im Kabuff.
(Professor Unrat mal wieder lesen...)
Montag, 1. Februar 2010
Weinbrenners Xing-Gruppe: Ein notwendiger Untergang?
....
http://www.boersenblatt.net/355940/template/b4_tpl_antiquariat/
Nun ist sie also vorbei, die Herrlichkeit. Ich hatte dem Unternehmen von Herrn Weinbrenner - als Kollegen kann ich ihn nicht so recht bezeichnen - von Anfang an nicht getraut. nicht etwa, weil Weinbrenner aus der Apothekenwerbung kam, oder so ähnlich, auch nicht wegen der geradezu erschütternden Naivität seiner ersten Titelaufnahmen. Geld verdienen darf und soll man, auch über die düsteren Umwege, die XING eröffnet, ein Kommunikationssystem, dem vor einigen Monaten endlich der institutionalisierte Klau des Verwendungsrechtes a l l e r dort veröffentlichten Texte gerichtlich untersagt worden ist, wenn ich mich nicht irre.
Nein, auch nicht jener cholerische Wesenszug, der das mitmenschliche Verhalten Weinbrenners trüben mußte, weil er eben nicht mit der liebenswürdigen, ausgleichenden Freundlichkeit aufwarten konnte, die impulsive Schreiber sonst auszeichnet - er war wirklich harsch und ungnädig.
Auch das darf man sein, aber man sollte dann nicht auf die Idee kommen, ein Forum zu leiten.
Schwerer wiegt für mich, daß Weinbrenner, der seine Xing-Gruppe durchaus offen zugänglich hätte einrichten können, auf den scheußlichen, ganz verfehlten Holzweg geraten war, die Gesprächsrunde zu sekretieren, sie "geheim" einzurichten, Google außenvorzulassen. Eingeschriebene Mitgliedschaften in Ehren, das erleichtert die (sehr aufwendige) Moderatorentätigkeit und ist nicht zu verwerfen. Was aber des Teufels ist: Man darf Gruppen, die dem allgemeinen Fortschritt einer ganzen Branche dienen sollen, nicht von der Öffentlichkeit total abschotten wollen.
Über Mechanismen, zu denen viel zu sagen wäre, läuft dann ein Abwürgemechanismus, ein Austrocknen der Diskussion - und auch die Hochzüchtung innerer, interner Konflikte, denen die Öffentlichkeit als natürliches Regulativ ganz fehlt.
Dazu kommt die besondere Struktur unserer Berufsgruppe. Bei bestimmten Komplizierungen, bei einer "Übermoderation", bei Überkontrolle und paranoider Verheimlichung bleibt in unseren Berufsforen immer nur ein ganz kleiner aktiver Kern, der mitdiskutiert, als Prototyp würde ich den geschätzten Kollegen Kretzer benennen wollen. Das ist an sich schön, und alle lesen sowas gern, aber die aktive Mitarbeit der anderen erlahmt, wenn nicht Transparenz, Demokratie, Offenheit und, vor allem Öffentlichkeit g e w a g t wird.
Da man von mir offene Worte erwartet, halte ich auch nicht hinterm Berg mit meiner persönlichen Einschätzung: Herrn Weinbrenners Projekte waren mir nie ganz koscher vorgekommen; man sollte versuchen, ein berufliches Forum möglichst nicht mit pekuniären Interessen zu verknüpfen.
Die unkommentierte Meldung heute im Börsenblatt ist, die Kritik sei gestattet, in dieser Form äußerst mager. So brisante Themen derart schäbig und knapp abzuhandeln, erinnert mich an die Deutschaufsätze gewisser Mitschuüler, die - mit Recht - trotz gutem Stil nie über ein "ausreichend" hinausgekommen sind. Redakteur Biester sollte vermeiden, daß sich die interessanten Sätze schließlich ganz in die Kommentare verlagern.
Dem "Antiquariats-Anzeiger" von Stormchen, freundlichen Andenkens, habe ich eine kleine Träne nachgeweint. Weinbrenners Xing-Zwangsanstalt dagegen hat ihr Ende verdient. So geht das nicht.
Wie aber dann? Darüber wird nachzudenken sein.
Nachtrag:
(Zitat aus der Feder von bookmarathon im Börsenblatt:) "Für mich habe ich erkannt, dass Gruppen usw. völlig sinnlos sind. Letztendlich entscheidet das Geschick jedes Einzelnen über wirtschaftlichen Erfolg oder Untergang. Informationen gibt genug im Netzt, dafür braucht kein Mensch mehr irgendeinen Antiquar seine "Geheimnisse" zu entlocken." (Ende Zitat)
Solang, unwidersprochen, im Kommentateil des Bösenblatts derartiger Unfug, so blödsinniger Schwachsinn geäußert werden kann, ohne daß Kollegen energisch widersprechen, bedarf unsere Branche der Aufklärung und Gruppenbildung mehr denn je.
Das Foto gehört "Titanic Adventure Slide". Wird auf einfache Anforderung hin entfernt.
Vom Elend unserer Edeltitelbeschreibungen, Klappe 001

...
...
1.
Die Grundgesetze, Schwächen und Reformmöglichkeiten im unteren und mittleren Antiquariat könnten auch von außen, durch Laien, denen das alte Buch eher fern steht, untersucht werden.
Weil ich mittelfristig auf massive Unterstützung meiner Thesen durch die Volks- und Betriebswirtschaft rechne (auch durch die Buch- und Bildungsforschung übrigens), lag es für mich nahe, den Antiquariatsmarkt in den letzten Blogs von unten her aufzurollen und nicht mit den Edelkollegen zu beginnen.
Zwar dürfte der wirklich getätigte wertmäßige Umsatz an Altbüchern der Unter- und Mittelklasse nur bei etwa 50-60 % des Gesamtumsatzes im Antiquariat liegen, aber die ganz unglaubliche Menge an praktisch unverkäuflichen älteren Titeln, die jedem Kollegen im Nacken sitzt, die teils verhehlte, verschwiegene und umgefälschte, in anderen Branchen so niemals mögliche Absatzblockierung ließ es sinnvoll erscheinen, die Oberklasse der Altbücher erst einmal links liegen zu lassen.
Wir haben ja auch in den letzten Tagen hier gesehen, wie einfach und einleuchtend Reformen im Unter- und Mittelbereich unserer Altbücher im Internetabsatz durchgeführt werden können. Die Gründe liegen zu Tage, jeder kennt sie "eigentlich", aber niemand kommt auf die Idee, sie anzusprechen - und in der Konsequenz dann auch umzusetzen.
Ich gestehe, daß es noch einen anderen Grund gibt für mich, eher zögerlich an Reformüberlegungen zur Edelware heranzugehen.
- Während (vermeintlich oder tatsächlich) an gewöhnlichen Titeln oder gar Konvoluten nur spärlich Geld zu verdienen ist, stürzt sich bei allem, was mit Edelware zusammenhängt, ein gieriger Schwarm von Geiern auf jede Idee, die man äußert, und setzt sie flugs um. Es macht Spaß, im unteren und mittleren Feld durch Reformüberlegungen zu helfen - dagegen ist es ein widerliches Geschäft, gewinngeilen Internetunternehmern auch noch gratis Ideen zu liefern.
- Noch schwerer wiegt aber, in welchem verheerenden Ausmaß das Elend, die Katastrophe unserer Titelaufnahmen oder präziser Titelbeschreibungen bei unserer Edelware deutlich wird. Im Bereich der Spitzentitel müssen wir in Zukunft ganz andere - o Unwort vom Niederrhein - "Qualitätskriterien" einfordern als bei gewöhnlichen Titeln. Hier gestattet die Gewinnmarge einen vernünftigen Zeitaufwand, hier haben wir es in der Regel mit hochqualifizierter Kundschaft zu tun, hier lohnt es sich auch geistig-kulturell für den ermittelnden Antiquar selbst, Autor, Thema, Druckausführung, Rezeptionsgeschichte usw. kennenzulernen und darzustellen.
Jener fürchterliche Bleiwüstenunfug, jenes Monument der Verhältnisblödsinnigkeit unserer führenden Edelantiquare, jenes archaisches Untier zur Verjagung und Verhinderung neuer Kundenschichten im besseren Antiquariat, jener Quack-Sammelkatalog also unseligen Angedenkens, führt uns das ganze Elend, die Verkommenheit, das M i ß v e r s t ä n d n i s unserer Titelbeschreibung im gehobenen Sektor vor.
Da mir die Zeit fehlt und, ich sagte es schon, auch die rechte Lust, anhand von Beispielen und methodisch hergeleitet dieses Thema jetzt schon zu beackern, darf ich es im Folgenden allgemein sagen, als Denkanstoß.
Wir passen unsere Edeltitel-Beschreibungen nicht den Recherchemitteln des Internets an. Anders als noch vor zehn Jahren ist es heute mit einiger Übung möglich, so gut wie jeden wichtigeren Namen, jede Idee, jede Neuerung im geistig-kulturellen, im technischen, im kirchlichen, jurstischen, im Verlags- und Druckwesen usw.
*sekundenschnell zu ermitteln,
oft auch in Kurzform direkt zu übernehmen. Das ist zuerst einmal, wie ich angesichts der üblichen philosophischen Verstiegenheit unserer Edelkollegen mit Vergnügen feststelle, schlicht und ergreifend eine Frage der reinen
*Arbeitstechnik.
Kein Platz also für gehaltvolles philosophisches Geraune. A r b e i t s t e c h n i k !
Dann natürlich auch eine Frage der geistigen Reife und des immensen Sachwissens in Zusammenhängen, das der Edelantiquar haben muß, das er zwingend braucht, sonst wirds nichts. Dieser Satz gilt auch dann, wenn wir in gewissem Maß "türken" können mit den heutigen Netzmitteln, so tun als ob wir den großen Durchblick haben würden.
Die Umsetzung der modernen Recherchemöglichkeiten hinein in die Titelbeschreibungen, jetzt besser: Titeleinschätzung, Titelbewertung ("Wert" in tieferem Sinn), darum geht es im Kern.
Sie wird überhaupt nicht beherrscht. Mein Zorn gegen die Nachbeter der alten Wendt-Tradition, überhaupt mein E k e l vor jener Mischung aus Verblasenheit, Dünkel, Borniertheit und - Dummheit, die manche Titeleinbeschreibungen im Spitzenbereich auszeichnet, ist ganz spontaner Natur. Ich kann dann einfach nicht weiterlesen, das ist mitunter unerträglich in jeder Hinsicht.
Zu beheben ist dies, ich sags ein drittes Mal, vorwiegend durch den geschickten, planmäßigen Einsatz der neuen Netzrecherchemöglichkeiten. Durch neue Arbeitstechnik und ihre Umsetzung auch graphisch.
Notwendig ist die Diskussion, Verabschiedung und allgemeine Einführung n e u e r Prinzipien in der gehobenen Titelaufnahme und Titeleinschätzung. Wie es nicht gemacht werden darf, formal-graphisch und formal-taktisch, können wir nirgends besser sehen als im Quack-Erlemannschen Gebilde.
N e u e formale Titelbeschreibung (siehe übrigens auch die zwingend zu fordernde Fotostrecke für jeden Edeltitel), n e u e Ermittlung des kulturellen, drucktechnischen, graphischen Werts, weitere n e u e Wertkriterien. Ob sich damit neue Käuferschichten erreichen lassen, wie durch unsere anstehende Generalreform im Unter- und Mittelfeld, das bezweifle ich.
Aber wäre es nicht schon ein Gewinn, wenn die unsägliche Qual, die das Lesen der meisten Edelkataloge von heute bereitet, ein Ende findet, wenn Antiquar und Bücherliebhaber sich auf moderner, neuer, entspannter Grundlage begegnen?
Nachschrift 1)
Schon wegen der Fotostrecke für jeden Titel (3-4 exzellente Scans, vergrößerungsfähig) kann es Kataloge in Zukunft nur noch in engster Kombination mit zugehöriger Webseite geben. W i e die Verzahnung von Katalog mit zugehöriger Webseite aussehen muß, damit sie praktisch nutzbar wird, darin liegt eines der Geheimnisse, denen wir uns in Zukunft widmen sollten.
Schludrige Umsetzung nach System w+h (o buchhai, o) wird hier mehr schaden als nützen.
Nachschrift 2)
In Zukunft müssen wir mit Verlinkungen aus der Titelaufnahme heraus arbeiten (in/ aus den Kommentaren sowieso). Wir markieren also Wiki-, NDB-, BBKL- und andere Fundstellen farblich als Links auch dann, wenn sie Titelbestandteil sind. Das darf der Kunde erwarten (auch wenn ers selber ergooglen könnte). Schon mit diesem einen, zugegebenermaßen bescheidenen, Mittel würde unsere verstaubte Titelerfassung im Edelbereich revolutioniert. Wobei auch das Linksetzen gekonnt und sinnvoll geschehen muß, auch farblich und technisch alles stimmen muß dabei (o Buchhai, o).
Für das Edel-Käsefoto danken wir blogtasteofcheese, denen das Bild gehört. Wird auf formlose Anforderung hin entfernt.
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